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Bei diesen 10 Argumenten irren sich (manche) Fleischesser!

Zum Thema Fleisch gibt es viele Irrtümer. Bild: pixabay.com (bearb.)

Fleisch ist seit vielen Jahrhunderten ein Bestandteil der menschlichen Ernährung. Jedenfalls von vielen Menschen. Auch für die meisten Menschen in Deutschland gehört Fleisch dazu. Etwa 85 % der Deutschen verzehren es täglich, wenn auch mit sinkender Tendenz [1].

Die Angewohnheit, Fleisch zu essen, lässt fleischlose Ernährungsformen als Verzicht erscheinen. Mächtige Lobbygruppen zielen mit millionenschweren Werbekampagnen darauf ab, uns in dem Glauben zu bestärken, Menschen hätten schon immer so viel Fleisch gegessen, wie heute.

Interessanterweise widersprechen sich Versprechen und Wahrheit selten so offensichtlich, wie bei Fleisch.

Widersprüche und Irrtümer beim Fleischverzehr

Fleisch gilt nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Symbol für Wohlstand und Männlichkeit. Das hängt damit zusammen, dass proteinreiche Lebensmittel bis zur Einführung der Landwirtschaft knapp waren – und Fleisch üblicherweise von Männern herbeigeschafft wurde.

Wenn man sich vor 500 Jahren die Menge an Fleisch hätte leisten können, die ein Durchschnittsdeutscher im Jahr verzehrt, hätte man wahrscheinlich zur reichsten Oberschicht gehört.

Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft hat sich der Trend ins Gegenteil verkehrt. Was früher den Reichen und Mächtigen vorbehalten war (die Mittelschicht aß Fleisch höchstens sonntags), ist heute ein Billigprodukt geworden, das besonders in den unteren sozialen Schichten Zuspruch erhält.

Statistisch gesehen essen Menschen aus ärmeren sozialen Schichten mehr Fleisch, während Menschen aus gebildeteren Milieus häufiger pflanzenbetont speisen.

Bildung (und Aufgeschlossenheit für neue Erkenntnisse) scheint dabei der wichtigste Endgegner der Fleischindustrie zu sein!

Hier deshalb die wichtigsten 10 Irrtümer rund um Fleisch:

#1: Ich esse nur wenig Fleisch
Die Zahlen sagen: Der Verzehr in Deutschland sinkt zwar (2022: ca. 52,1 Kilo pro Person). Das ist immer noch zehn- bis fünfzehnmal so viel wie vor 200 Jahren. Bis dahin gab es für Menschen in der Mittelschicht allenfalls sonntags Fleisch. Und die Folgen sind längst sichtbar: Immer mehr junge Menschen unter 50 erkranken an Darmkrebs.

#2: Menschen haben schon immer Fleisch gegessen
Die Wahrheit ist: In den 200 000 Jahren der modernen Menschheitsgeschichte haben Menschen nie so viel Fleisch gegessen wie heute – und sie waren dabei nie so passiv. Der heutige Fleischverzehr und die Art der Fleischerzeugung hat in Wahrheit gar keine Tradition, die über ein paar Jahrzehnte hinausginge.

#3: Ich kaufe Fleisch aus artgerechter Haltung oder Bio-Haltung
Die meisten Fleischesser sagen, nur gutes Fleisch aus tiergerechter Haltung zu kaufen. Statistiken beweisen, dass das nicht stimmen kann. Biofleisch hat gerade einmal einen Anteil von ca. 2 Prozent – und auch "Bio" ist keine Garantie für Tierwohl. Weil staatliche Kontrollen fehlen und die Strafen nur selten abschrecken, müssen Verbraucher davon ausgehen, dass Tierprodukte aus der schlimmsten Haltungsweise stammen. Tierquäler profitieren von diesem System, deshalb bieten auch Tierwohl-Siegel keine Garantie.

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#4: Theoretisch wäre eine umweltfreundliche Fleischerzeugung möglich
Die industrialisierte Tierhaltung und ihre Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen sind ein Hauptgrund für Klimawandel, Urwaldabholzung, Wassermangel und indirekt für den Welthunger. Schon wegen der Veredelungsverluste gilt die Tierproduktion als veraltetes Ernährungssystem. Hülsenfrüchte und Getreide lassen sich mit modernen Verfahren längst direkt zu Lebensmitteln verarbeiten, die wie gewohnt schmecken, aber ohne die Nachteile von Fleisch. Eine umweltfreundliche Fleischerzeugung wäre theoretisch möglich, wenn der weltweite Fleischkonsum auf etwa ein Zehntel der heutigen Menge sinken würde.

#5: Jeder kann sich für oder gegen Fleisch entscheiden
Fleischverzehr ist anerzogen. Viele Babys erhalten bereits püriertes Fleisch in der Babynahrung. Zugleich schotten sich Schlachthöfe und Mastbetriebe vor der Öffentlichkeit ab. Kaum ein Verbraucher sieht, wie Tiere gehalten und getötet werden. Eine informierte Entscheidung wird so von vornherein stark erschwert. Dazu kommen sozialer Gruppenzwang und Gewohnheitseffekte. Unser Vegan-Test nimmt die wahren Hürden aufs Korn. Es bedarf großer Anstrengungen, um alle Informationen für eine fundierte Entscheidung zu erhalten. Eine freie Entscheidung sieht anders aus.

