"Grüne" könnten Klöckners Antrag zur Kastenstandhaltung verhindern...

Erstellt 04.06.2020, von kilian. Kategorie: Vegpool aktuell. 39 Antworten.

03.07.2020
Ich halte den Foodwatch-Artikel für undifferenziert, unsachlich und unfair (nicht zum ersten Mal, siehe auch: https://www.vegpool.de/news/foodwatch-goldener-windbeutel-2019-kritik.html?newsid=1900 ) . Natürlich kann man mit Maximalforderungen in Verhandlungen gehen und dann lauthals schimpfen, wenn die nicht zu 100% erfüllt werden. Ich habe für jeden Verständnis, der den jetzigen Gesetzesbeschluss aus Tierschutzsicht für nicht ausreichend hält und enttäuscht ist. Aber andererseits sind wir in einer Demokratie (!), und wenn man den Entscheidungsprozess und auch die bereits genannten Redebeiträge (in einem davon wurde Foodwatch sogar direkt angesprochen) berücksichtigt, dann ist das Ganze vielleicht doch nicht so schlecht, wie es die Lobbyisten (beider Seiten) jetzt versuchen darzustellen.
Natürlich heißt es da jetzt dranzubleiben und dafür zu sorgen, dass die Fristen nicht verlängert oder irgendwelche Regelungen verwässert werden. Und auch darauf zu hoffen, dass sich auf EU-Ebene noch etwas tut, was weitergeht als das, was man bisher auf Bundesebene so auf die Reihe bekommt (End the Cage Age: https://help.four-paws.org/de-DE/node/1200 )
In allgemeines Politikerbashing und spezielles Grünenbashing, wie es der Foodwatch-Artikel betreibt, werde ich aber nicht einstimmen und ich bin ehrlich gesagt auch enttäuscht, dass das hier schon wieder so gut ankommt.


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03.07.2020
Sunjo, mein "Grünen-Bashing" ist einfach ein Ausdruck jahrzehntelanger Enttäuschung. Natürlich sollte man keine Maximalforderungen stellen, sondern Erreichbares, da hast Du durchaus Recht. Aber davon wären hier EINIGE Beiträge/Forderungen betroffen...
Ich denke, ich sollte mich hier politisch gar nicht mehr äussern, da ich/man dann schnell in eine Ecke gestellt wird. Und das will ich nicht.



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03.07.2020
Zitat PeeBee:
Ich denke, ich sollte mich hier politisch gar nicht mehr äussern, da ich/man dann schnell in eine Ecke gestellt wird. Und das will ich nicht.

Mach's bitte trotzdem. Es ist ja normal, das nicht immer alle die gleiche Meinung haben, und hier finde ich die politische Meinungsbildung immer noch angenehmer als außerhalb der veganen Blase. Innerhalb der veganen Blase sehe ich mich in diesem aktuellen Punkt eher als Einzelmeinungsvertretende. Alle Organisationen, die sich für die sofortige Totalabschaffung der Kastenstände engagiert hatten, äußern sich gerade ähnlich wie Foodwatch.
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03.07.2020
Zitat Sunjo:Ich halte den Foodwatch-Artikel für undifferenziert, unsachlich und unfair (nicht zum ersten Mal, siehe auch: https://www.vegpool.de/news/foodwatch-goldener-windbeutel-2019-kritik.html?newsid=1900 ) . Natürlich kann man mit Maximalforderungen in Verhandlungen gehen und dann lauthals schimpfen, wenn die nicht zu 100% erfüllt werden. Ich habe für jeden Verständnis, der den jetzigen Gesetzesbeschluss aus Tierschutzsicht für nicht ausreichend hält und enttäuscht ist. Aber andererseits sind wir in einer Demokratie (!), und wenn man den Entscheidungsprozess und auch die bereits genannten Redebeiträge (in einem davon wurde Foodwatch sogar direkt angesprochen) berücksichtigt, dann ist das Ganze vielleicht doch nicht so schlecht, wie es die Lobbyisten (beider Seiten) jetzt versuchen darzustellen.
Natürlich heißt es da jetzt dranzubleiben und dafür zu sorgen, dass die Fristen nicht verlängert oder irgendwelche Regelungen verwässert werden. Und auch darauf zu hoffen, dass sich auf EU-Ebene noch etwas tut, was weitergeht als das, was man bisher auf Bundesebene so auf die Reihe bekommt (End the Cage Age: https://help.four-paws.org/de-DE/node/1200 )
In allgemeines Politikerbashing und spezielles Grünenbashing, wie es der Foodwatch-Artikel betreibt, werde ich aber nicht einstimmen und ich bin ehrlich gesagt auch enttäuscht, dass das hier schon wieder so gut ankommt.


