Vegpool Logo

Felßner bei Tierschutzkontrolle erwischt! Attacke auf Aktivisten nur Vorwand?

Dieses Foto soll aus dem Betrieb von Agrar-Funktionär Günther Felßner stammen.
Dieses Foto soll aus dem Betrieb von Agrar-Funktionär Günther Felßner stammen. Bild: PETA Deutschland e. V.

Was mit einem harmlosen Plakat von Tierschützern begonnen hatte, könnte zum Politikum werden – und sogar CSU-Chef Markus Söder auf die Füße fallen! Kommentar.

Es begann damit, dass die bayerische CSU einen Mann als Bundesagrarminister vorgeschlagen hat: Günther Felßner. Der ist Präsident des Bayerischen Bauernverbands und als solcher ein waschechter Lobbyist.

Einen Industrie-Lobbyisten in der Zentrale der Macht zu platzieren? Dieser Gedanke löste parteiübergreifend Entsetzen aus! Dementsprechend laut waren die öffentlichen Proteste.

Eine Petition von Campact konnte mehr als 400.000 Unterschriften sammeln! [1]

Und dann kamen Aktivisten der Aktionsgruppe "Animal Rebellion" ins Spiel. Sie hängten ein bemaltes Bettlaken vor die Türe eines Mastbetriebs von Felßner in Günthersbühl. Darauf stand: "Kein Tierausbeuter als Agrarminister". Wir hatten berichtet.

Shitstorm der Agrarindustrie: Tierschützer als "Terroristen"?

Günther Felßner trat danach von seiner Bewerbung als Agrarminister zurück. Er warf den Aktivisten indirekt vor, körperliche Gewalt ausgeübt zu haben, sowie Feuer gelegt zu haben. Sogar von Terrorismus war die Rede! [2]

Die Aktivisten waren von der Heftigkeit der Vorwürfe offenbar selbst überrascht – und wiesen sie entsetzt von sich.

Das Agrar-Magazin Top-Agrar zitierte Felßner so:

Wenn jemand aufs Dach steigt, Feuer anzündet, Rauch einleitet, Hausfriedensbruch begeht und physisch und psychisch Gewalt gegen politische Personen anwendet, ist das ein unmögliches Vorgehen. [3]

Nicht nur Agrar-Medien schrieben über Brandstiftung, Gewalt und sogar Einschüchterung am Wohnort. Dabei befindet sich die Privatwohnung von Felßner laut TAZ-Recherchen 400 Meter entfernt. [4]

Hol dir den Vegan-Radar!
Erfrischende Vegan-Mails, Sonntags aus der Redaktion. Artikel, Inspiration, Rückhalt, Aktionen und mehr.
✓ jederzeit abbestellbar

Selbst bei bestem Willen handelte es sich bei vielen Anschuldigungen um ausgedachten Quatsch!

Mitunter kam der Eindruck einer politischen Kampagne der Agrar-Verbände auf. Gegen Tierschützer, gegen Anti-Korruptions-Verbände und alle, die die Demokratie gegen die Übermacht der industriellen Interessen verteidigen.

Doch eine neue Nachricht verleiht der ganzen Geschichte eine drastische Wendung:

Mängel in Betrieb von Felßner entdeckt – eigentlicher Grund für Rücktritt?

Medienberichten zufolge hat die zuständige Behörde den Felßner-Betrieb bereits vor dem Tierschutz-Protest besucht – und dabei Mängel festgestellt. [5]

Nach Angaben von PETA soll Felßner zudem versucht haben, die Veröffentlichung von Fotos aus seinem Betrieb rechtlich zu verhindern. Offenbar erfolglos. [6]

Fassen wir zusammen:

  • Die CSU nominiert einen Agrar-Lobbyisten zum Bundesagrarminister. Dies stößt parteiübergreifend auf heftige Kritik. Die CSU verteidigt Felßner mit den Worten, die Position hätte einen "Fachmann" verdient.
  • Tierschützer hängen ein Protest-Plakat vor dessen Betrieb auf.
  • Agrarverbände und -medien organisieren einen Shitstorm und hetzen gegen die Aktivisten, bezeichnen sie als Einbrecher, Gewalttäter, Brandstifter und Terroristen. Es gibt sogar eine "Demo gegen Gewalt". [2]
  • Günther Felßner tritt zurück – und behauptet, es läge am Protest der Tierschützer.
  • Nun kommt heraus, dass bereits vor dem Protest eine behördliche Kontrolle Mängel ergeben hat.

War der Rücktritt Felßners in Wahrheit ein Rauswurf?

Ist Felßner also nicht aus Angst vor "Terroristen" zurückgetreten – sondern wurde er schlicht rausgeworfen? Von einer CSU, die am Ende selbst zur Einsicht gelangte, dass dieser Mann kein Bundesagrarminister sein sollte?

Waren die groben (und falschen) Beschuldigungen gegen die Tierschützer rein politisch motiviert? Eine "Exit-Strategie", wie Aktivisten es bezeichnen, um vom eigentlichen Grund des Rauswurfs abzulenken?

Eine konzertierte Agrar-Aktion, damit die Öffentlichkeit nicht erfährt, dass die CSU einen Tierquäler zum Bundesagrarminister ernennen wollte?

Und noch eine Frage bleibt offen!

Werden die Mängel im Betrieb von Agrar-Funktionär Günther Felßner von den Behörden ausreichend wirksam verfolgt, wie es das Tierschutzrecht vorsieht?

Und wie sieht es eigentlich in den Betrieben anderer Agrar-Funktionäre und -Politiker aus?

Ein Rechtsgutachten hat 2022 massive Defizite beim Vollzug des Tierschutzgesetzes ergeben. Selbst notorische Tierquäler müssten demnach kaum mit ernsthaften Strafen rechnen. [7]

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

Wie hat dir der Artikel gefallen?
5,0/5 Sterne (3 Bew.)
Diskussion im Forum:
Wurde Felßner in Wahrheit wegen Tierschutz-Mängeln rausgeworfen?
Letzter Beitrag: gestern von mandelinchen.

Dazu passende Artikel:

Bauern-Protest: 12 Wut-Ideen für weitere Agrar-Demos! (Felßner-Rücktritt)

Felßner-Protest: Vorwürfe gegen Aktivisten politisch inszeniert?

Nach Protest gegen Agrar-Funktionär Felßner: Aktivisten bestreiten Vorwürfe!

Vegan am Ende? Warum langer Atem jetzt wichtig ist!