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Analyse: So künstlich und chemisch ist Hafermilch wirklich!

Wie gesund ist Hafermilch wirklich?
Wie gesund ist Hafermilch wirklich? Bild: Robert Kneschke / Drobot Dean / Adobe Stock

Als wir erfahren haben, was WIRKLICH in Hafermilch steckt, waren wir … erleichtert!

Doch eins nach dem anderen!

Im Internet bekommen wir immer wieder Nachrichten, dass Hafermilch künstlich und chemisch sei. Ein hoch verarbeitetes Industrieprodukt, voll mit Glyphosat und Unkrautvernichtungsmitteln.

Für uns klingt das nach Angst vor Veränderung. Allerdings scheinen auch Akteure aus der Milchwirtschaft ein Interesse daran zu haben, das gesunde Image von Hafermilch zu beschädigen.

Doch was steckt WIRKLICH in Hafermilch? Wie chemisch und hoch verarbeitet ist sie wirklich? Und was hat es mit den Zusatzstoffen auf sich – falls überhaupt welche drin sind?

Wir haben für diesen Artikel die Zutatenlisten mehrerer handelsüblicher Hafermilch-Produkte untersucht!

Produktname Zutaten Anmerkung
REWE Bio + vegan Hafer Drink ohne Zucker 1l Wasser, fermentierter Hafer, Sonnenblumenöl, Stabilisator (Guarkernmehl), Meersalz Bio-Produkt
Edeka My Veggie Hafer ohne Zucker Wasser, Vollkornhafer, Sonnenblumenöl, Meersalz, Stabilisator: Guarkernmehl Bio-Produkt
dmBio Haferdrink Konzentrat Trinkwasser, Vollkornhafer, Sonnenblumenöl, Meersalz Bio-Produkt
Natumi Hafer & Alge Wasser, fermentierter Hafer, Sonnenblumenöl, Alge: Lithothamnium calcareum, Meersalz Bio-Produkt
Provamel Haferdrink ohne Zucker Haferbasis (Wasser, Hafer), Sonnenblumenöl, Meersalz. Bio-Produkt
Provamel Haferdrink ohne Zucker Haferbasis (Wasser, Hafer), Sonnenblumenöl, Meersalz. Bio-Produkt
Rossmann enerBIO Haferdrink natur Wasser, Vollkornhafer, Sonnenblumenöl, Meersalz Bio-Produkt
Alpro sanft und cremig Hafer Haferbasis (Wasser, Hafer), löslicher Mais-Ballaststoff, Sonnenblumenöl, Calcium (Tricalciumphosphat), Meersalz, Stabilisator (Gellan), Vitamine (B2, B12, D2)
Lidl Vemondo No Milk Wasser, Hafer, Rapsöl, Erbseneiweiß, Meersalz, Stabilisator: Gellan, natürliches Aroma, Zichorienwurzelfasern, Säureregulator: Kaliumphosphate, Calciumcarbonat, Vitamin D, Vitamin B12
Oatly Barista Edition Wasser, Hafer, Rapsöl, Säureregulator (Dikaliumphosphat), Mineralien (Calciumcarbonat, Kaliumiodid), Salz, Vitamine (D2, Riboflavin, B12)
Wir haben die Produkte willkürlich herausgepickt. Die Zutatenlisten können sich im Laufe der Zeit ändern. Alle Angaben ohne Gewähr.

Bei unserer Analyse zeigen sich gleich mehrere Dinge:

  • Sehr viele Hafermilch-Produkte haben Bio-Qualität – und eine überaus kurze Zutatenliste. Bio-Hafermilch enthält selten mehr als vier Zutaten. Alle davon sind natürlich: Wasser, Hafer, Salz und pflanzliches Öl. Bio-Zutaten werden zudem ohne den Einsatz chemisch-synthetischer Dünger angebaut.
  • Bio-Hafermilch gibt es auch in calziumreichen Sorten mit Algen. Dabei handelt es sich um „kalzifizierte“ Algen, die reich an Kalziumkarbonat sind und dabei nahezu geschmacksneutral sind. Mehr dazu hier.
  • Konventionelle Hafermilch-Produkte enthalten häufig weitere Zutaten, darunter z. B. Mineralien und Vitamine. Solche Zusätze sind in Bio-Lebensmitteln zwar nicht zugelassen, aber deshalb nicht unbedingt ungesund. Eine Anreicherung mit Kalzium, Vitamin D oder Vitamin B12 kann sogar vorteilhaft sein.

Die Zahl der verwendeten Zutaten sagt nichts darüber aus, wie gesund eine Hafermilch ist. Auch Produkte mit langer Zutatenliste können gesund sein (denkt mal an Gemüseeintopf!).

