CSU und FDP fordern Wurst auf Würzburger "Hafensommer" [Kommentar]

Die Stadt Würzburg hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Da lag es nahe, auch auf dem beliebten "Hafensommer"-Festival fleischfreie Gerichte anzubieten.
In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass vegetarische Gerichte besonders häufig gefragt wurden, sagte ein Sprecher der Stadt. Wurst wurde im letzten Jahr gar nicht erst angeboten.
Doch wenn öffentliche Veranstaltungen klimafreundlicher, nachhaltiger und gesünder werden wollen, dann treffen sie immer wieder auf Reaktanz aus Teilen der Bevölkerung. Auf Trotzreaktionen.
Und so stieß die Stadt Würzburg mit ihrer diesjährigen Planung auf heftigen Widerstand aus Kreisen von CSU und FDP. Wenn auch ein Jahr verspätet.
Die wollen Wurst, als gelte es, das deutsche Kolorektalkarzinom zu verteidigen!
Genau, angeblich wegen Bevormundung. Und nur zufällig im Wahlkampfjahr.
Moment mal, ist es nicht erst recht bevormundend, Fleisch anzubieten?
Weil uns die deutschen Wälder abbrennen und der Rhein austrocknet. Und weil Fleisch eben viel Wasser vergeudet!
Weil tausende Deutsche durch ein Loch im Bauch kacken müssen, nachdem ihnen der vom Krebs zerfressene Enddarm entfernt werden musste? (Die Opfer eines jahrzehntelangen, staatlich mitfinanzierten Fleisch-Marketings (CMA) - obwohl verarbeitetes Fleisch krebserregend ist!)
Nicht zuletzt, weil auch vegan und vegetarisch lebende Steuerzahler die Fleischproduktion subventionieren und dadurch täglich Fleischesser zum Essen einladen (müssen)? Von wegen freie Marktwirtschaft!
Die Welt steht in Flammen. Wir sehen es täglich im Fernsehen. Doch die Würzburger CSU und FDP wollen keine Rettungsgasse bilden, weil das Bevormundung wäre...
Natürlich obliegt es dem Veranstalter, die Gastronomie abzustimmen. Nicht den Parteien. Der Veranstalter hätte den erwartbaren, inszenierten und politisch motivierten "Shitstorm" auch einfach aussitzen können.
Er hätte die berechtigten Gründe offen kommunizieren und dazu stehen können.

Dann gibt's halt mal keine Wurst. Was soll man sich da von quengeligen Politikern im Wahlkampf-Modus verrückt machen lassen?
Aber leider ist Würzburg eingeknickt. Nach einem Jahr wurstfreier Bewirtung gibt es dieses Jahr doch wieder Wurst. Tschüss Vernunft. Willkommen Bauchgefühl.
So lässt sich die Stadt für den Wahlkampf von CSU und FDP einspannen und verschafft ihnen damit auch noch ein Erfolgserlebnis. Wieder eine Chance verpasst. Schade, eigentlich!
Nachtrag: Das TV-Format "Quer" des Bayerischen Rundfunks hat das Thema auf die Schippe genommen.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig