Stimmt es, dass Mandeln nicht vegan sind? (Nein!)

Sind Mandeln wirklich nicht vegan? Woher kommt dieses Gerücht – und wie ist es wirklich? Antworten liefert euch dieser Artikel!
Mandeln sind die Steinfrüchte der Mandelbäume. Sie sind reich an Protein und werden gerne als Zutat in Kuchen, Schokolade und Marzipan verwendet. Nicht zu vergessen natürlich Mandelmus und Mandelmilch. Auch vegane Frischkäse-Alternativen werden häufig mit Mandeln hergestellt.
Mandeln sind rein pflanzliche Lebensmittel, die in der veganen Küche vielfältig verwendet werden können. Dennoch kommt immer wieder mal die Diskussion auf, ob Mandeln tatsächlich vegan sind.
Als Grund werden die Honigbienen genannt, die für den Anbau von Mandeln eingesetzt werden. "Tierausbeutung" sagen manche (Klatsch-)Medien dazu. In der Hoffnung auf einen neuen Tratsch-Skandal.
Honigbienen sind zur Bestäubung der Mandeln unverzichtbar
Die meisten Mandeln werden in Kalifornien angebaut. Auf riesigen Plantagen steht ein Mandelbaum neben dem anderen. Wie in der industriellen Landwirtschaft üblich, kommen viele Maschinen zum Einsatz.
Doch bei der Bestäubung der Mandelbäume sind die Erzeuger nach wie vor auf die natürliche Hilfe von Honigbienen angewiesen, die die Mandelblüten bestäuben.

Das Problem: In den mit Pestiziden belasteten Monokulturen können natürliche Bienenvölker (oder andere Bestäuber) kaum überleben.
In Kalifornien und anderen Ländern ist daher eine regelrechte Bienen-Industrie entstanden. Großimker, die tausende Bienenvölker per Lkw von einem Ort zum nächsten transportieren. Sie bieten die Bestäubung der Mandelbäume als Dienstleistung an.
Praktisch alle konventionellen Mandeln aus Kalifornien, die man heute einkaufen kann, kommen aus Gebieten, in denen gemietete Honigbienen eingesetzt wurden. Die Dokumentation "More Than Honey" und das Buch zum Film erläutert dieses Verfahren anschaulich.
Mandelanbau ohne Honigbienen kaum möglich
Doch sind Mandeln tatsächlich nicht vegan, wenn Honigbienen dafür ausgebeutet wurden? Darf man jetzt als Veganer nicht einmal mehr Marzipan, Mandelmilch oder Mandelmus verzehren? Keine Florentiner mehr, und keine Mandelkekse oder Mandelsplitter? Nicht einmal das geliebte weiße Mandelmus?
Grundsätzlich sind Mandeln vegan. Auch, wenn dabei Honigbienen genutzt wurden. Wenn ein Produkt pflanzlich ist, ist es vegan. Die Grundproblematik liegt in der industrialisierten Landwirtschaft. Und an fehlenden Gesetzen zum Schutz von Allgemeingütern.
Damit die Erzeugung der Mandeln nachhaltiger wird – und ohne die Mietbienen auskommt –, müsste die Politik Landwirte und Erzeuger für ökologische Schäden zur Kasse bitten. Das "Verursacherprinzip" müsste in Kraft treten. Das heißt: Derjenige zahlt, der einen Schaden verursacht. Im Gegenzug könnte sie nachhaltige Anbaumethoden belohnen.
Wenn es lohnender ist, eine nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben, müssen Bienen nicht mehr für den Mandelanbau herantransportiert werden. Die vor Ort lebenden Insekten könnten diese Aufgabe übernehmen.

Mandeln sind vegan? Eine Ausweichdebatte!
Interessant ist, dass die Debatte über "nicht vegane Mandeln" häufig von Menschen geführt wird, die selbst nicht vegan leben. Wie so oft scheint es sich hier um eine Ausweichdebatte zu handeln. Man macht sich lieber über Veganer lustig, statt sich mit den eigenen Folgen der Ernährung auseinanderzusetzen.
Es geht also nicht darum, gemeinsam eine Lösung für die Mandel-Erzeugung in Kalifornien zu finden – sondern Veganern Heuchelei zu unterstellen. Und dadurch davon abzulenken, dass für die omnivore und vegetarische Ernährung Tiere vorsätzlich getötet werden. Stichwort: Futtermittelanbau in ehemaligen Urwaldgebieten. Nur Atombomben sind umweltschädlicher.
Wir empfehlen eine vegane Ernährung nach dem Pareto-Prinzip. Das bedeutet: So gut es im Alltag geht, vegan zu leben, aber ohne übertriebenen Aufwand. → Mehr zum veganen Pareto-Prinzip.
Dadurch legt man den Fokus auf die Dinge, die sich mit wenig Aufwand erreichen lassen – statt nur auf mögliche Fehler. Wenn Grundzutaten pflanzlich sind, gelten sie als vegan. Punkt.
Der Artikel wurde am 5.9.2025 überarbeitet.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig











