Veganuary: Versicherung knickt nach Agrar-Shitstorm ein [Kommentar]

Gülle wird oft einfach auf Äckern und Feldern versprüht.
Agrar-Trolls starten Riesen-Shitstorm gegen Autoversicherer - und haben Erfolg! Bild: pixabay.com

Der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster (LVM) gehört zu den größten Autoversicherungen in Deutschland. Und wie viele andere deutsche Großunternehmen hat sich auch der LVM in diesem Jahr am Veganuary beteiligt.

Oder genauer: Er wollte daran teilnehmen.

Doch dann kamen industrielle Agrar-Verbände, haben ihre Mitglieder zusammengetrommelt und einen Riesen-Shitstorm gegen den LVM inszeniert.

Und sie waren erfolgreich damit!

Der LVM nahm Facebook-Posts offline und verschickte schließlich sogar ein Entschuldigungsschreiben, in dem er sich von veganer Ernährung distanzierte und sogar eine Studie der Harvard-Universität in Misskredit zog.


Wieder einmal dürfen Agrar-Trolls einen Erfolg feiern, für ihre Meinungs-Diktatur nach der Gülle-Methode.

Doch von Anfang an!

Der LVM hat zum Veganuary in seiner Kantine in Münster täglich ein veganes Gericht angeboten - zusätzlich zum "normalen" Angebot. Und das kam in der Belegschaft richtig gut an!

Klar, dass ein Unternehmen solche Erfolge gerne öffentlich macht!

Auf Facebook verkündete der LVM seine Teilnahme am Veganuary und zitierte dabei Daten einer Studie der Universität Harvard, die zeigen, dass vegane Ernährung richtig nachhaltig ist!

Dass eine so harmlose, sympathische Aktion einen so großen Agrar-Shitstorm auslöst, lässt sich mit sachlicher Kritik nur schwer erklären.

Fast ebenso schwer nachvollziehbar ist das heftige Einknicken des LVM. Der nahm nicht nur Posts offline, sondern entschuldigte sich sogar auch noch wortreich.

Doch um Argumente geht es den Agrarverbänden und ihren Online-Trolls gar nicht!


Die Agrar-Shitstorms verfolgen das Ziel, die öffentliche Meinung zu dominieren. Sie schüchtern Unternehmen, Redaktionen und prominente Menschen ein, die sich sachlich oder gar positiv zu veganer Ernährung äußern. Ihr offensichtliches Ziel: Fakten unterdrücken.

Die Agrar-Shitstorms werden zentral organisiert. Von Landwirtschaftsverbänden und Agrar-Communities, die ihre Mitglieder dazu aufstacheln, Wut, Hass und Drohungen zu verbreiten.

In diesem Fall wurde der LVM mit der Kündigung von Verträgen bedroht. Dem Unternehmen zufolge soll tatsächlich eine "niedrige zweistellige Zahl" an Verträgen gekündigt worden sein.

Auf Facebook posteten User Kommentare wie diese (Fehler nicht korrigiert):

Als Versicherung mit landwirtschaftlichen Wurzeln mit widerwärtiger Verlogenheit gegen Tierhalter und deren Produkte hetzen.. was seid Ihr nur für eine niederträchtige Firma?
SChön den Frontalangriff auf die Landwirte .... Wow, Eure Marketingabteilung scheint ja wirklich komplett besoffen zu sein.
Jeder Hund kann lernen, nicht die Hand zu beißen, die ihn füttert.

Ein freiwilliges, veganes Angebot wird als "Frontalangriff auf die Landwirtschaft", als "widerwärtige Verlogenheit gegen Tierhalter" und als "Niedertracht" umdefiniert.

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Man hätte es auf Seiten des LVM dabei belassen können. Hätte allzu wüste Kommentar blocken und den Rest mit sachlichen Argumenten beantworten können.

Umso erschütternder, dass der LVM auf den Agrar-Shitstorm reagiert hat. Und in welcher Art!

Immer wieder knickt ein betroffenes Unternehmen ein - und liefert den vernetzten Agrar-Trolls somit die beste Bestätigung, dass ihr unanständiges Verhalten tatsächlich erfolgreich sein kann.

Vielleicht sind die Unternehmen von der Wucht der Anfeindungen entsetzt. Vielleicht vergessen sie in dem Moment, in dem der inszenierte Hass über sie hereinbricht, dass ein Großteil der Gesellschaft sich durchaus für vegane Ernährung interessiert.

Was sind schon ein paar hundert Agrar-Trolls gegen einen Veganuary, an dem bis zu 1 Mio. Menschen teilnehmen?

Dass der LVM seine Veganuary-Posts offline genommen hat und sich in einem Brief sogar entschuldigt hat, verschlimmbessert die Situation jetzt allenfalls noch...


Man habe irrtümlich den Eindruck erweckt, rein vegane Ernährung zu unterstützen, heißt es dort. Und: Es seien "diskussionswürdige Zahlen" zitiert worden.

Die "diskussionswürdigen Zahlen" im Facebook-Post stammten von der Harvard Universität, einer der prestigeträchtigsten Bildungseinrichtungen der Welt.

Ein Sprecher des LVM teilte unserer Redaktion auf Anfrage mit:

Die Kritik an dem Beitrag halten wir für berechtigt. Er konnte so verstanden werden, als würde die LVM eine rein vegane Ernährung empfehlen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die LVM Versicherung steht für Offenheit und nicht dafür, Menschen einen bestimmten Lebensstil zu empfehlen.

Fazit:

Diese Agrar-Shitstorms machen wütend. Der Agrar-Mob ist offenbar weiterhin erfolgreich. Nur wenige Unternehmen widersetzen sich diesen koordinierten Angriffen auf die freie Meinungsbildung und bleiben guten Argumenten treu. Viele knicken ein.

  • Weil Edeka ein veganes Eis mit dem Spruch "No dairy, no cry" beworben hatte, starteten Agrarverbände einen Shitstorm. Edeka entschuldigte sich zwar, beließ es aber dabei. Mehr dazu.
  • Weil in einem (preisgekrönten) Tourismus-Werbespot aus Tirol eine traditionelle Figur Hafermilch bestellte, starteten Milchbauern einen Shitstorm - und waren damit erfolgreich. Der Spot wurde gestoppt. Mehr dazu.
  • Der Radiosender Bayern 3 hatte auf Facebook Vorteile einer veganen Lebensweise vorgestellt. Er erntete einen Agrar-Shitstorm - und hat den Post offline genommen. Mehr dazu.
  • Weil Katjes für seine vegane Schokolade mit Zeichentrick-Rindern geworben hat, die aus der Massentierhaltung ausbrechen, erntete das Unternehmen einen Agrar-Shitstorm. Allerdings blieb Katjes standhaft - und es folgte ein wahrer Lovestorm der Fans. Mehr dazu.

Am veganen Angebot in der Kantine soll sich zunächst nichts ändern. Wenigstens das.

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Kilian Dreißig
KILIAN DREIßIG
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Letzter Beitrag: 15.01.2023, 10:38 Uhr



Schlagworte: Shitstorm Landwirtschaft Protest
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