Wichtige Antworten auf häufige Fragen:

Was ist mit Phosphaten in Hafermilch?
Manchmal wird kritisiert, dass (manche) Haferdrinks Phosphate enthalten, um Geschmack oder Textur zu verbessern. Grundsätzlich sollten Phosphate nicht in zu großen Mengen verzehrt werden. Auch Kuhmilch ist reich an Phosphaten. Das enthaltene Kalzium liegt in der Regel in den Formen Dicalciumphosphat oder Tricalciumphosphat vor. Tierprodukte wie Wurst, Käse und Milchprodukte sind reich an Phosphaten. Wer darauf verzichtet, kann Hafermilch in der Regel auch in großen Mengen bedenkenlos verzehren.

Wie hoch verarbeitet ist Hafermilch wirklich?
Um den Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln zu bestimmen, wird häufig die NOVA-Klassifikation der FAO genutzt. Je nach Verarbeitungsgrad dürfte sich Hafermilch auf einer niedrigeren oder mittleren Ebene der Stufe 3 befinden: „Verarbeitete Lebensmittel“.

Was ist mit Glyphosat und anderen Herbiziden?
Bio-Lebensmittel werde ohne den Einsatz von Pestiziden erzeugt. In konventioneller Landwirtschaft werden häufig Pestizide eingesetzt. Spuren davon können auch in Hafermilch vorhanden sein. Ob dies für die oben genannten Produkte zutrifft, haben wir nicht untersucht. Wir empfehlen grundsätzlich, Bio-Lebensmittel zu bevorzugen.

Darf Hafermilch wirklich als „Hafermilch“ bezeichnet werden?
Wenn man sie verkauft, darf man sie nicht als „Hafermilch“ bezeichnen – das hat die EU auf Druck der Milchindustrie entschieden. Umgangssprachlich ist „Hafermilch“ aber geläufig und üblich, deshalb nutzen auch wir den Begriff. Hafermilch ist keine Alternative für Muttermilch. Mütter sollten ihre Kinder nicht mit Milchalternativen füttern, sondern am besten stillen. Nach dem Säuglingsalter sind Milchalternativen jedoch eine gute Bereicherung für die Ernährung.

Ist Hafermilch teurer als Kuhmilch?
Viele Hafermilch-Produkte sind mittlerweile zum selben Literpreis wie Kuhmilch erhältlich. Dies gilt insbesondere für die Eigenmarken-Produkte – und sogar, wenn diese Bio-Qualität haben! Hafermilch von bekannten Marken wie Alpro oder Oatly ist häufig immer noch etwas teurer als Kuhmilch.

Sind stark verarbeitete Lebensmittel grundsätzlich ungesund?
Nein, eindeutig nicht. Eine Studie hat gezeigt, dass selbst hoch verarbeitete Alternativprodukte häufig überraschend gesund sind. Bedenklich sind demnach vorwiegend Tierprodukte und Softdrinks. Die Studie wurde finanziert von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Fondation de France, Cancer Research UK, World Cancer Research Fund International und dem Institut National du Cancer.

Enthält Hafermilch Schimmelpilzgifte?
Verrückt, wie oft uns diese Behauptung von Schimmelpilzen in Haferdrinks begegnet ist. Dabei hatte das Test-Magazin „Öko-Test“ für die Ausgabe Dezember 2023 gleich 36 Haferdrinks ins Labor geschickt. Die meisten schnitten sehr gut oder gut ab. Ein einziges Produkt enthielt Spuren von Schimmelpilzgift (Mykotoxin T-2/HT-2). Hier wurde die „tolerierbare tägliche Aufnahmemenge“ überschritten, die man nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als Erwachsener ein Leben lang ohne Gefahr einnehmen kann. Es handelt sich dabei nicht um einen gesetzlichen Grenzwert. Zum Testbericht von Öko-Test.

Fazit: Wie gesund / ungesund ist Hafermilch denn nun wirklich?

Auf Basis der oben aufgeführten Informationen kommen wir zu dem Schluss, dass Hafermilch ein gesundes Produkt ist, das sich im Alltag hervorragend eignet, um damit Kaffee, Müsli, Süßspeisen und Co zuzubereiten.

Hafermilch hat gegenüber Kuhmilch noch viele weitere Vorteile. Dazu gehört unter anderem, dass sie frei von tierischen Fetten ist und zudem sehr umweltschonend erzeugt wird.

Kleine Ergänzungen am 24.1.2024.

Veröffentlichung:

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Letzter Beitrag: 28. Jan., von METTA.

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4,6/5 Sterne (22 Bew.)
AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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