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Studie: Angst vor sozialer Kontrolle = mehr Fleischverzehr?

Wie wir essen, hängt stark davon ab, was unsere Mitmenschen darüber denken (könnten). Bild: Rawpixel.com / Adobe Stock (bearb.)

Eine Studie der Uni Kassel hat gezeigt, dass Menschen seltener zu vegetarischen oder veganen Sandwiches greifen, wenn sie befürchten müssen, von anderen Menschen beurteilt zu werden.

Soziale Kontrolle lässt den Fleischkonsum also nicht etwa sinken, sondern möglicherweise sogar steigen.

Die Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Astrid Dannenberg und Eva Weingärtner des Fachgebiets Umwelt- und Verhaltensökonomik der Uni Kassel ließen Studenten zunächst eine Aufgabe lösen und boten ihnen anschließend - vermeintlich als Dankeschön - einen Gutschein für ein Sandwich an.

Die Studenten hatten dabei die Wahl zwischen einem Sandwich mit Fleisch, einem vegetarischen und einem veganen Sandwich.

Zuvor wurden die Teilnehmer in vier Gruppen mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen aufgeteilt: Zwei Gruppen erhielten Informationen über die Umweltbilanz von Fleisch, die anderen nicht. Außerdem wurde ihnen teilweise angekündigt, dass ihre Sandwich-Wahl öffentlich bzw. privat sei.

Das Ergebnis mit 537 Teilnahmen: Wer an die Umweltfolgen von Fleisch erinnert worden war, wählte eher vegetarische oder vegane Sandwiches. Infos über die Folgen für die Umwelt reduzierten demnach die Wahrscheinlichkeit, ein Fleisch-Sandwich zu wählen, um 12%.

Wenn aber bekannt war, dass die Wahl des Sandwiches öffentlich gemacht würde, sank die Bereitschaft, zu veganen bzw. vegetarischen Produkten zu greifen. Gleichzeitig stieg aber die Zahl der Menschen, die ganz auf ein Sandwich verzichteten.

Die Wissenschaftlerinnen schlussfolgerten, dass die Teilnehmenden möglicherweise Angst hatten, ihr zur Schau gestelltes moralisches Verhalten könne als aufgesetzt empfunden werden. Auch die Angst, dass moralisches Verhalten im sozialen Umfeld zu Ablehnung führen könne, wurde genannt. Möglich sei aber auch, dass die Aussicht auf soziale Kontrolle bei manchen Teilnehmern eine Art Rebellentum provoziert habe.

Meinung:

Viele Menschen möchten nicht als "Veganer" oder "Vegetarier" gelten, aus Angst vor Ausgrenzung im Familien- und Freundeskreis. Das Experiment der Uni Kassel stärkt die Theorie, der zufolge Fleischkonsum viel mit Gruppenzwang zu tun hat. Man versucht sozial erwünscht zu handeln - unabhängig von den Fakten.

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Wichtig: Viele psychologische Studien werden mit Studenten der eigenen Universität durchgeführt. Die Ergebnisse sind dadurch nicht immer auf andere Gruppen übertragbar.

Übrigens: Erst kürzlich hat ein Team von Wissenschaftlern der Universitäten Bamberg und Erfurt in einem Experiment gezeigt, dass moralische Appelle für weniger Fleischverzehr oft zu Abwehrreaktionen führen. Sachliche Informationen sind demnach wirksamer. Mehr dazu hier.

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

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Diskussion im Forum:
Studie: Soziale Kontrolle könnte Fleischverzehr erhöhen
Letzter Beitrag: 26.07.2023 von Libio.

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