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Niederlande: Kommunen wollen Werbung für Fleisch und Milch beenden

Immer mehr Kommunen in den Niederlanden wollen Werbung für Fleisch und Milch reduzieren - ein Verbot ist dies allerdings nicht. Bild: pixabay.com

In den Niederlanden geht es beim Klimaschutz voran. Nachdem die Stadt Haarlem bereits 2021 beschlossen hat, auf öffentlichen Flächen zukünftig nicht mehr für Fleisch zu werben, wollen Utrecht und Bloemendaal nachziehen.

Dabei sollen hier - unter anderem - auch Milchprodukte berücksichtigt werden.

Zwar ist in den Medien regelmäßig die Rede von einem "Werbe-Verbot" - tatsächlich geht es aber um die Entscheidung der Kommunen, ihre öffentliche Flächen nicht mehr für Fleisch- und Milchwerbung herzugeben.

Verboten ist Werbung für Fleisch oder Milch in den niederländischen Kommunen also keineswegs. Es gibt bloß weniger Flächen dafür.

Metzger und Supermärkte können auf eigenen Werbeflächen aber zunächst weiterhin für klimaschädliche Tierprodukte werben.

Wichtiger Grund für die Entscheidungen der niederländischen Kommunen: Tierhaltung ist besonders schädlich fürs Weltklima. Davor warnt der Weltklimarat IPCC in seinen letzten Sachstandberichten.

Etwa ein Viertel der Niederlande liegt niedriger als der Meeresspiegel. Dazu haben die Niederlande eine lange Küste. Die Niederlande gehören daher zu den Ländern in Europa, die vom Klimawandel besonders bedroht sind, insbesondere durch Überflutungen.

Zugleich gehört das Land zu den größten Fleisch-Exporteuren in der EU, trägt also auch stark zur Klimakrise bei.


Meinung:

In einem Interview mit der Taz schilderte die Lokalpolitikerin Ziggy Klazes aus Haarlem, mit welchem Widerstand sie nach Veröffentlichung der Pläne zum Fleisch-Werbeverbot zu kämpfen hatte.

Immer wieder kam es offenbar zu persönlichen Anfeindungen durch Tierhalter - sogar zu vollständiger Leugnung des Klimawandels.

Ähnliche Töne findet man bis heute auch in deutschen Agrar-Medien, darunter jüngst auch im Fachmagazin "Top Agrar", das in Berlin regelmäßig Diskussionsrunden mit Vertretern der Politik veranstaltet.

Trotz dieser Reichweite und der damit einhergehenden Verantwortung zieht z. B. Top Agrar-Autor Marko Stelzer in einem Artikel die Klimafolgen von Tierprodukten ungeniert in Zweifel. Zudem wird die Entscheidung der niederländischen Kommunen effektheischend und faktenwidrig als "Verbot" dargestellt. Die Community goutiert es mit Wut-Kommentaren.

Bis heute scheinen auch Teile der deutschen Agrar-Industrie zu glauben, dass sich physikalische Zusammenhänge zwischen Tierhaltung und Klimakrise einfach aussitzen ließen... Wir hatten über einen ähnlichen Fall berichtet, bei dem auch deutsche Agrar-Fachmedien gefälschte Berichte über angebliche Entwarnungen des IPCC veröffentlicht hatten.

Wenn es keinen Konsens für den Umgang mit Fakten gibt, dann bleibt nichts anderes als eine Verbots-Politik. Ob Haarlem, Utrecht und Bloemendaal also irgendwann tatsächlich auch ein Verbot von Werbung für Fleisch und Milch erlassen müssen, wird wohl auch von der Bereitschaft der Agrar-Verbände abhängen, die Klimakrise ernst zu nehmen.

Und es ist wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis auch erste Kommunen in Deutschland nachziehen, und der Werbung für schädliche Produkte ein Ende setzen. Zumindest auf öffentlichen Flächen. Wenn auch ohne Verbot.

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AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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