#6: Fleisch ist für eine gesunde Ernährung nötig
Der Fleischverzehr kann Darmkrebs, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt sogar vor dem Krebsrisiko von verarbeitetem roten Fleisch. Das individuelle Krebsrisiko steigt demnach bereits bei 50 Gramm verarbeitetem Fleisch am Tag um 18 Prozent.

#7: Fleisch sichert Arbeitsplätze
Dieses Argument wird häufiger von Fleisch-Funktionären und Politikern geäußert, wenn es darum geht, veraltete Systeme zu erhalten. In Wahrheit wurden Verfahren der Automatisierung zuerst in Schlachthöfen entwickelt – um Arbeitskräfte einzusparen. Dadurch ist es möglich geworden, 10.000 Tiere von einer Handvoll Mitarbeiter töten zu lassen. Häufig Billigkräfte aus dem Ausland, die lange Zeit mit staatlichen Sonderregelungen das tun konnten, worauf Deutsche aus guten Gründen keine Lust haben. Die Fleischindustrie hat von Beginn an Arbeitsplätze vernichtet.

#8: Als Einzelner kann man nichts verändern
Der Staat zahlt Unternehmen so viele Subventionen, dass sie ein Drittel der Fleischmenge entsorgen können – und immer noch wirtschaftlich bleiben. Sie werden künstlich vor dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb geschützt und gegenüber anderen Wirtschaftszweigen bevorzugt – auf Kosten der Steuerzahler. Andererseits sind vegane Unternehmen umso mehr auf die Nachfrage ihrer Kunden angewiesen. Und: Jeder Veganer zeigt in seinem persönlichen Umfeld, dass es möglich ist.Es wäre absurd, zu erwarten, dass man allein durch Boykott die gesamte Branche verändert. Veränderungen im Kleinen sind real.

#9: Investigative Aufnahmen zeigen bloß extreme Ausnahmen
Diese Aussage ist absurd, weil sich die meisten Schlachthöfe hermetisch vor der Öffentlichkeit abriegeln. Investigative Ermittler kommen nur mit viel Aufwand hinein, müssen versteckt und unter hohen Risiken filmen. Es bleibt daher gar keine Chance, große Mengen an Videomaterial zu erstellen, um eine dramaturgische Auswahl zu treffen. Im Gegenteil: Schlachthöfe und Tierhalter könnten ohne Aufwand Einblick in die täglichen Abläufe gewähren. So, wie es Tierschützer seit Jahrzehnten fordern. Dass sie es nicht tun, hat Gründe.

#10: Tiere würden aussterben, wenn man sie nicht züchten würde
Ein anderes Argument lautet: Würden wir die Tiere nicht essen, würden sie sich unkontrolliert vermehren.
Tiere werden gezüchtet, wenn die Nachfrage vorhanden ist (und aufgrund der Subventionen sogar noch viel mehr). Ohne Nachfrage keine Züchtung. Bei den "Nutztieren", die für die Fleischerzeugung gewöhnlich verwertet werden, handelt es sich um Hochleistungs-Züchtungen (oft als "Qualzüchtungen" bezeichnet), die mit den ursprünglichen Arten noch kaum etwas gemeinsam haben. Beispiel: Milchkühe.


Natürlich kann Fleisch gut schmecken – die meisten Veganer haben früher selbst einmal Fleisch verzehrt. Doch auch wer Fleisch mag, muss als Veganer nicht auf den würzigen Geschmack von gebratenem Protein verzichten. Auch mit pflanzlichen Produkten kann man einen deftigen Geschmack erzielen.

Fleischalternativen verbinden das Beste aus zwei Welten. Die Vorteile des gewohnten Geschmacks mit den Vorzügen einer pflanzlichen Ernährung.

In Deutschland darf jeder frei entscheiden, was er isst. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Angebot fair wäre. Tierhalter bekommen einen großen Teil ihres Einkommens direkt aus Steuergeldern. Zudem haftet die Allgemeinheit auch für die Folgen der Tierindustrie.

Das führt dazu, dass Tierprodukte trotz der realen Kosten an der Kasse viel billiger erscheinen, als sie sind. Dagegen wirken umweltfreundliche Alternativprodukte immens teuer. Das verzerrt den Wettbewerb zugunsten umweltschädlicher Tierprodukte.

Normalerweise wettern Fleisch-Lobbyisten gegen eine vermeintliche "Fleischsteuer". Doch wenn es um die steuerliche Bevorzugung ihrer Branche durch Subventionen und den Verzicht auf das Verursacherprinzip geht (= wer Schäden verursacht, haftet dafür), sind sie indes auffällig leise.

Wir empfehlen auf Vegpool eine entspannte vegane Ernährung nach dem Pareto-Prinzip.

Letzte Überarbeitung am 10.11.2025.

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

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Diskussion im Forum:
10 Irrtümer rund ums Fleisch
Letzter Beitrag: 06.05.2024 von Vegan-Atheist.

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