Özdemir: Verbrauchssteuer auf Tierprodukte ist unvermeidbar

Eine Steuer auf Tierprodukte ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Das hat Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) in einem Interview mit der Agrarzeitung deutlich gemacht. [1]
"[...] den Umbau [der Tierhaltung, Anm. d. Red.] komplett über staatliches Geld aus dem Haushalt zu finanzieren, ist bei den Sparvorgaben aus dem Bundesfinanzministerium unrealistisch. Deswegen bleibt eigentlich nur die Einführung einer Verbrauchssteuer auf tierische Produkte, auch das ist ja von der Borchert-Kommission vorgeschlagen."
Schon länger fordern Ernährungsorganisationen, Gesundheitsverbände und Umweltexperten eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Tierprodukte - und zugleich die Aufhebung der Mehrwertsteuer auf gesunde, pflanzliche Lebensmittel. So sollen Menschen dazu motiviert werden, vermehrt zu gesunden, nachhaltigen Lebensmitteln zu greifen.
Allein: Die Widerstände sind zu groß. Bislang ließ sich damit keine politische Mehrheit erzielen. Die FDP blockiert, aber auch die SPD ist von der Idee offenbar nicht angetan.
Dabei sind schon die ökologischen Folgen der industrialisierten Tierhaltung erschreckend!
Laut einer aktuellen Studie der True Animal Protein Price Coalition (TAPP) verursacht die industrielle Tierhaltung in Deutschland jährlich Umweltschäden in Höhe von 22 Milliarden Euro. Diese Schäden sind nicht im Preis von Tierprodukten enthalten, sondern werden von der Allgemeinheit getragen.
Jeder Bundesbürger bezahlt über seine Steuern also ungefähr 260 Euro pro Jahr für Umweltschäden aus der Tierhaltung. Auch deshalb wird immer wieder die Forderung nach einer Steuer auf Tierprodukte laut, um diese Kosten nach dem Verursacherprinzip aufzuteilen, statt sie der Allgemeinheit aufzuerlegen.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig