Vegpool Logo

Enthält Kuhmilch schädliche Hormone? Faktencheck!

Männerbrüste durch Hormone aus der Kuhmilch?
Männerbrüste durch Hormone aus der Kuhmilch? Hier unser Faktencheck! Bild: schankz ( Robert Kneschke / Adobe Stock

Enthält Kuhmilch eigentlich wirklich Hormone wie zum Beispiel das "weibliche" Geschlechtshormon Östrogen, das Schwangerschaftshormon Progesteron, oder auch das Kuschelhormon Oxytocin?

Die kurze Antwort vorab: Ja, alle drei Hormone sind in Kuhmilch nachweisbar! Und noch weitere.

Doch was bedeutet das genau? Ist Kuhmilch wegen der darin enthaltenen Hormone schädlich? Lösen sie möglicherweise sogar Brustkrebs oder Hodenkrebs aus?

In diesem Artikel erfahrt ihr die wichtigsten Hintergründe!

Kuhmilch enthält viele verschiedene Hormone

Dass Kuhmilch Hormone enthält, ist bekannt, schließlich ist ja auch menschliche Muttermilch reich an Hormonen. Diese steuern den Schlaf-Rhythmus des Babys und stärken auch die emotionale Verbindung zwischen Mutter und Kind. [1]

Bei Kühen und ihren Kälbern ist das ganz ähnlich. Kuhmilch ist nämlich nicht bloß ein Getränk, das aus den Zitzen der Kühe rinnt - sie ist auch ein Signalgeber und passt sich im Laufe der Zeit optimal auf die Entwicklung des Kalbes an. Die Mutterkuh kommuniziert gewissermaßen über die Milch mit ihrem Kalb. [2]

In der Milchindustrie werden Kühe durch manuelle Manipulation am Euter "angerüstet", weil das dabei im Gehirn der Kuh freigesetzte Hormon Oxytocin den Milchfluss auslöst. Mitunter wird Oxytocin auch per Spritze verabreicht, um Kühe "einzumelken". Mehr über die Methoden des Anrüstens hier. Auch die Gabe weiterer Hormone ist unter bestimmten Bedingungen erlaubt. [3]

In Kuhmilch lassen sich unter anderem die folgenden Hormone nachweisen:

  • Östrogen, das "weibliche" Geschlechtshormon. (Anführungszeichen deshalb, weil auch der männliche Körper geringe Mengen Östrogen bildet.)
  • Testosteron, das "männliche" Geschlechtshormon. (Anführungszeichen deshalb, weil auch der weibliche Körper geringe Mengen Testosteron bildet.)
  • Progesteron, ein Gelbkörperhomon, das während der Schwangerschaft gebildet wird,
  • Oxytocin, das "Kuschelhormon", das die Bindung zwischen Mutter und Kind (bzw. Kuh und Kalb) verstärkt.
  • Prolaktin, das die Produktion der Milch im Euter fördert.
  • IGF-1, ein Peptithormon, das das Wachstum anregt und den natürlichen Zelltod hemmt. [4]

Dauerträchtigkeit = viele Hormone in der Kuhmilch

Eine Kuh ist 9 Monate lang trächtig, ebenso lange, wie die Schwangerschaft einer Frau. Und die Menge an Hormonen hat seit der Industrialisierung der Milchbranche stark zugenommen. Auch, weil seitdem trächtige Kühe ebenfalls gemolken werden.

Während viele Familien einst eine Kuh hielten, die alle paar Jahre ein Kalb zur Welt brachte, werden Kühe in der Milchindustrie einmal im Jahr künstlich befruchtet und sind dann fast dauerhaft trächtig. Das wirkt sich auf den Hormonspiegel in der Milch aus. [5]

Allein der Gehalt des hormonell aktiven Östrogens E1 schwankt bei "Milchkühen" zwischen ca. 7,9 nl/Liter (vor der Trächtigkeit) und 1.266 nl/Liter (im dritten Trimenon)! [6]

Beim Testosteron liegt der Wert zwischen ca. 80 nl/Liter (Durchschnitt) und 100 nl/Liter (Trächtigkeit). [4]

Beim Melken wird die Milch verschiedener Kühe eines Betriebs vermischt. Es wird also die Milch von hochträchtigen Tieren mit der Milch von Tieren vermischt, die bereits ein Kalb zur Welt gebracht haben. Milch mit hohen Hormonwerten wird dadurch gewissermaßen "verdünnt".
Ausnahmen bilden beispielsweise Betriebe, in denen alle Mutterkühe zur selben Zeit trächtig sind (z. B. weil die Kälber im Herbst geboren werden, und im Sommer auf die Alm kommen sollen). Hier liegt es nahe, dass auch der Hormongehalt der gesamten Milch ansteigt und im Spätsommer seinen Höhepunkt erreicht.

