Vegpool Logo

Das ist die "Vegane Amnesie" - und so überwinden wir sie!

Vegane Amnesie steht für keine Krankheit, sondern für eine bequeme Vergesslichkeit. Bild: Wayhome Studio / Adobe Stock

Vegan-Amnesie - das ist kein Begriff aus der Medizin, sondern eine ironische Anspielung auf die Vergesslichkeit, die bei uns Veganern im Laufe der Zeit auftreten kann.

Wenn unser Umfeld darüber jammert, es könne niemals auf Tierprodukte verzichten, dann erscheint es uns mitunter so, als wäre dies das Einfachste auf der Welt. Einfach vegan werden. Was ist daran so schwer?

Je öfter wir die Ausflüchte unserer Mitmenschen hören, desto mehr kommt es uns vor, als wäre es für uns eine Selbstverständlichkeit gewesen, vegan zu werden. Als hätten wir nie diese Probleme gehabt.

Es entwickelt sich mitunter das, was in veganen Szenen umgangssprachlich als "Vegane Amnesie" bezeichnet wird. Das Gefühl, über solch irdische Problemchen erhaben zu sein.

Und das, obwohl wir mit ziemlich großer Sicherheit mit eigenen Hürden zu kämpfen hatten.

Wenn wir die Zeit zurück spulen könnten, würden wir erkennen, wie sehr auch wir gejammert und nach Ausnahmen gesucht hatten. Weil wir Menschen das Gewohnte lieben und Veränderung scheuen. So tickt unser Geist.

Natürlich ist es uns am Ende gelungen. Aber eben nicht mit Glanz und Gloria. Die meisten Vegan-Umsteiger sind keine Superhelden. Es sind normale Menschen wie du und ich.

Das ist die Vegane Amnesie. Wir vergessen die Hindernisse, mit denen wir selbst konfrontiert waren. Wir vergessen, dass auch wir mit großer Wahrscheinlichkeit Ausnahmen gemacht haben, wenn uns der Heißhunger erwischt hat und wir nicht vorbereitet waren.

Denn schon klar: Die meisten Veganer haben ihren Vegan-Umstieg gemeistert, weil sie aufgehört haben, Ausflüchte zu suchen. Sie haben sich mit ihrem inneren Schweinehund auseinandergesetzt und Strategien angewendet, um auch dieses räudige Wesen (das eigentlich ganz lieb ist), mitzunehmen.

Es ist ihnen gelungen, neue Routinen zu entwickeln und sich von Fehltritten nicht entmutigen zu lassen. Das ist eine gute Sache - aber am Ende auch keine Superpower.

Jeder, der sich an ein paar Grundlagen zum Vegan-Einstieg hält, kann es schaffen.

Wer schon ein paar Jahre vegan lebt, weiß aus eigener Erfahrung, wie sich die Ängste und Ausflüchte schnell in Luft aufgelöst haben, sobald die neuen Routinen da waren. Und auch, wie bereichernd die Ernährung plötzlich geworden ist.

Doch wir vergessen schnell, dass wir diese Sicht nicht immer hatten.

So offensichtlich die Mechanismen der Veganen Amnesie auch sein mögen: Wir tun gut daran, sie zu überwinden und uns an unsere eigenen Fehltritte, Hürden und Zweifel zu erinnern.

Auf die Weise bleiben wir empathisch und nahbar. So können wir die kleinen Erfolge anderer Vegan-Umsteiger erkennen und loben, statt die Fehler zu verurteilen.

Wenn wir uns der Veganen Amesie bewusst sind - und sie überwinden -, können wir mehr Menschen dabei helfen, die Vorteile einer veganen Ernährung zu entdecken. Ganz entspannt, nach dem Pareto-Prinzip.

Veröffentlichung:

Diskutiere im Vegan-Forum mit:
Vegane Amnesie
Letzter Beitrag: 26.11.2023, von Thula.

Teile diesen Artikel:

Wie hat dir der Artikel gefallen?
1
5
5,0/5 Sterne (5 Bew.)
AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

Dazu passende Artikel:

Veganer trifft Milchbauern: Versuch einer Annäherung

Was ist eigentlich "Virtue Signalling"?