Zur Demokratie gehört auch, das man andere Ansichten haben darf und auch über eine politische Entscheidung enttäuscht ist und diese auch (vll. übertrieben) kund tun kann.
Ich habe den FoodWatch Beitrag nicht kommentiert* aber kann deren "Wut" nachspüren und auch das muss Demokratie aushalten, ob Du darüber enttäuscht bist oder was hineininterpretieren magst sei Dir überlassen.

Für mich würde der gerichtliche Erfolg von Behrendt mehr wiegen, als dieser Kompromiss.
Nach dem gerichtlichen Sieg müssten sich Teile der Grünen fragen lassen ob sie diesen wieder besseren Wissens (Gewissens) ausgehandelt hätten.
Und bei einigen Themen muss man eine Maximalforderung haben - ich bin zum Glück nicht in der Politik, vermutlich wäre ich so ähnlich wie Wehner :green:

  • Ausser meinem Zweifel am zeitliche Ablauf und der Kontrolle der getroffenen Maßnahmen/Auflagen - hier spielt mE. der Bauernverband die Melodie.


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04.07.2020
Zitat PeeBee:Sunjo, mein "Grünen-Bashing" ist einfach ein Ausdruck jahrzehntelanger Enttäuschung.

Ja, ich fürchte, dass das leider zum "politischen Geschäft" dazu gehört. Wir sind auf einem gemeinsamen Weg, die einen laufen schnell vor einem, so dass man kaum hinterher kommt, die nächsten laufen neben einem her und ziehen am selben Strick in die selbe Richtung, wieder andere laufen zwar mit der selben Geschwindigkeit, entfernen sich aber nach links oder rechts, dann gibt es auch noch diejenigen, die eigentlich deine Freunde sind aber sich mitten auf dem Weg umdrehen und in die umgekehrte Richtung gehen usw. usw. Es tut mir sehr leid, dass Du so enttäuscht wurdest. Seinerzeit ich auch in Bonn bei den 100.000 Demonstranten und habe SPD Eppler und Heinrich Böll zugejubelt, als sie den Nato-Doppelbeschluss kritisierten. Und dennoch kam dieser Beschluss - und die Ennttäuschung und Trauer war riesengroß. Aber wir hatten eben auch deutlich gemacht, dass wir das nicht akzeptieren, und ich bin sicher, dass viele Entscheidungen in der Folge auch ihre Ursache in den Friedenswünschen der Bevölkerungen auf beiden Seiten des "eisernen Vorhanges" hatten. Die Demos und Proteste hatten in jedem Fall ihren Sinn und wirken nach meiner festen Überzeugung bis heute weltweit nach. Wir haben das richtig gemacht. Ähnliches gilt für Startbahn West in Frankfurt und Stuttgart 21 - beide Projekte würden in dieser Form nicht mehr durchgeboxt - Dank der Proteste.

Zitat PeeBee:Natürlich sollte man keine Maximalforderungen stellen, sondern Erreichbares, da hast Du durchaus Recht


Im Gegenteil! Ohne diese maximalen Forderungen ginge es beinahe nirgends voran. Sie müssen gestellt werden wie ein Stern, an dem man sich in der Dunkelheit als Richtungspfeil orientieren kann. Es kann gut sein, dass das gewünschte Ziel dennoch nie ganz oder sogar gar nicht erreicht wird, aber ohne Richtungsanzeiger, würde man nie wissen, in welche Richtung es gehen soll.

