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Anwalt droht Vegpool: Kaninchenquäler-Betrieb soll anonym bleiben

Die Aufnahmen sind empörend - und jetzt droht uns ein Anwalt!
Die Aufnahmen sind empörend - und jetzt droht uns ein Anwalt! Bild: Deutsches Tierschutzbüro e. V.

Männer, die Kaninchen an den Beinen packen und mit voller Wucht auf den Boden schleudern... Männer, die mit Eisenstangen auf Kaninchen eindreschen. Ein Mann, der mit einer Art Flammenwerfer in der Nähe von Käfigen herumhantiert, die voller Kaninchen sind...

Anonym erstellte Aufnahmen aus dem Betrieb der Dr. Zimmermann Kaninchen GbR, der größten Kaninchenzucht in Deutschland!

Ein Skandal, der schon vor über einem Jahr vom Tierschutzverein Deutsches Tierschutzbüro e. V. aufgedeckt worden ist.

Bereits im Sommer 2022 sind die Tierschützer mit den Bildern, die ihnen zugespielt worden sind, an die Öffentlichkeit gegangen. Das wurde ihnen jedoch zunächst verboten.

Auch eine weitere Berichterstattung wurde den Tierschützern zunächst per einstweiliger Verfügung verboten, bis das Oberlandesgericht Stuttgart diese weitere Berichterstattung wieder zugelassen hat.

Im Normalfall hätte ein Skandal dieser Tragweite längst zu einem öffentlichen Aufschrei geführt!

Am Ende hätte es ein Gericht gegeben, das im Namen des Volkes die in diesem Fall zu ziehenden Konsequenzen verhängt hätte, sofern erforderlich.

Doch es herrscht Schweigen im Blätterwald. Genauer: Immer mal wieder taucht ein Artikel im Internet auf, in dem der Name des Zuchtbetriebs genannt wird. Und erstaunlich schnell verschwindet er dann meist wieder. Wie von Geisterhand!

Es scheint, als würde jemand aufräumen. Gründlich sauber machen. Effektiv, erfolgreich und leise.

Nicht einmal 3 Stunden hat es nach der Veröffentlichung gedauert, bis Vegpool eine anwaltliche Aufforderung der Kanzlei CSP Rechtsanwaltsgesellschaft mbH erhielt. Wir mögen diesen Artikel, in dem wir über das genannte Urteil des OLG Stuttgart berichten, sofort löschen, hieß es in der E-Mail.

Eine fortgesetzte Verbreitung des Artikels würde eine Persönlichkeitsverletzung bedeuten und könne "enorme wirtschaftliche Schäden" nach sich ziehen, die dann eingefordert würden.

Die Drohung die bei mir ankommt: Berichte über mögliche Tierquälerei bei Dr. Zimmermann Kaninchen GbR werden Konsequenzen haben!

Man muss natürlich dazu sagen: Videoaufnahmen sind noch kein zwingender Beweis und erst recht kein Urteil in Hinblick auf strafrechtlich relevantes Verhalten. Sie legen lediglich nahe, dass mit Tieren im besagten Betrieb offenbar auf eine Weise umgegangen wurde, die erhebliche Fragen aufwirft. Aus meiner Sicht auf barbarische Weise.

Es kann dennoch sein, dass ein Gericht zu der Entscheidung kommt, dass die auf den Aufnahmen zu sehenden Männer bei der Dr. Zimmermann Kaninchen GbR keine Tierquäler sind.

Der Betrieb und dessen Inhaber haben die Vorwürfe auch längst bestritten und auf eine amtliche Kontrolle verwiesen, die offenbar keine Beanstandungen ergeben hat.

Vielleicht ist das Verfahren, Kaninchen mit dem Kopf auf den Boden zu schleudern in Deutschland sogar straffrei, wenn man bestimmte Umstände berücksichtigt... Mögen das die Anwälte und Gerichte klären!

Für mich ist nur eines klar: Mein Artikel bleibt online. Er soll nicht wie von Geisterhand verschwinden, aus der Angst heraus.

Natürlich machen mir die Drohungen mit Schadensersatzklagen Angst. Im Zweifelsfall muss ich mit meinem Privatvermögen haften.

Aber da ist auch die Angst, dass das Schule macht. Dass man in Zukunft gar nicht mehr über Tierquälerei schreiben darf - und die Orte, wo sie stattfindet.

Ich weiß nicht viel über die Finessen des Rechtssystems. Doch wenn es das Ziel des Staates ist, Tiere zu schützen, dann kann es weder rechtens sein, Tiere mit dem Kopf auf den Boden zu schleudern oder mit Eisenstangen auf sie einzudreschen, noch kann es rechtens sein, dass man darüber nicht kritisch berichten darf.

Und deshalb glaube ich daran, dass das Recht auf meiner Seite ist, wenn ich genau das als Missstand anprangere und den Ort des Geschehens nenne, ohne jemanden (vor)verurteilen zu wollen.

Ich finde, dass der auf den Aufnahmen dargestellte Umgang mit Tieren unerträglich ist, egal, wie er rechtlich zu bewerten sein mag. Ich möchte dem Ausdruck verleihen.

Denn die Drohungen einer Anwaltskanzlei gegen Vegpool wirken zugleich wie eine Drohung an Alle, die sich dafür stark machen, dass Tiere eine Stimme bekommen.

Und sie brauchen diese Stimme dringender denn je!

Eine juristische Studie hat gezeigt, dass selbst nachgewiesene Tierquälerei in der kommerziellen Tierhaltung nur äußerst selten zu Tierhaltungsverboten oder gar Gefängnisstrafen führt.

Kommerzielle Tierhalter werden laut einer Statistik der Organisation "Vier Pfoten" etwa alle 19 Jahre einer Betriebsprüfung unterzogen. Im Jahr 2020 wurden nur bei 7,2 Prozent der Nutztierhaltungen Tierschutzkontrollen durchgeführt.

In den vergangenen Jahrzehnten ist ein System des Wegsehens entstanden. Tierärzte schauen weg, Behörden schauen weg, Verbraucher erst recht...

Unter Tierschützern wundert es niemanden mehr, wenn eine amtliche Kontrolle nichts zu beanstanden hat...

Es ist ein System, das Tierquälerei fördert, um es mal beim Namen zu nennen.

Ein System, das zu Pferdefleisch in Lasagne, zu Toxinen in Eiern und zu Kaninchenköpfen auf Steinböden führt.

Und deshalb tue ich nun, was Menschen in dieser Situation tun: Ich gehe unter Menschen. Die Drohungen gegen Vegpool sind eine Drohung gegen uns alle, die ihre Stimme für die Tiere erheben.

Bitte werdet Supporter von Vegpool und stärkt unabhängigen Vegan-Journalismus, der nicht sofort klein beigeben muss, wenn es drauf ankommt. Lasst uns den Geisterhänden widerstehen!


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Anwalt droht Vegpool: Muss Artikel offline gehen?
Letzter Beitrag: 12. Jan., von Vegbudsd.

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AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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