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Soko Tierschutz: Schlachthof in NRW schächtet systematisch Tiere - Behörden schauen weg

Im "Fleischzentrum Prott" in Selm sollen systematisch Tiere geschächtet worden sein - illegal.
Im "Fleischzentrum Prott" in Selm sollen systematisch Tiere geschächtet worden sein - illegal. Bild: Soko Tierschutz e. V.

In elf Schlachthöfen hat der Tierschutzverein Soko Tierschutz e. V. in den letzten Jahren bereits extreme Tierquälerei nachweisen können - neun davon mussten geschlossen werden.

Nun reiht sich ein weiterer Skandal in die endlos erscheinende Kette von Tierschutz-Missständen in deutschen Schlachthöfen...

Im Fleischzentrum Prott in Selm, NRW, sollen systematisch Tiere geschächtet worden sein. Rechtswidrig, so Soko Tierschutz, da dem Betrieb keine zwingend notwendige Ausnahmegenehmigung erteilt worden sei. Das TV-Magazin FAKT (ARD) hatte gestern Abend berichtet.

An jedem einzelnen Schlachttag wurden den Angaben zufolge Tiere geschächtet, also ohne vorherige Betäubung getötet.

"Die Schafe wurden brutal aufgeschlitzt und auf einen Haufen geworfen, Rinder kämpften blutend und an der Kette baumelnd um ihr Leben und brüllten vor Schmerzen", so der Kampagnenleiter Friedrich Mülln.

Beim religiös motiviertem Schächten werden Tiere ohne Betäubung getötet. Das Schächten von Tieren ist in Deutschland illegal und nur unter sehr hohen Auflagen in Ausnahmefällen erlaubt. Der besagte Betrieb hatte keine solche Genehmigung, so die Tierschützer.

Der Schlachthof Prott, der von deutschen Inhabern geführt würde, habe sich auf betäubungsloses Schlachten spezialisiert, so die Organisation.

Auf den Aufnahmen, die offenbar rund um die Uhr angefertigt wurden, sei keine einzige behördliche Kontrolle zu sehen gewesen, teilt Soko Tierschutz mit. Eine Lebendbeschau habe offenbar nicht stattgefunden, denn dann hätte das Fleisch verworfen werden müssen.

Ein Mitarbeiter soll sogar Blut vom dreckigen Boden der Tötungsbox geschöpft haben - mutmaßlich zur Weiterverarbeitung. Zu den Kunden sollen Metzgereien und Supermärkte in der ganzen Ruhr-Region gehört haben, aber auch Kunden, die direkt vor Ort einkauften.

Soko Tierschutz beklagt, dass das zuständige Veterinäramt Unna und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) seit 20 Jahren von den Schächtungen in diesem Betrieb Bescheid wüsste - und nicht eingreifen würden. Ein Verhalten, das aus Sicht der Tierschützer strafbar sei.

Unmittelbar nach der Recherche habe man die zuständige Behörde und die Polizei informiert und die Aufnahmen als Beweismaterial übergeben, so Soko Tierschutz. Doch erst am Abend sei eingegriffen worden, was den weiteren qualvollen Tod vieler Tiere bedeutet habe.

"Die verantwortlichen Veterinäre gehören genauso vor Gericht wie die verantwortlichen Schlachter", so Sprecher Mülln.

Die Organisation betont, dass auch in "normalen" Schlachthöfe immer wieder Tiere unbetäubt getötet würden. Sie möchte vorbeugen, dass Rechtsextreme das Thema für eigene Hasskampagnen gegen Juden und Muslime instrumentalisieren.

Die Kritik richtet sich nicht gegen die Religion, sondern gegen den grauenvollen Umgang mit Tieren. Auch Muslime und Juden können vegan leben, um unnötige Tierquälerei zu verhindern.

Im Interview hat der Jurist und Strafrechtler Prof. Dr. Jens Bülte im August letzten Jahres kritisiert, dass Behörden Tierschutz-Verfahren oft aus den abenteuerlichsten Gründen einstellen würden. Er forderte damals ein konsequenteres Handeln der Zuständigen, damit sich kriminelles Handeln nicht lohne. Dazu gehöre auch, dass Gewinne eingezogen werden könnten.

Weitere Infos zum Schächt-Skandal findet ihr auf der Website der Soko Tierschutz e. V.

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Autor: Redaktion

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