Sind die Hormone in Kuhmilch schädlich?

Das Thema der Hormone in Kuhmilch wird sehr kontrovers diskutiert - auch, wegen unterschiedlicher Interessen, die dabei eine Rolle spielen.

Manche Tierschützer wollen Verbraucher davon überzeugen, aus Tierschutzgründen keine Milch zu trinken, und warnen vor Gefahren der Hormone in Kuhmilch. Ihre wahre Motivation ist es aber, Tiere vor Ausbeutung zu schützen. Tatsächlich werden Tiere für Kuhmilch getötet.

Die Milchindustrie sieht das - wenig überraschend - anders: Es gebe keine Annahmen, dass ein Gesundheitsrisiko durch Hormone in Kuhmilch vorläge, heißt es zum Beispiel. Außerdem enthielten auch pflanzliche Lebensmittel Hormone. [7]

Für eine endgültige, unabhängige Bewertung der Hormone in Kuhmilch lagen uns indes zu Redaktionsschluss nicht ausreichend belastbare Daten vor.

Hinweise auf die Wirksamkeit von Hormonen aus der Milch gibt es durchaus.

  • In einer Studie erhielten mongolische Drittklässler einen Monat lang Milch aus einem US-amerikanischen Hochleistungsbetrieb. Ihr Wachstumshormonspiegel schoss um 40% in die Höhe und sie wuchsen innerhalb eines Monats um durchschnittlich etwa 1 cm. [5]
  • Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde in Japan ein Schulmilchprogramm eingeführt. Danach wurde 20 mal so viel Milch getrunken wie zuvor - und die Häufigkeit von Prostatakrebs stieg um das 25-fache. [5]
  • In Tierversuchen mit Ratten stieg die Zahl der Krebsfälle signifikant an, wenn die Tiere Kuhmilch statt Wasser oder Kunstmilch erhielten. Tierversuche sind allerdings wissenschaftlich umstritten.

Ernährungsstudien sind wegen der vielen möglichen Störfaktoren sehr aufwendig und nehmen viel Zeit in Anspruch (oft Jahrzehnte). Menschen essen schließlich nicht nur ein einziges Nahrungsmittel. Und selbst wenn, ließe sich z. B. der direkte Zusammenhang zwischen Brustkrebs und einem spezifischen Hormon nur schwer erkennen oder gar belegen.

Und so können auch wir anhand der vorliegenden Datenlage keine verlässliche Antwort auf die Frage geben, ob die in Kuhmilch enthaltenen Hormone definitiv schädlich oder unschädlich für die Gesundheit sind.

Wichtig: Dieser Artikel bezieht sich auf Hormone in Kuhmilch. Zu anderen Aspekten gibt es deutlich mehr Evidenz, zum Beispiel darüber, dass Kuhmilch Eiter enthält. Zudem gibt es Hinweise, dass mRNA, "Bovine Meat and Milk Factors" oder Galactose aus Kuhmilch bei häufigem Verzehr eine gesundheitsschädliche Wirkung haben könnten. [2][8]

Als veganfreundliches Online-Portal sind wir zu diesem Thema natürlich genauso "befangen" wie alle, die aus Gewohnheit Milch trinken oder damit sogar Geld verdienen.

Wir können aber eines mit Gewissheit sagen: Als Menschen braucht ihr keine Kuhmilch. Es gibt sogar gute Gründe, auf Pflanzendrinks umzustellen. Ganz unabhängig von den gesundheitlichen Risiken von Kuhmilch.

Falls Ihr euch also Sorgen macht, dass Hormone aus der Industrie-Kuhmilch euch krank machen, dann lasst die Milch doch einfach weg. Es gibt ja so viele leckere Milchalternativen.

Uns hat schockiert, zu erfahren, dass 1 Liter Kuhmilch klimaschädlicher ist als 1 Liter brennendes Benzin!

Hafermilch ist dazu im Vergleich ein echter Klimaschützer!

Veröffentlichung:

Teile diesen Artikel:

5,0/5 Sterne (35 Bew.)
AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

Dazu passende Artikel:

So leidvoll ist das Leben einer "Milchkuh" (Qualzüchtungen!)

Kuhmilch ist nicht (mehr) natürlich - aus diesen 6 Gründen!

"Anrüsten": So werden Milchkühe hormonell stimuliert