Warum persönliches Engagement so wichtig (und sinnvoll) ist

Ein Schild mit der Aufschrift "There is no Planet B".
Klimaschutz ist Sache der Politik? Nicht nur! Persönliches Engagement ist wichtiger als man denkt. Bild: pixabay.com

Bringt es eigentlich etwas, wenn man sich persönlich für eine bessere Welt engagiert? Wenn man weniger Auto fährt, weniger Plastik verbraucht und natürlich vegan isst?

Oder sind die ökologischen Krisen der Erde eine Aufgabe der Politik, während unser persönlicher Einsatz ohnehin nichts bewirkt?

Sind Veganerinnen und Veganer womöglich bloß Opfer von Konzernen, die ihre Produkte zum überhöhten Preis verkaufen? Für das schöne Gefühl, "aktiv zu sein"?

Solche Diskussionen habt ihr bestimmt auch schon einmal verfolgt! Tatsächlich wird nämlich immer wieder behauptet, dass persönliches Engagement nichts bringen würde, weil schon die öffentliche Infrastruktur unsere Bemühungen zunichte mache.

Selbst wenn wir im Wald leben und uns von Beeren ernähren würden, wäre unser (statistischer) ökologischer Fußabdruck als deutsche Staatsbürger schon riesig. Weil die öffentliche Infrastruktur mitzählt.

Tatsächlich wird die Klimakrise nicht durch individuelles Engagement zu lösen sein. Jedenfalls nicht direkt. Und trotzdem ist persönliches Engagement umso wichtiger und vielleicht sogar entscheidend.

Tatsächlich brauchen wir beides: Politik und persönliches Engagement.

Warum wir persönliches Engagement brauchen

Viele der Argumente gegen persönliches Engagement gehören ins Reich der Ausreden. Es sind Argumente von Menschen, die keine Vorstellung davon haben, was der Menschheit durch die Klimakrise droht - und wie es anders gehen könnte.

Denn stellen wir uns einmal vor, die Politik hörte auf das, was Klimawissenschaftler weltweit empfehlen, um Lebensraum und Wohlstand zu bewahren. Länder weltweit beginnen, die Klimakrise - als größte Gefahr für das Überleben der Menschheit - wirklich engagiert zu stoppen.

Die Politik schwenkt also um. Rohstoffe werden effizienter genutzt. Erneuerbare Energien ausgebaut. Die Subventionierung von Massentierhaltung wird beendet und stattdessen wird eine vegane Ernährung gefördert, die nicht nur den Planeten schützt, sondern auch dazu beiträgt, dass die Bürgerinnen und Bürger fit, gesund und sexy werden. Tschüss Diabetes Typ 2!


Wie sollte das funktionieren, wenn niemand die Erfahrung hat und wir all dies der Politik überlassen würden?

Wenn niemand so richtig weiß, wie vegane Ernährung überhaupt funktioniert?

Vegane Politik ohne Erfahrung!?

Stellen wir uns also vor, es hätte nie eine vegane Bewegung gegeben. Die veganen Würstchen würden schmecken wie vor 30 Jahren. Sojamilch wäre nicht genießbar. "Beyond Meat" und Co würden vielleicht gerade erst mit Sojagranulat experimentieren.

Die Klimakrise wäre womöglich unser kleinstes Problem, wenn Menschen dazu übergehen, sich gegenseitig zu zerfleischen. Weil es sich zu sehr nach Verbot anfühlt - und zu wenig nach Chance.

Was haben wir für ein Glück, dass vegane Ernährung so einfach geworden ist!

Und das, weil eine wachsende Bewegung seit Jahrzehnten zeigt, dass es anders geht - und wie.

Das sind Erfolge von persönlichem Engagement - und von Vernetzung.


Der "Veganuary" ist längst zu einem weltweiten Event geworden, weil vegane Aktivistinnen und Aktivisten das Thema aus der Nische in die öffentliche Wahrnehmung gebracht haben. Weil "Vegan" jetzt frisch und sexy ist.

Wer heute noch von "Verzicht" schwafelt, hat wohl die letzten Jahre verschlafen.

Persönliches Engagement ist auch persönliche Weiterbildung. Wir lernen aus den eigenen, praktischen Erfahrungen, worauf es ankommt - und können so erst die richtigen politischen Forderungen stellen.

Wir können gute Argumente austauschen, die sich in der Praxis bewährt haben.

Wir bekommen erst eine Ahnung davon, wo das Kreuzchen auf dem Stimmzettel am meisten bewirkt.

Politik muss Veränderungen moderieren

Natürlich brauchen wir die Politik. Der Staat muss nicht nur mitziehen - er muss die Veränderung gestalten und moderieren. Er muss dafür sorgen, dass die Transformation sozialverträglich gelingt, damit alle von den Vorteilen profititieren.


Und es gibt nicht "die Politik". Politik wird von Menschen gemacht. In einer Demokratie haben wir das Glück, selbst in die Politik gehen zu können.

Auch im Bezirk oder in der Region können wir unsere Erfahrung einbringen. Zusammen mit unzähligen Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf der ganzen Welt. Die besten Strategien werden sich durchsetzen.

Wenn wir Politik und persönliches Engagement verbinden, wenn wir uns in der Kommune, regional und auch international austauschen und uns daran orientieren, was wirklich funktioniert, dann haben wir eine Chance, richtig viel zu bewirken.

Engagement ohne Perfektionismus

Und doch haben Kritikerinnen und Kritiker des persönlichen Engagements nicht ganz Unrecht. Denn eines ist klar: Es ist im Grunde fast egal, ob wir auf "Spuren" von Tierprodukten achten. Es kommt nicht auf die persönlichen "Fehler" an, sondern auf das, was wir erreichen können.

Deshalb geht es nicht darum, ob wir selbst perfekt ökologisch leben, sondern um die Idee, die ihrerseits Menschen begeistert und sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Vegane Ernährung ist schließlich kein Selbstzweck, sondern eine Alternative aus guten Gründen.


Dazu brauchen wir die persönliche Erfahrung und das persönliche Engagement - aber keinen übertriebenen Perfektionismus. Wir empfehlen daher eine vegane Ernährung nach dem Pareto-Prinzip. Und einen achtsamen, aber nicht übertrieben perfektionistischen Lebensstil.

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Autor: Kilian Dreißig
Veröffentlichung:

4,5/5 Sterne (15 Bew.)

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Was bringt persönliches Engagement wirklich?
(9 Antworten)
Letzter Beitrag: 10.02.2022, 10:59 Uhr



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Schlagworte: Politisches Klimakrise Klimaschutz fair und sozial Argumente
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