Choviva statt Schokolade: Was steckt hinter dem Kakao-Ersatz?

Neulich habe ich im Supermarkt Kekse mit Stückchen gekauft, die wie Schoko aussehen. Doch auf der Verpackung stand: „mit Choviva“.
Muss man eigentlich alles ersetzen? Sparen die Hersteller Geld, indem sie uns heimlich ein billiges Surrogat vorsetzen?
Gleichzeitig wusste ich als Schokoladenfreund: Die Preise für Kakao steigen rapide an. Die Klimakrise greift auf den Kakaoanbau über. Hersteller suchen deshalb nach Alternativen zur klassischen Schokolade.
Ist Choviva also Trickserei – oder eine vernünftige Antwort auf ein echtes Problem?
Was ist Choviva überhaupt?
Choviva ist eine Schokoladenalternative ohne Kakao. Statt Kakaobohnen nutzt der Hersteller – die Planet A Foods GmbH – Sonnenblumenkerne und pflanzliches Fett. Die Sonnenblumenkerne kommen demnach aus Europa.
Die Kerne werden ähnlich verarbeitet wie Kakao. Sie werden fermentiert, geröstet und anschließend fein verarbeitet. Die Masse wird dann conchiert, wie echte Schokolade. Am Ende entstehen Aromen, die stark an Schokolade erinnern.
Das Ergebnis wird gesüßt und schmeckt tatsächlich schokoladig. Würde man nicht wissen, dass ChoViva drinsteckt – man würde es wohl nicht bemerken.
Ist Choviva vegan?
Choviva wird in mehreren Varianten angeboten, aber nicht alle Sorten sind vegan.
Ob ein fertiges Produkt wirklich vegan ist, hängt aber vom gesamten Rezept ab. Manche Fertigprodukte enthalten zusätzlich Milchpulver oder andere tierische Zutaten.
Der Hinweis auf Choviva allein bedeutet also nicht, dass ein Produkt vegan ist. Achtet weiterhin auf Vegan-Siegel und Zutatenliste.
Ist Choviva gesund?
Viele Menschen verbinden „kakaofrei“ oder „nachhaltig“ automatisch mit gesünder. So einfach ist es aber nicht.
Choviva-Produkte enthalten oft ähnlich viel Zucker und Fett wie normale Schokolade. Auch die Kalorien dürften sich nicht wesentlich unterscheiden.
Der größte Unterschied liegt vor allem im Rohstoff. Statt Kakao kommen Sonnenblumenkerne zum Einsatz.
Welches Fett verwendet wird, hängt laut Hersteller vom Produkt ab. In vielen Produkten mit Choviva wird Palmfett verwendet.
Aus gesundheitlicher Sicht ist Palmfett etwa gleichwertig mit Kakaobutter. Beide sind reich an langkettigen Fettsäuren. Nicht so ungesund wie Butter, aber auch kein „gesundes“ Pflanzenfett.
Ein Gesundheitsprodukt ist Choviva also nicht – aber das gilt auch für Schokolade.

Warum wird Kakao überhaupt ersetzt?
Der wichtigste Grund ist die Klimakrise. Kakao wächst nur in bestimmten tropischen Regionen. Dort sorgen Hitze, Dürren und Überschwemmungen zunehmend für Ernteausfälle. Kakao wird daher immer teurer. Gut möglich, dass eine Tafel Schokolade bald schon 8-10 Euro kostet!
Der Anbau von Kakao erfolgt zudem häufig auf ehemaligen Regenwaldgebieten – den „Lungen der Erde“. Bei der Rodung von Urwäldern werden ganze Ökosysteme zerstört. Auf Satellitenfotos sehen gerodete Urwaldgebiete aus wie offene Wunden der Erde.
Gut, dass Hersteller nach Alternativen suchen. Nach ökologischem Kakaoersatz. Schokoladenalternativen sollen den gewohnten Geschmack bieten – aber mit den Vorteilen einer nachhaltigeren Herstellung. So, wie bei veganen Alternativprodukten auch.
Ist Choviva nachhaltiger als Schokolade?
Laut Hersteller ja – und zwar eindeutig. Demzufolge verursacht Choviva etwa 74 % weniger Klimaemissionen als klassische Schokolade.
Und das klingt plausibel. Sonnenblumen wachsen in Europa, außerhalb der empfindlichen tropischen Gebiete. Und auch die Transportwege können dadurch kürzer werden.
Allerdings muss auch Choviva verarbeitet werden. Die industrielle Herstellung verbraucht Energie. Zudem hängt die tatsächliche Umweltbilanz stark davon ab, wie Produkte produziert, verpackt und transportiert werden.
Der Umweltvorteil hängt auch davon ab, welches Pflanzenfett verwendet wird.
Welche Fette konkret verwendet werden, kommuniziert der Hersteller auf seiner Website nur begrenzt. Ein Großhändler für Backzutaten hat jedoch ein PDF, in dem die Rede von Palmfett ist. [1]
Trotzdem empfinde ich die Grundidee als nachvollziehbar. Der Kakaoanbau dürfte durch die Klimakatastrophe schwieriger und teurer werden. Schokoladenalternativen auf Basis von Sonnenblumen klingen für mich nach einer guten Idee.
Ist Choviva Verbrauchertäuschung?
Viele Verbraucher reagieren sofort skeptisch, wenn bekannte Zutaten plötzlich ersetzt werden. Als Veganer hören wir ständig, dass all die nachhaltigen veganen Alternativprodukte in Wahrheit „Chemie“ wären.
Kritisch wird es aus meiner Sicht dann, wenn Hersteller nicht sichtbar kommunizieren, was drin steckt.
Der Vorwurf lautet dann schnell: Die Hersteller wollen nur Geld sparen und enthalten uns den wertvollen Kakao vor!
Auf den Produkten, die ich hierzu probiert habe, stand überall klar drauf, dass Choviva drin ist. Mogeln sieht anders aus.
Und die Probleme rund um Kakao sind real. Klimawandel, steigende Preise und Umweltprobleme setzen die Branche zunehmend unter Druck.
Dass Hersteller einen Teil ihrer Rezepturen mit Kakaoersatz wie Choviva umstellen, könnte ihnen Geld sparen – aber auch uns als Verbrauchern.
Fazit: Choviva ist keine Schokolade – aber eine legitime Alternative zu Kakao
Choviva ist aus meiner Sicht eine Antwort auf ein reales Problem. Eine ziemlich leckere, wie ich finde. Wichtig ist nur, dass transparent angegeben wird, wenn Choviva drinsteckt.
Am Ende hilft es uns allen, bei den Produkten Geld zu sparen, in denen wir den echten Kakao sowieso nicht herausschmecken würden. In billigen Keksen vom Supermarkt etwa.
Und es hilft uns dabei, weiter zu genießen, und der Umwelt gleichzeitig etwas weniger zu schaden.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig




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