Vorgestern wurde das Kernkraftwerk Fessenheim an der französisch-deutschen Grenze abgeschaltet. Es hatte mein politisches Leben bis heute begleitet. In Deutschland wurde dank Fukushima der Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Beendigung der Atommüllproduktion endgültig besiegelt. Glyphosat wurde in der Anwendung europaweit verboten oder zumindest stark eingeschränkt. Das Rauchen in Kneipen und öffentlichen Gebäuden- verboten. Der "Veggieday" hatte einen der größten Erfolge in der Geschichte der bewussten veganen Ernährung zur Folge - wir alle profitieren neben den deswegen nicht mehr geschlachteten Tiere tagtäglich beim Einkauf davon. Die Hühner haben mehr Platz bekommen. Der Tierschutz wurde ins Grundgesetz aufgenommen usw. Sogar die Mauer und ebendieser erwähnte "eiserne Vorhang" fiel.

Das sind alles Dinge, die ursprünglich und sehr lange Zeit als völlig undurchführbar und illosorisch galten - und es gibt und gab und sie passierten dennoch!


Zitat PeeBee:Aber davon wären hier EINIGE Beiträge/Forderungen betroffen...
Ich denke, ich sollte mich hier politisch gar nicht mehr äussern, da ich/man dann schnell in eine Ecke gestellt wird. Und das will ich nicht.


Nein, das in die Ecke stellen wollen wir - und ich hoffe, dass ich da für die allermeisten spreche - hier auch nicht.

Es könnte nämlich durchaus sein dass die jeweils andere Seite nicht oder nur teilweise Unrecht hat...

Das lässt sich aber für beide Seiten nur feststellen, wenn Gedanken, Befürchtungen, Wünsche, Freuden, Angst und Ärgernisse auch beiderseits ausgesprochen werden und man aushält, dass dies auch die anderen tun dürfen und wollen.

Also hau rein, und wenn Gegenwind kommt, nimm es als erfrischende Brise. Und wenn der Ton in der Hitze des Gefechtes auch mal etwas rauer wird, wir sind hier unter den Gutesten. Da will keiner irgendjemandem wirklich Böses. Davon bin ich fest überzeugt.

Ich freue mich jedenfalls auf eine konstruktive Auseinandersetzung - auch wenn es manchmal etwas weh tut.
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04.07.2020
Wurde heute von Sandy P.Peng via FB gepostet:
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/kastenstaende-kein-herz-fuer-schweine
Es geht nicht um Angriff/Hass (neudeutsch Bashing) sondern tiefer Enttäuschung und berechtigter Kritik, insbesonders an die Führung der Grünen und mindestens 9 Landesregierungen mit "Grüner" Beteiligung (ausser Sachsen-Anhalt und Berlin, welche dem Kompromiss nicht zugestimmt haben).

600.000 Unterschriften sprechen schon eine Sprache, wenn man nicht gewillt ist diese zu hören und das eigene Versagen oder Unwillen der Kraft/Sturheit des politischen Gegners (Klöckner) zuschreibt, sollte man sich fragen ob man das Prinzip verstanden hat und sich seiner Macht und Verantwortung im Bundesrat bewußt ist.
Für mich jedenfalls ist dies kein Kompromiss gegen Massentierhaltung und bei diesem Thema kann und mag ich nichts differenziert sehen.
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04.07.2020
Differenzierung ist das einzige, was der Situation gerecht wird.

Die Grünen haben eine Basis, die sich den Tierschutz als Ziel gesetzt hat, während einige Politiker aus eigenen (mutmaßlich machtstrategischen) Überlegungen davon unabhängig agieren.
Die Agrar-Industrie ist in Deutschland etwa so stark wie die Automobilindustrie, das darf man nicht vergessen.

Wie Vegbudsd das so schön sagte: Manche kehren einfach um und laufen in eine andere Richtung. Warum auch immer. Und dass bei den Grünen mitunter auch echte Knalltüten am Werk sind, weiß man ja nicht erst seit diesem süddeutschen OB.

Parteien haben Sympathie nie verdient, denn sie sind keine Individuen, sondern Gruppen von Menschen mit unterschiedlichen Haltungen. Sie verfolgen einfach nur einen Zweck und richten sich dabei ungefähr nach ihrem Parteiprogramm. Und das ist bei den Grünen vergleichsweise veganfreundlich.

