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Laien wissen wenig über Landwirtschaft - trotzdem sollten sie mitdiskutieren. Aus diesen Gründen!

Auch Laien können sich für eine nachhaltigere Landwirtschaft stark machen. Bild: pixabay.com

"Ihr Laien habt doch gar keine Ahnung von Landwirtschaft", heißt es von Verbänden der Agrar-Industrie häufig, wenn Verbraucher mehr Nachhaltigkeit fordern. "Lasst uns mal machen, wir verstehen mehr von der Praxis!"

In der Tat gelingt es Laien kaum, auf Anhieb einen soliden Fruchtfolgeplan zu entwerfen. Manche haben sogar Mühe, den Kartoffelkäfer vom Drahtwurm zu unterscheiden... Puh, wie will man da mitreden können?

Klar, dass die Landwirte hier die Experten sind. Und wenig überraschend.

Gleichzeitig sind zentrale Probleme der Landwirtschaft so offensichtlich, dass man gar kein Experte sein muss, um sie in ihren Grundzügen zu begreifen.

Auch ein Laie kann erkennen, wenn die Scheune brennt. Dazu muss er nicht erst Experte im Brandschutz sein.

Diese Fragen können auch Laien stellen:

  • Was geschieht, wenn Erdöl und Erdgas zur Neige gehen? Chemisch-synthetische Düngemittel basieren auf diesen fossilen Ressourcen - und damit auch die konventionelle Landwirtschaft. Man muss nicht die chemische Strukturformel von Stickstoffdünger kennen, um die Tragweite des Problems zu erahnen: Ohne fossile Ressourcen ist Schluss mit der konventionellen Landwirtschaft in ihrer heutigen Form. Und was kommt dann?
  • Wie schützen wir die Ökosysteme vor dem Kollaps? Bienen und andere Insekten, die unsere Pflanzen bestäuben, können durch Menschenhand nicht ersetzt werden. Sind Glyphosat und Co nicht eine ernste Gefahr? Auch diese Frage können Laien durchaus stellen, auch wenn sie (ebenso wie die meisten Landwirte) keinen Doktortitel in Biologie haben.
  • Wie lösen wir das Problem der Veredelungsverluste in der Tierhaltung? Laien können selten eine optimale Futter-Ration für Milchkühe im 3. Laktationsmonat zusammenstellen. Dass eine Kuh Ressourcen zu Gülle macht - während auf der Welt Menschen hungern -, ist ein leicht erkennbares Problem, das auch Laien verstehen.
  • Warum bezahlt eigentlich die Allgemeinheit für Schäden, die einzelne Landwirte verursachen? 22 Mrd. Euro Folgekosten pro Jahr, allein für industrialisierte Tierhaltung! Und warum kämpfen Agrar-Verbände so oft gegen die Anwendung des Verursacherprinzips, obwohl es in Wahrheit für mehr Fairness sorgen würde? Auch das eine Frage, die Laien berechtigt stellen können.
  • ...

Dazu braucht es die Diskussion in der Gesellschaft, an der sich auch Laien beteiligen können und sollen.

Ja, die Scheune brennt. Ja, es braucht Experten und Praktiker, um den Brand zu löschen. Und natürlich haben Laien nicht immer Recht und sollten vor allem den Respekt bewahren. Natürlich sind die Antworten auf drängende Probleme oft komplex.

Doch der dafür nötige Druck für ökologischere Landwirtschaft muss auch aus der Bevölkerung kommen. Auch von den Laien.

So lange die agrarindustriellen Verbände eine Diskussion dieser Themen bloß abkanzeln und stattdessen Phrasen dreschen, bleiben wichtige Fragen unbeantwortet - und die Scheune brennt weiter.

Veröffentlichung:

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Agrar-Debatten: Deshalb sollten auch Laien mitdiskutieren
Letzter Beitrag: 07. Feb., von Vegbudsd.

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AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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