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Warum Bio-Kälbchen bei konventionellen Mästern landen...

Eine Kuh leckt ihr neugeborenes Kalb.
Milch-Kälbchen aus Bio-Betrieben landen bei konventionellen Mästern Bild: LightChaser / Adobe Stock

Immer wieder sieht man auf der Autobahn diese Tiertransporter, aus deren Öffnungen ängstliche Tiernasen hervorlugen.

Mit dabei sind auch Kälbchen, die aus Bio-Milchbetrieben stammen - und auf dem Weg zur konventionellen Kälbermast sind.

Dort stehen sie auf Spaltenböden, erhalten Milchaustauscher und Antibiotika. Um dann im Babyalter im Schlachthof zu sterben.

Bio-Kälbchen in der konventionellen Mast? Sogar von "Demeter"- und "Bioland"-Betrieben? [1][2]

Wie passt das mit den Versprechungen der Bio-Verbände über die "Würde der Tiere" und einen "wesensgemäßen Umgang" zusammen? [3]

Wichtig: Wir lieben pflanzliche Bio-Lebensmittel. Sie haben viele Vorteile. Dieser Artikel hat also nicht das Ziel, die Bio-Landwirtschaft pauschal zu kritisieren. Tatsächlich ist eine bio-vegane Landwirtschaft langfristig tragfähig.

Bio-Kälber in konventioneller Mast: Es geht um Profit!

Auch Bio-Kühe in der Milchindustrie bringen jährlich ein Kalb zur Welt, damit der Milchfluss nicht versiegt.

Der Zweck der Geburt ist es, die Hormone der Mutterkuh in Schwung zu bringen und den Milchfluss auszulösen. Ohne Kalb fließt auch keine Kuhmilch!

Wegen der züchterischen Optimierung auf Milchleistung sind Milch-Kälbchen für die reguläre Rindermast nicht geeignet. Sie setzen fast kein Fleisch an.

Aus Sicht des Tierhalter sind die Milch-Kälbchen also vor allem ein nötiges Übel. Ein Kostenfaktor. Sie fressen Futter, bringen aber kaum Geld.

Bei weiblichen Kälbchen kann der Bauer noch überlegen, ob er nicht eine ausgelaugte Milchkuh zum Schlachthof bringt und das Kalb an ihrer Stelle behält. Bei männlichen Tieren entfällt natürlich auch diese Möglichkeit.

Doch auch die Mast auf dem eigenen Hof ist keine Option - weil es keinen relevanten Markt für Bio-Kalbfleisch gibt. Bei Fleisch liegt der Bio-Anteil bei ungefähr 2-3,5%. Keine Chance, die vielen Milch-Kälbchen als Bio-Kalbfleisch zu vermarkten.

Deshalb verkaufen selbst "Demeter"-Bauern ihre Kälbchen kurzerhand an konventionelle Mäster. Bringt wenigstens noch ein paar Euro.

Je nach Marktlage bringt ein Milch-Kalb mitunter 10-15 Euro. Ein Preis, der kaum die Futterkosten deckt. [4] Mehr zu den Hintergründen. Man sieht: Es geht hier nicht um den Verdienst. Es geht darum, die Milch-Kälbchen loszuwerden. Denn das direkte Töten wäre illegal.

Ein Teil der jungen Tiere wird von Tierhändlern ins Ausland verkauft und geschlachtet (oder geschächtet). Oft nach wochenlangen Transporten und unter noch geringeren Tierschutzstandards als in Mitteleuropa.

Der Tod der Kälbchen ist Folge der Milchproduktion. Diese Tiere sterben auch für Vegetarier, die ja eigentlich keine Produkte essen wollen, wenn dafür Tiere sterben mussten. Gute Gründe für Tierfreunde, Milch zu meiden.

Bio-Verbände nehmen Abhängigkeit von konventionellen Mästern in Kauf

Wollen die Bio-Verbände diese Abhängigkeit von konventionellen Mästern? Sicher nicht!

Doch sie nehmen sie notgedrungen in Kauf.

"Bruderkalb"-Programme sind ähnlich erfolglos wie die "Bruderhahn"-Initiativen bei Eiern. Sie werden auf dem Markt nicht akzeptiert. Sie erreichen keine nennenswerten Marktanteile.

Und obwohl ihnen diese Zusammenhänge bekannt sind, machen Bio-Tierhalter weiter. Sie wissen, dass sie einen Teil der Tiere an konventionelle Tierhändler verkaufen müssen. Und sie tun es trotzdem. Allen Versprechungen über Würde der Tiere zum Trotz.

Als würde guter Wille allein für die Tiere einen Unterschied machen!

Insgesamt nimmt der Fleischverzehr in Deutschland ab. Ob Klimaschutz, Gesundheit oder Tierschutz - immer mehr Verbraucher essen pflanzlich(er). Aus guten Gründen.

Der Trend geht weg vom Fleisch. Und damit steht konsequenterweise auch die Milchproduktion unmittelbar in Frage.

Denn die Milchindustrie ist die Fleischindustrie.

Informierte Verbraucher sollten wissen: Auch wer Biomilch kauft, unterstützt damit die konventionelle Kälbermast. Auch "Demeter"- und "Bioland"-Tierhalter verkaufen Kälbchen an konventionelle Mast.

Vielleicht gehört eine dieser Nasen, die aus dem Tiertransporter lugen, ja zu einem Tier aus dem Bio-Milchbetrieb in der Nähe.

Quellen

  1. Großteil der "Demeter"-Kälber landet in konventioneller Mast: https://www.demeter-im-norden.de/hofrind-unsere-kaelber-bleiben
  2. Auch "Bioland"-Kälbchen landen in konventioneller Mast: https://www.bioland.de/fileadmin/user_upload/Erzeuger/Fachinfos/Merkblaetter/Mast_von_Milchviehkaelbern.pdf
  3. Marketing des "Demeter"-Verbands über "wesensgemäße Tierhaltung": https://www.demeter.de/tierwohl-bei-demeter
  4. https://www.spiegel.de/wirt[...]02-0001-0000-000134660895

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Letzter Beitrag: 03.05.2023, von Okonomiyaki.

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AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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