Das Verhältnis aus Tierschutz-Ambitionen und echter Macht (beides allein funktioniert ja nicht) ist bei den Grünen besser (oder weniger schlecht) als bei anderen Parteien, die vielleicht ehrlicher und kompromissloser sind, aber halt auch einfach keine Macht haben.
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04.07.2020
Zitat Hinterfrager: ...ausser Sachsen-Anhalt und Berlin, welche dem Kompromiss nicht zugestimmt haben...


Das grün mit regierte Bremen hat sich enthalten, also dankenswerterweise ebenfalls nicht zugestimmt.


Zitat Hinterfrager:600.000 Unterschriften sprechen schon eine Sprache, wenn man nicht gewillt ist diese zu hören und das eigene Versagen oder Unwillen der Kraft/Sturheit des politischen Gegners (Klöckner) zuschreibt,


...ja, die Unterschriften sind viele - die Abstimmung mit dem Einkaufszettel Tag für Tag in den Supermärkten von Millionen Menschen sind aber dennoch eine ganz andere Hausnummer und für Politiker (auch für Grüne - siehe 2013 und Veggieday) leider überlebenswichtig. Die Tiere selbst dürfen ja leider in diesem Punkt nicht abstimmten... (aber auch solche Themen werden bei Grünen in den Gremien ernsthaft besprochen: Wie kann eine politische Vertretung in den Parlamenten für "tierliche Persönlichkeiten" und deren Interessen erfolgreich organisiert werden)


Was wäre, wenn der Kompromiss nicht durchgekommen wäre?

Richtig, das Grünenbashing vor allem in Medien wie der BILDungszeitung auf RTL, SAT1 und Prost7 wäre noch schlimmer geworden. Die Grünen hätten sich nämlich auf breiter Front den Vorwurf eingefangen, eine "große Möglichkeit" für mehr Tierwohl aus Prinzipienreiterei, Sturheit und Regierungsunfähigkeit liegen gelassen zu haben und damit den Tieren einen Bärendienst erwiesen zu haben. Darauf kann man sich verlassen und genau solche Überlegungen machen sich selbstverständlich auch die Führungen aller ernstzunehmenden Parteien. Seid sicher, auch die CDU/CSU Länder bekommen von den Bauernverbänden Stress ohne Ende für diesen für ihre wirtschaftliche Existenz, vor allem der kleineren Betriebe bedrohlichen Kompromiss.

Was ist strategisch wichtiger? Einen Kompromiss mit viel Bauchschmerzen abzusegnen, der den Übergang zu weitestgehender kastenstandsloser Tiergefangenhaltung letztlich einleiten soll, oder ausschließlich den Klageweg zu beschreiten (der läuft ja durch das Land Berlin auch auf Betreiben de Grünen weiter) und auf ein fernes und ungewisses Urteil und ewig lange Verfahrensdauer vor Gericht zu hoffen?

Bei aller Kritik an diesem Kompromist teile ich letztlich die strategische Entscheidung, die möglicherweise in einer auch und besonders für die Tiere sehr wichtig werden könnende Regierungsbeteiligung der Grünen im Bund münden kann. Diese Chance auch für die Tiere, aber auch für viele andere Lebensbereiche, würde ich diesen Grünen gerne geben, denn ohne sie würde es noch schlimmer - definitiv, das kennen wir aus der letzten Bundesregierungsbeteiligung zum Beispiel der FDP!

Und verlasst Euch darauf, wenn die dann nicht ordentlich auch im Interesse der Tiere liefern, wie z.B. in Hessen aus Ignoranz gegenüber Tieren, gibt es richtig Stress!
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04.07.2020
Ein Wunder - die Tierärzte melden sich auch mal zu Wort, fordern gar den sofortigen Ausstieg aus der Kastenhaltung:
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Sauenhaltung-Tieraerzte-kritisieren-Uebergangsfrist,sauenhaltung120.html
Vielleich können die mal etwas mit bewegen, wer sonst ?
1x bearbeitet

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