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Filmverbot für Vegpool: Milch-Lobby bleibt unter sich! [Kommentar]

"Landwirtschaft im Dialog" - möchte die Lobby lieber im eigenen Saft schmoren? Bild: Artem Zakharov / Adobe Stock

Heute treffen sich Milch-Lobbyisten und Agrar-Experten in Berlin, um über eines ihrer Lieblings-Hassthemen zu sprechen: Klima und Milchkonsum.

Eingeladen hat das Agrar-Magazin "Top Agrar". Um 19 Uhr trifft man sich in der Landesvertretung von Saarland.

Auch ich wollte von der Branchen-Debatte berichten – mit einem kleinen Videobeitrag, in dem ich auf einzelne Aussagen der Teilnehmer eingehe, vielleicht sogar das eine oder andere direkte Statement erhalte.

Doch daraus wird nichts. Veranstalter Top Agrar hat mir das Filmen untersagt.

Dabei klang es so vielversprechend!

Angekündigt wurde unter anderem die Teilnahme von Prof. Wilhelm Windisch. Einer der Lieblings-Experten deutscher Agrar-Medien. Mit aufrechter Empörung wettert er zuverlässig gegen vegane Ernährung und lobt "Ernährungskreisläufe" der Tierwirtschaft, auch wenn diese so auf dem Markt praktisch nicht existieren. [1][2]

Angekündigt wurde auch Milchbauer Matthias Everinghoff. Der hatte letzten Sommer an der Aktion "Hof mit Zukunft" teilgenommen, in der sich Milchwirte transparent und zugänglich geben. Mich als Vegan-Redakteur wollte er – nach einer ersten Zusage – dann aber doch lieber nicht auf dem Hof haben. Klassiker.

Dazu Kaspar Nielsen, Kommunikationschef von Arla, einer der größten Molkereien der Welt. Auch Staatssekretärin Dr. Ophelia Nick vom Bundes­ministerium für Ernährung und Landwirt­schaft (BMEL) wird mitdiskutieren. Und ein paar weitere.

Natürlich hatte ich mich vorab ganz ordentlich akkreditiert, mit Presseausweis und als Vegpool-Redakteur. Die Zusage folgte bald.

Bloß: Bitte nicht filmen. Eigene Videoaufnahmen seien nicht erwünscht, hieß es auf Nachfrage. Man bitte, sich daranzuhalten, schrieb mir Top-Agrar-Chefredakteur Guido Höner sogar persönlich.

Als hätte ich geplant, mich mit Sonnenbrille und Knopflochkamera in die Veranstaltung zu schleichen und undercover zu filmen, was ohnehin gestreamt werden soll.

Und das, obwohl bei einer früheren Veranstaltung von "Landwirtschaft im Dialog" das Filmen kein Problem gewesen ist. Damals hatte ich allerdings erst vor Ort gefragt.

Natürlich darf ein Veranstalter selbst entscheiden, ob er Journalisten zulässt, und ob diese filmen dürfen oder nicht.

Und trotzdem ist mein Eindruck: Milchwirtschaft und Transparenz? Passt einfach nicht zusammen!

Es ist einfach nur zum Haareraufen. Denn wer nicht miteinander redet, redet übereinander.

Schon klar, was soll ein Vegan-Redakteur schon über eine Milch-Diskussion berichten? Warum sollten Milch-Lobbyisten daran interessiert sein? Was sollte es ihnen bringen?

Weil der Diskurs wichtig ist.

Weil gute Argumente in der Auseinandersetzung mit Andersdenkenden reifen – nicht bloß in der eigenen Bubble.

Weil es dabei hilft, nicht in die Irre zu rennen.

Vor nicht allzu langer Zeit verbreiteten Agrar-Medien das Gerücht, der Weltklimarat hätte sich bei der Beurteilung von Methan geirrt – in Wahrheit wäre Rinderhaltung ganz klimafreundlich. Mehr dazu hier!

Nach meiner Anfrage beim Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (das den Weltklimarat in Deutschland vertritt), war schnell klar: nichts als heiße Luft!

Hätten die Agrar-Funktionäre eine externe Perspektive zugelassen, hätte man das Thema gesichtswahrend diskutieren können. So war es einfach nur peinlich. Und leider auch typisch.

Und so können Milch-Lobbyisten bei der Podiumsdiskussion "Landwirtschaft im Dialog" heute erneut im eigenen Saft schmoren und ihre Argumente wiederkäuen, ohne andersdenkende (Film-)Perspektiven von Vegpool befürchten zu müssen.

Veröffentlichung:

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Drehverbot bei "Landwirtschaft im Dialog"
Letzter Beitrag: 10. Apr., von Sunjo.

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AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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