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War Tofu in Deutschland wirklich verboten? Und wem nützte das?

Ist der Staat wirklich gegen Tofu vorgegangen? (Symbolbild)
Ist der Staat wirklich gegen Tofu vorgegangen? (Symbolbild)
Bild: pixabay.com (Kombi) (bearb.)

War Tofu früher in Deutschland wirklich verboten, oder ist das Tofuverbot in Deutschland eine Legende?

Die Behauptung taucht seit Jahren immer wieder auf: Der deutsche Staat habe den Verkauf von Tofu verboten, um die heimische Tierindustrie vor Konkurrenz zu schützen.

Was zunächst nach einer Verschwörungserzählung klingt, ist im Kern wahr.

  • Tofu war in Deutschland bis Ende der 1980er Jahre faktisch vom Verkauf ausgeschlossen.
  • Die Rechtslage begünstigte die Tierhaltung und erschwerte pflanzliche Alternativen erheblich.
  • Erst Ende der 1980er Jahre wurde der Verkauf von Tofu schrittweise rechtlich ermöglicht.
  • Der Konflikt zwischen Agrarindustrie und pflanzlichen Alternativen setzt sich bis heute fort.

Warum Tofu in Deutschland verboten war: Eine unrühmliche Geschichte von deutschem Agrarfilz

Bis in die 2000er Jahre investierte der Staat erhebliche Mittel in die Absatzförderung tierischer Produkte. Fleisch, Milch und Eier wurden mit millionenschweren Kampagnen beworben, finanziert aus Pflichtabgaben und Steuergeldern.

Trägerin dieser Werbung war unter anderem die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA). Sie wurde erst 2009 aufgelöst, nachdem ihre Finanzierung als unvereinbar mit geltendem Recht eingestuft worden war.

Tofu war zu diesen Zeiten ein echter Underdog – unterdrückt durch staatliche Verbote und behördliche Sanktionen.

Behördliche Verbote und Kontrollen: Wie Tofupioniere ausgebremst wurden

Zu Zeiten Helmut Kohls (CDU) wurden die ersten Tofupioniere nicht nur ausgelacht, sondern sahen sich massiven behördlichen Eingriffen und Verkaufsverboten ausgesetzt.

Einer der frühen Tofuhersteller in Deutschland war Bernd Drosihn. In seinem Buch "Tofu: Vom skurrilen Kampf um ein unscheinbares Weltnahrungsmittel" schildert er die Kontrollen in den Kellerräumen seiner Manufaktur.

Juristisch beruhte der Ausschluss von Tofu auf der damaligen Einstufung pflanzlicher Produkte als unzulässige Imitate tierischer Erzeugnisse. Solche Produkte galten als nicht verkehrsfähig und durften nicht regulär verkauft werden – unabhängig davon, ob sie gesundheitlich unbedenklich waren.

Erst Ende der 1980er Jahre begann sich die Situation zu verändern. Der Verkauf von Tofu wurde schrittweise rechtlich ermöglicht.

Tofu setzte sich schließlich durch. Der grundlegende Konflikt zwischen etablierter Agrarwirtschaft und neuen pflanzlichen Anbietern blieb jedoch bestehen.

Bis heute sitzen Politiker in Bundestag und Europäischem Parlament, die selbst tief in der Agrarindustrie verwurzelt sind.

Macht, Einfluss und Nähe zur Industrie

Bis heute ist die deutsche Agrarpolitik eng mit der Tierhaltung verflochten. In Parlamenten und Ministerien sitzen Politiker mit großer persönlicher Nähe zur Agrar- und Fleischwirtschaft.

Der aktuelle Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) stammt aus der Fleischwirtschaft und war in Unternehmen der Agrarindustrie tätig. Ursprünglich wollte die CSU sogar den Präsidenten eines Bauernverbands an die höchste Stelle der Agrarmacht hieven. Der Plan scheiterte, nachdem PETA Aufnahmen aus dessen Kälbermast veröffentlicht hatte.

Kritiker sprechen von einem strukturellen Ungleichgewicht, das sich in Regulierung, Förderung und öffentlicher Kommunikation niederschlägt.

Ein System, das den Grundsätzen der Demokratie widerspricht. Macht braucht öffentliche Kontrolle!

Denn: Wo sich Tierhalter abschotten und mit selbst geschaffenen Siegeln für "Tierwohl" werben, wird die Debatte verhindert, wie Tiere in Deutschland gehalten werden dürfen. Der Tierschutz steht zwar als Staatsziel im Grundgesetz – doch in der Praxis hat dies keine bindende Wirkung.

PETA hatte Anfang 2016 nach eigenen Angaben Tierquälerei in Betrieben aus dem Umfeld der damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Franz-Josef Holzenkamp, Johannes Röring und Josef Rief aufgedeckt [1].

Pflanzliche Alternativen weiter unter Beschuss der Tierindustrie-Lobby

Nach jahrelangem Lobbyeinfluss konnten Verbände der Milchindustrie 2013 einen Erfolg feiern: In der Europäischen Union wurde es verboten, pflanzliche Milchalternativen als "Milch" zu bewerben.

Andere Begriffe wie "Kokosmilch", "Sonnenmilch" oder "Scheuermilch" bleiben erlaubt. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass Konsumenten sehr wohl zwischen tierischen und pflanzlichen Produkten unterscheiden können. Die Regel kam vielen vor wie ein Geschenk der EU an die Agrar-Lobby.

Auch bei Bezeichnungen wie "Burger" oder "Wurst" für vegane Produkte gibt es immer wieder politische Vorstöße, diese einzuschränken. Ende 2025 sprachen sich EU-Politiker unter Führung der EVP für entsprechende Verbotsinitiativen aus. Die deutsche CDU und CSU gehören der EVP an.

Möglich, dass diese Regelungen bald in Kraft treten. Experten sehen darin eine Gefahr für die deutsche Wirtschaft. Denn vegane Alternativprodukte von deutschen Herstellern sind international gefragt.

Das Ende des Tofuverbots bot also keinen Grund, um aufzuatmen. Der unfaire Machtkampf der Tierindustrie geht bis heute weiter.

Das einstige Tofuverbot und die heutigen Verbotspraktiken gegen pflanzliche Hersteller machen deutlich, worum es industriellen Agrarverbänden geht: Mögliche Gefahren fürs eigene Geschäft durch schiere Machtpolitik zu unterdrücken.

Wir tun es, weil wir es können. Wer braucht da schon Argumente.

David gegen Goliath.

Schon deshalb ist jeder Griff zu Tofu ein Statement für bessere Argumente, auch in der Landwirtschaft.

Wir haben dem Artikel am 23.1.2026 überarbeitet.

Veröffentlichung:

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War Tofu früher echt verboten? JA!
Letzter Beitrag: 26. Jan. von Crissie.

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