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Kuhmilch wirklich so klimaschädlich wie brennendes Benzin?

Ist Milch wirklich genauso klimaschädlich wie Benzin?
Ist Milch wirklich genauso klimaschädlich wie Benzin? Bild: pixabay.com (Kombi)

Diese Zahlen klingen irrwitzig: Kuhmilch soll so klimaschädlich sein wie Benzin! Genauer gesagt: Bei der Produktion von einem Liter Kuhmilch soll das Klima so stark mit Klimagasen belastet werden wie bei der Verbrennung von einem Liter Sprit.

Entspricht das der Wahrheit? Wie kommen die Zahlen, auf die sich der Vergleich bezieht, überhaupt zustande? Lässt sich der Klimaeffekt von Kuhmilch wirklich mit Benzin vergleichen?

Der Verdacht, dass die Verbrennung von Benzin so klimaschädlich sei wie die Entstehung von einem Liter Kuhmilch, klingt in der Tat verrückt!

Wahrscheinlich auch deshalb, weil man bei brennendem Benzin gleich an Rauch und Qualm denkt … während Kuhmilch ganz sauber und harmlos aussieht.

Bei Benzin denkt man schneller an Umweltzerstörung als bei Milch. Bild: pixabay.com (Kombi)

Doch die wirksamsten Klimagase sind unsichtbar. Wir sehen weder Kohlendioxid noch Methan- oder Lachgas. Könnte also doch etwas an der Behauptung wahr sein?

Fassen wir zunächst kurz die Hintergründe zusammen!

Warum Milch ein "Klimakiller" ist

Dass Milchprodukte regelrechte "Klimakiller" sind, hat sich inzwischen herumgesprochen. Die wesentlichen Faktoren dafür sind:

  • Der Anbau der benötigten Futtermittel für die Kühe. Denn durch die Ausbringung synthetischer Düngemittel entsteht extrem klimaschädliches Lachgas. Lachgas ist etwa 200x so klimaschädlich wie Kohlendioxid. Mehr erfährst du hier. Auch die Rodung von Waldgebieten für die Gewinnung von Ackerland ist extrem klimaschädlich.
  • Die Tierhaltung an sich. Denn Rinder erzeugen große Mengen an Methangas, das ungehindert in die Atmosphäre entweichen kann. Methan ist etwa 25x so klimaschädlich wie Kohlendioxid (CO₂).
Die globale Tierhaltung bedroht das Klima. Bild: pixabay.com
Da die "Klimagase" CO₂, Methan und Lachgas ganz unterschiedlich auf das Klima wirken, spricht man von Klima-Äquivalenzen, um die Wirkung miteinander vergleichen zu können. Ein Kilo Methan ist etwa so klimaschädlich wie 25 Kilo CO₂. Ein Kilo Lachgas erwärmt das Klima etwa so stark wie 200 Kilo CO₂.

Milch und Benzin im Vergleich

Die FAO – das ist die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen – beziffert die Klimawirkung der Erzeugung von einem Liter Milch im globalen Durchschnitt mit etwa 2,4 Kilo kg CO2-(Äquivalenzen). [1] Den Link zur Veröffentlichung findest du unten im Quellenverzeichnis!

In diesen Zahlen sind Verarbeitung, Transport und Lagerung der Milch noch nicht berücksichtigt.

Bei der Verbrennung von einem Liter Benzin werden etwa 2,37 Kilo Kohlendioxid freigesetzt. Also sogar etwas weniger als bei der Herstellung von einem Liter Kuhmilch. [2]

Den Daten zufolge ist die Herstellung von einem Liter Kuhmilch also sogar ein bisschen klimaschädlicher als die Verbrennung von einem Liter Benzin.

Bei diesen Zahlen stützen wir uns auf Veröffentlichungen der FAO und des Helmholtz-Instituts. Die Quellen kannst du unten in der Quellenangabe nachvollziehen und selbst prüfen.

Bei Diesel unterscheiden sich die Zahlen nur leicht. Diesel setzt bei der Verbrennung pro Liter etwa 2,6 Kilo Kohlendioxid frei, also etwas mehr als Kuhmilch im Laufe ihrer Herstellung.

Wassermangel und Dürre sind typische Folgen einer zerstörerischen Landwirtschaft
Die Klimakrise bedroht unsere Lebensgrundlagen. Klimaschutz ist daher Selbstschutz. Bild: pixabay.com

Bei solch komplexen Analysen gibt es immer natürliche Schwankungen, daher bezieht sich die FAO auf einen ungefähren, statistischen Mittelwert. Doch diese Zahl könnte auch ideologische Milchtrinker schockieren!

Fazit: Die Zahlen sind erschreckend!

Es stimmt also: Die Erzeugung von einem Liter Kuhmilch ist etwa so klimaschädlich wie die Verbrennung von einem Liter Benzin! Vielleicht sogar ein bisschen schädlicher.

Und anhand dieser Zahlen wird deutlich, warum konzentrierte Tierprodukte wie Käse, Quark oder Joghurt den Klimawandel noch stärker vorantreiben. Denn hinter einem Kilo Hartkäse verbergen sich mitunter 15 Liter Milch. In einem Kilo Butter sind es sogar bis zu 20 Liter!

Sowohl Fleisch- als auch Milchprodukte zu vermeiden, ist essenziell für den Klimaschutz – und daher für den Schutz unserer Lebensgrundlagen.

Pflanzendrinks sind eine gute und klimafreundliche Alternative zu Milch. Bild: Pixabay.com

Was du tun kannst

Jeder hat seine eigenen Werte, daher verzichten wir auf moralische Appelle. Doch wenn auch du einen Beitrag zum Schutz unserer Lebensgrundlagen leisten möchtest – und den Schritt zu einer pflanzliche(re)n Ernährung wagst -, dann findest du auf Vegpool alle Infos, die du benötigst.

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Update 23.2.2024: Kleinere Überarbeitungen.

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Letzter Beitrag: 05.05.2020, von Hinterfrager.

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3,6/5 Sterne (100 Bew.)
AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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