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Ist Käse klimaschädlich? Die erschreckenden Hintergründe!

Käse: Lecker, aber fatal für's Klima.
Käse: Lecker, aber fatal für's Klima. Bild: Asier- Adobe Stock / pixabay.com (Kombi)

Wieso ist Käse eigentlich so klimaschädlich? Dieser Frage wollen wir in diesem Artikel auf den Grund gehen. Denn Klimaschutz geht uns alle an. Wir alle benötigen schließlich Essen, Wasser und Luft zum Leben.

Jeder Leser hat natürlich seine eigenen moralischen Werte, daher behandeln wir in diesem Artikel nur die Klimafolgen von Käse.

Wenn euch auch das Tierwohl am Herzen liegt, dann findet ihr auf Vegpool viele weitere Artikel zum Thema. → Warum Kälbchen für Milch getötet werden.

Der CO₂-Ausstoß pro Kilo Käse unterscheidet sich deutlich von Sorte zu Sorte (Frischkäse hat z. B. eine andere Klimabilanz als Hartkäse). In diesem Artikel geht es daher um die Zusammenhänge zwischen Käseproduktion und Schäden fürs Klima, und weniger um reine Zahlen.

Man kann wirklich sagen: Käse killt unser Klima

Dass Fleisch und Wurst echte Klimakiller in der Ernährung sind, hat sich inzwischen herumgesprochen. Doch Käse gehört ebenfalls zu den Tierprodukten mit besonders großem Einfluss aufs Klima.

Denn auch bei Käse summieren sich eine Menge ökologischer Probleme zu einem großen Klima-Desaster.

Es beginnt zunächst mit der Haltung der Kühe. Kühe bekommen in der industriellen Tierhaltung Kraftfutter, das zuvor auf Ackerflächen angebaut wurde. Bis zu 70 Prozent der Futter-Energie stammt aus Ackerbau! Sie sind daher "Nahrungskonkurrenten" des Menschen.

Große Anbauflächen für Futtermittel befinden sich Urwald- und Regenwaldgebieten, zum Beispiel in Südamerika. Urwälder sind für ein gesundes Klima auf der Erde unverzichtbar. Sie produzieren Sauerstoff, speichern Feuchtigkeit und dienen auch noch als riesige CO₂-Speicher. Urwälder binden also CO₂ und schützen das Klima.

Wenn Wälder zerstört werden, geht nicht nur diese Klimaschutz-Funktion verloren – es wird auch das bereits gebundene CO₂ wieder freigesetzt. Experten sprechen von einer ökologischen Katastrophe. Denn auch wenn Urwaldgebiete weit weg sind, so basieren auch unsere Nahrungssysteme auf einem intakten Klima.

Auch deutsche Milchbauern beziehen Futtermittel aus solch sensiblen Gegenden. Das Problem scheint im Alltag zwar weit weg, beginnt aber gewissermaßen auf dem Käsebrot.

Immer Flächen fallen dem Hunger nach Tierprodukten zum Opfer, denn Futtermittel bringen mehr Geld als ein Wald mit unzähligen Pflanzen- und Tierarten. Zumindest kurzfristig. Langfristig muss die Allgemeinheit für die Schäden aufkommen.

Dieses Futter wird unter Einsatz von chemisch-synthetischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln angebaut, die teilweise in der Lebensmittelproduktion – aus gutem Grund – verboten sind.

Und auch das hat direkt mit dem Klima zu tun!

Beim Einsatz von synthetischen Düngemitteln wird Lachgas freigesetzt, das 300x so klimaschädlich ist wie CO₂ [1].

Vom landwirtschaftlich angebauten Futter wandeln die Kühe nur einen geringen Teil in die gewünschten Tierprodukte um. Anders gesagt: Die meiste Futter-Energie geht dabei als Gülle verloren. Und wenn deutsche Tiere mit Futter aus Südamerika gefüttert werden, landen die Nährstoffe auf deutschen Böden und übersättigen diese. Von Kreislauf keine Spur mehr!

Gülle führt zur Nitrat-Überlastung des Grundwassers
Gülle: Hier landen importierte Nährstoffe auf deutschen Böden. Bild: pixabay.com

Klimagase aus der Milchkuh-Haltung

Während die Rinder in den globalen Megaställen Futtermittel zu Gülle umwandeln, entsteht in ihren Mägen Methangas. Dieses ist ungefähr 25x klimawirksamer als CO₂ [2].

