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Sollte man vegane Produkte von Wiesenhof kaufen?

Ein Arbeiter prügelt auf eine Ente ein.
Ein Arbeiter prügelt auf eine Ente ein. Bild: Animal Equality (youtube) (bearb.)

Der Konzern „Wiesenhof“, einer der größten Geflügel-Vermarkter in Deutschland, hat eine kleine Auswahl an veganen Produkte entwickelt. Diese wurden auf der „Internorga“ vorgestellt, einer Messe rund um die Gastronomie.
Rein pflanzliche Produkte statt Fleisch – das fordern Tierschützer schon lange.

Denn Wiesenhof stand schon mehrfach massiv in der Kritik wegen Tierquälerei in Zuliefer-Betrieben. Tierschützer hatten mit versteckter Kamera in verschiedenen Betrieben gefilmt und entsetzliche Zustände dokumentiert.
Ein Konzern, der wegen Tierquälerei wiederholt massiv in der Kritik stand, entwickelt nun als vegane Produkte.

Als ethisch motivierter Veganer stellt sich nun vielleicht die Frage: Sollte man ein Fleisch-Konzerne nicht konsequent boykottieren? Oder macht es mehr Sinn, die Entwicklung veganer Produkte zu fordern und diese dann auch anzunehmen?
Stellen Wiesenhof und vergleichbare Unternehmen womöglich nur deshalb vegane Produkte her, um sich einen veggie-freundlichen Anstrich zu verpassen und ihren Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen?

Contra: Lieber rein vegane Unternehmen unterstützen

Die veganen Produkte von Wiesenhof enthalten keine Tierprodukte, so viel ist klar. Doch über die Gründe für die Entwicklung veganer Produkte lässt sich nur spekulieren.
Tierliebe fällt vermutlich aus. Wenn man davon ausgeht, dass Tierliebe das Töten von Tieren ausschließt, haben Fleischkonzerne per se einen schlechten Stand. Wahrscheinlicher ist wohl, dass der Konzern sein Image etwas aufpolieren und nebenbei den Trend zu veganer Ernährung wirtschaftlich nutzen möchte.

Geld zu verdienen ist das Ziel jedes Unternehmens, daher unterscheidet sich Wiesenhof nicht von rein veganen Herstellern. Allein: Manch ein anderer Hersteller ist für ethisch motivierte Veganer wohl deutlich sympathischer, als Wiesenhof. Es ist also gut nachvollziehbar, wenn ein ethisch motivierter Veganer lieber rein vegane Kleinunternehmen unterstützt.

Pro: Vegan ist vegan.

Aber: Der vegane Markt ist nach wie vor ein Nischenmarkt. Auch wenn es viele gute, ethische Gründe gibt, auf Fleisch und andere Tierprodukte zu verzichten, richten sich große Unternehmen bei der Planung eines veganen Angebots aktuell wohl in erster Linie nach dem wirtschaftlichen Potential. Auch in diesem Punkt unterscheiden sich Fleisch-Vermarkter wie Wiesenhof kaum von kleinen Vegan-Unternehmen, die keineswegs alle aus Tierrechtlern bestehen.

Doch auch wenn vegane Produkte aus rein wirtschaftlichem Kalkül entwickelt werden – die Verfügbarkeit veganer Produkte macht den Umstieg zur veganen Lebensweise immer leichter. Je größer die vegane Zielgruppe ist, desto stärker ist auch ihre Verbrauchermacht. Daher spielt es kaum eine Rolle, warum ein Fleisch-Konzern auch vegane Produkte erzeugt – Hauptsache, es gibt sie. So gesehen spricht nichts dagegen, die veganen Produkte eines Fleischkonzerns zu kaufen. Vorausgesetzt, sie schmecken.

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AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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