Klage gegen Hersteller: Veganer Eierlikör verboten?

Ist eine vegane Alternative zu Eierlikör wirklich verboten – selbst wenn man sofort erkennt, worum es geht? Das muss nun ein Gericht entscheiden! Kommentar.
Manchmal scheint es, als würde die Tierindustrie alles verklagen, was ihr in den Kram passt. Und zwar nur, weil sie es kann.
So kommt es mir auch in diesem Fall vor, in dem ein Spirituosen-Verband einen Hersteller von veganem Eierlikör verklagt. Weil veganer Eierlikör auf echten Eierlikör anspielen würde.
Das strittige, vegane Erzeugnis trägt den Namen "Likör ohne Ei". Auf dem Etikett ist eine Zeichnung von einem Hahn zu sehen.
Wie es scheint, ist der Vorstand des Klägers zugleich der Vorsitzende eines Eierlikör-Herstellers. Hier geht sich die Branche also gegenseitig auf die ... Eier.
Warum veganer Eierlikör?
Wenn Menschen Eierlikör mögen, nicht aber Eier, dann kommt ein veganer Eierlikör wie gerufen.
Produkte wie dieses haben ein offensichtliches, zentrales Verkaufsargument: Sie sind vegan.
Deshalb schreiben Hersteller groß und fett "vegan" darauf. Damit niemand denkt, er wäre aus Hühnereiern gemacht.
Schmeckt wie gewohnt, nur ohne die Nachteile. Das ist die Idee hinter Alternativen zu Tierprodukten. Von veganen Frikadellen über Hafermilch bis zum Eierlikör.
Für ihre Vegan-Bemühungen schlagen die Hersteller gerne mal einen Vegan-Aufpreis obendrauf.
Es liegt also im Interesse der Hersteller, eine Verwechslungsgefahr auszuschließen.
Eierlikör-Hersteller gehen sich auf die Eier!
Wenn ich sehe, dass ein Spirituosenverband einen Hersteller von veganem Eierlikör verklagt, stellen sich mir unweigerlich mehrere Fragen:
- Wie konstruiert ist der Vorwurf, "Likör ohne Ei" wäre eine Anspielung auf "echten" Eierlikör?
- Wo es doch gerade kein Eierlikör ist?
- Und wo explizit eine Vegan-Blume darauf ist?
- Wissen die Kläger eigentlich, dass Hähne keine Eier legen?
Und was ist eigentlich damit, dass Eierlikör traditionell ein Ersatz für Avocado-Likör ist? → Mehr zu den bizarren Hintergründen!
Der Milchindustrie ist es bereits gelungen, Sprachverbote in der Werbung einzuführen. Vegane Alternativen dürfen nicht den Begriff "Milch" im Namen tragen (während dies bei Sonnenmilch, Scheuermilch und Co weiter erlaubt ist, weil "Milch" ein normaler Begriff für milchige Flüssigkeiten ist).
Selbst eine Negierung ist nicht erlaubt. Eine Hafermilch als "KEINE MILCH" zu bewerben, ist ebenfalls verboten. Es sind Verbote, die für mich mit Vernunft und Menschenverstand schwer zu begründen sind.
Angriffe auf die deutsche Werbesprache sind daher absolut ernst zu verstehen. Das ist kein verspäteter Aprilscherz.
Darf künftig nur noch als "Ei" bezeichnet werden, was aus der Kloake eines Huhn stammt? Sind Schokoeier damit passé? Und wenn nicht: Warum dann veganer "Likör ohne Ei"?

Wie will man da vernünftigerweise zu einem Urteil kommen, das anders lautet als: "Likör ohne Ei" ist ne feine Sache - weiter so!?
Der verklagte Hersteller hat übrigens auch nicht-veganen Eierlikör im Sortiment. Der kostet 10 Euro weniger als das vegane Produkt. Mit Vegan-Aktivismus hat das also nichts zu tun. Absurd ist erscheint die Klage trotzdem.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig