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Ungesunde Ernährung: Industrie will Kinder nicht schützen [Kommentar]

Kleinkind isst.
Her mit dem Schokopudding? Wenn es nach der Ernährungs-Industrie ginge, sollten Kinder wohl selbst entscheiden, was sie essen. Bild: Fotolia.com

Der Bundesernährungsminister Cem Özdemir hat Anfang des Jahres Pläne für mehr Kinderschutz in der Werbung vorgestellt. Und die deutsche Ernährungs-Industrie läuft Sturm dagegen - als wären Kinder ihre Feinde. Ein Kommentar.

TV-Sender und Medienportale sollen demnach keine Werbung mehr für besonders ungesunde Lebensmittel zeigen dürfen, wenn sie auch Kinder unter 14 Jahren erreichen.

Özdemirs Entwurf basiert auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die hat untersucht, dass ein Werbeverbot für besonders ungesunde Lebensmittel Kinder wirksam vor schweren Erkrankungen schützen kann.

Ein Hintergrund: Immer mehr Kinder leiden an extremem Übergewicht (Adipositas) und den Folgen wie Diabetes Typ 2. Es sind Krankheiten, die man früher allenfalls von alten Menschen kannte. Experten sprechen gar von einer Adipositas-Epidemie.

Die deutsche Ernährungsindustrie fürchtet um ihre Umsätze - und läuft Sturm gegen die Pläne zum Kinderschutz. Ihre Strategie ähnelt denen der Tabak-Lobby, sagen Kritiker.

So würden wissenschaftliche Erkenntnisse verleugnet, Probleme klein geredet und die Behauptung aufgestellt, Özdemir wolle Verbraucher "entmündigen".

Ein absurder Vorwurf, wo es doch darum geht, Kinder nicht länger zu manipulieren. Es ist nämlich keineswegs geplant, extrem ungesunde Produkte zu verbieten, selbst wenn die sich offensichtlich an Kinder richten.

Besonders pikant ist die Behauptung, Werbung hätte allenfalls geringen Einfluss auf Kaufentscheidungen. Da fragt man sich doch gleich: Warum schalten die Unternehmen denn dann überhaupt Werbung mit Millionen-Budgets?

Als gäbe es keine Kinder, die schon mit 12 Jahren an "Alterszucker" leiden...

Doch die Ernährungs-Industrie ist mächtig. Kürzlich hat der Lobby-Verband BVE in den Zeitungen "Bild" und "Welt" ganzseitige Anzeigen geschaltet, in denen er vor einem angeblichen "Verbotskatalog" von Cem Özdemir warnt.

Demzufolge dürfte auch nicht mehr für Lebensmittel wie Maultaschen, Backwaren, Ananas aus der Dose, Gnocchi und Früchtemüsli geworben werden.

Barbara Bitzer findet das empörend. Sie ist Sprecherin vom Medizin- und Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK).

„Der Großteil der Werbeausgaben im Ernährungsbereich entfällt nicht auf Gnocchi, Dosenananas oder Maultaschen, sondern auf Süßwaren, Snacks oder Limonade. Das trägt nachweislich zum ungesunden Ernährungsverhalten der Kinder bei - auch wenn die Ernährungsindustrie es leugnet“.

Die Pläne von Cem Özdemir basieren auf einem Nährwertmodell der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die will Staaten dabei unterstützen, Regeln für Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung zu gestalten.

Das WHO-Modell teilt Lebensmittel in 18 Gruppen ein und definiert Grenzwerte beispielsweise für Zucker, Fett, Salz oder Süßstoffe, um die Produkte mit einer hohen Nährwertqualität zu identifizieren.

Für wenig ungesunde und gesunde Lebensmittel soll in Deutschland weiterhin uneingeschränkt geworben werden dürfen - auch im Kinderprogramm. Es gibt aber auch Kritiker, die Özdemirs Pläne für nicht weitreichend genug halten.

Der DANK-Verband hat einen Faktencheck veröffentlicht, in dem er auf die Vorwürfe der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie eingeht. Zum Faktencheck.

Meine Meinung:
Da denkt man, man hätte schon viel Schlechtes gesehen - und dann wird einem bewusst, dass es offensichtlich Menschen gibt, die sich in ihrem Beruf aktiv dafür einsetzen, den Schutz von Kindern zu verhindern. Damit selbst kleine Kinder weiterhin durch Werbung manipuliert werden dürfen. Was für Menschen sind das...?

Veröffentlichung:

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Ernährungs-Industrie hetzt gegen Kinderschutz
Letzter Beitrag: 13.04.2023, von Sunjo.

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4,8/5 Sterne (33 Bew.)
AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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