Alle Tierhaltungen setzen zwar Methangas frei, allerdings ist die Menge in Rinderhaltungen besonders groß. Bereits die Erzeugung eines Liters Kuhmilch setzt so viel CO₂ (und Äquivalente) frei wie die Verbrennung von einem Liter Benzin.

Dass Milch trotz des großen Bedarfes an Rohstoffen so billig verkauft wird, liegt unter anderem daran, dass die Milchbauern vom Staat mehrfach subventioniert werden. Die Milchindustrie wird dadurch den marktwirtschaftlichen Gesetzen enthoben – und steht dann scheinbar konkurrenzlos billig da. Dagegen hat ein Hersteller von klimafreundlichen Haferdrinks praktisch keine Chance. Dazu kommt, dass Kuhmilch in Deutschland nur mit 7 % Mehrwertsteuer besteuert wird, während man für Hafermilch 19 % zahlt. → So krass wird Kuhmilch vom Staat bevorzugt.

Doch beim Käse kommt noch ein ordentlicher Batzen darauf, der ihn erst so richtig klimaschädlich macht: die Konzentrierung der Milch.

Käse: Konzentrierter Klimakiller

Bei der Erzeugung von Käse wird das Protein aus der Kuhmilch mittels Lab (einem Produkt aus Kälbermägen) geronnen und ausgepresst. Für ein Kilo Käse werden je nach Sorte zwischen 4 (Frischkäse) bis 20 Liter Milch (Hartkäse) benötigt.

Hinter jedem Stück Käse steckt:

  • der Anbau der Futtermittel
  • das bei der Düngung entstehende Lachgas
  • das bei der Verdauung der Rinder entstehende Methan
  • die verloren gegangene Futter-Energie (Gülle)
  • die Energie, die Tierhaltungen an sich verbrauchen (Strom, Wasser, Transporte)
  • die Energie, damit ein Käse gekühlt reifen kann
  • die Folgen des Gülle-Überschusses auf die globalen Ökosysteme und deren Klimafolgen
  • ...

Und das ist nur eine Auswahl der Folgen fürs Klima. Wichtig: Es sind Aspekte, die uns als Menschheit betreffen. Es ist keine Frage der politischen Einstellung. Wir alle benötigen schließlich Luft, Wasser und Nahrung unabhängig von Partei und Glaube.

Eine Pizza vom Lieferdienst mit veganem Käse. Bild: K/Vegpool

Ist veganer Käse besser fürs Klima?

Und wenn ihr euch fragt, ob veganer Käse-(Ersatz) fürs Klima wirklich besser ist, dann macht euch eines klar:

Der Anbau von einem Kilo Kartoffeln (denn darauf basiert veganer Käse häufig) verursacht etwa ein Sechzigstel der klimawirksamen Gase, die ein Kilo Käse verursacht. 1/60! [3]

Veganer Käse zieht zwar nicht immer schönen Fäden und enthält auch weniger der Casomorphine, die Experten zufolge möglicherweise süchtig machen.

Dafür schmeckt veganer Käse auch ganz okay – und ist eine gute Alternative für Menschen, die den Geschmack von Käse lieben, nicht aber dessen Folgen fürs Klima. Es lohnt sich, die vielen verschiedenen Sorten und Hersteller einmal zu probieren.

Denn bei veganem Käse geht es darum, die Vorteile von Käse nachzuahmen und dabei die Nachteile fürs Klima zu beseitigen. Käse 2.0, wenn man so will.

Besser als Käse, könnte man sagen. Das kostet manchmal noch einen Euro mehr – aber dafür bezahlen wir nicht mit unseren Existenzgrundlagen.

Und wenn man keine veganen Ersatzprodukte mag, kann man auch einfach pflanzliche Aufstriche statt Käse verwenden. Ganz wie man mag.

Der Artikel wurde am 21.3.2024 leicht überarbeitet und aktualisiert.

Veröffentlichung:

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Warum Käse so schädlich fürs Klima ist
Letzter Beitrag: 21. Mär., von Okonomiyaki.

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AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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