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"Arme Bauern"? Düngeverordnung trifft die Umweltsünder!

Gülle, so weit das Auge reicht...
Gülle, so weit das Auge reicht... Bild: K/Vegpool

Die Düngeverordnung wurde vom deutschen Bundesrat abgesegnet - wenn auch mit Aufschub. Sie soll den Schutz des Grundwassers in Deutschland verbessern, das in vielen Bereichen extrem mit Nitrat belastet ist und tritt im Januar 2020 in Kraft. Ein Kommentar von Kilian Dreißig.

Industrielle Agrar-Verbände laufen nun (wieder) Sturm, und drohen gar mit Versorgungs-Engpässen. Die neue Düngeverordnung wäre das Ende der Landwirtschaft in Deutschland, so der Tenor.

Bloß: Es sind in der Regel industrielle Betriebe mit Massentierhaltung, die von den neuen Regelungen betroffen sind. Betriebe, die ein Verbraucher wohl kaum als "Bauernhof" bezeichnen würde.

Betroffen sind vor allem riesige Massentierhaltungen, die Futtermittel aus aller Welt verfüttern. Die Tiere auf engstem Raum einsperren und die Tierprodukte dann ebenfalls ins Ausland exportieren.

Wie riesige Gülle-Magneten. Denn was bleibt, ist das Geld - und die Scheiße.

Den Betreibern solcher Agrar-Fabriken ist es offensichtlich egal, wenn in Brasilien die Regenwälder brennen. Wenn die Ökosysteme zerstört werden. Wenn das Grundwasser durch die Entsorgung der Gülle über viele Jahre mit Nitrat vergiftet wird.

Wenn Bauernverbände die Düngeverordnung stoppen wollen, dann bedeutet das nichts anderes als das: Die Steuerzahlen sollen für die Folgen aufkommen.

Nitrat ist in kleinen Mengen okay, in hohen Mengen macht es krank. Zu viel Nitrat kann bei Kindern z. B. zu Blausucht führen. Und: Nitrat wird im menschlichen Körper teilweise zu krebserregendem Nitrit umgewandelt.

Die gesetzlichen Grenzwerte haben also durchaus Sinn. Doch sie werden in Deutschland seit Jahren überschritten. Weil die Tierhalter ihre Gülle auf den Äckern entsorgen.

Nicht nur die Anwohner sind daher auf die Barrikaden gegangen, sondern auch die Wasserversorger. Das Umweltbundesamt warnte davor, dass Trinkwasser in vielen Regionen deutlich teurer werden könnte. [1]

Diese Kosten sind nicht von den Verursachern - den Landwirten - zu tragen, sondern von den Steuerzahlern. Zusätzlich zu den landwirtschaftlichen Subventionen, mit denen ja auch vegane Steuerzahler die Massentierhaltung kofinanzieren.

Durch beste Verbindungen der Landwirte in die Politik (manch ein Bundestagsabgeordneter betreibt selbst skandalöse Massentierhaltungen [2]) ist es den Agrar-Verbänden gelungen, die Einführung strengerer Regeln zur Gülle-Entsorgung viele Jahre lang zu blockieren und aufzuschieben. Andere Länder in Europa waren schon viel weiter.

Deutsche Landwirte haben sogar Gülle importiert und mit der Verklappung auf den Äckern Geld verdient [3]. Weil es die deutsche Agrar-Politik, maßgeblich beeinflusst von CDU und CSU, ihnen so leicht gemacht hat.

Seit jeher zeichnen Agrar-Verbände ein Bild von idyllischer Landwirtschaft. Von bäuerlichen Kleinfamilien, die mit harter Handarbeit nur das Beste für die Verbraucher leisten - aber nichts als Undank ernten.

Es ist die gängige Marketing-Masche, die Industrie-Landwirte nutzen, um ihre extrem gut subventionierte, seelenlose Groß-Landwirtschaft zu fördern.

Denn die nachhaltig bewirtschafteten, bäuerlichen Betriebe sind von der neuen Düngeverordnung kaum oder gar nicht betroffen. Viele von ihnen gehören Bio-Verbänden an, die von den großen Agrar-Verbänden ignoriert oder sogar bekämpft werden.

Natürlich sollten die Landwirte mit dem Gülle-Problem nicht allein gelassen werden. Auch Verbraucher, die Tierprodukte aus Massentierhaltung kaufen, tragen schließlich aktiv dazu bei.

Und doch tun die Agrar-Verbände alles, um Verbraucher über die wahre Situation zu täuschen. Deshalb werden Undercover-Journalisten verklagt, Tierhaltungen mit Stacheldraht und Kameras gesichert und Würste mit Comic-Bildern von Fachwerkhäusern beworben.

Um etwas zu verändern, muss der Staat zur Ernährungsbildung beitragen - und eine ökologisch nachhaltige, pflanzenbetonte Landwirtschaft stärker fördern.

Denn mit der Düngeverordnung ist das Problem der Gülle in der Tierhaltung längst nicht gelöst.

Doch landwirtschaftliche Betriebe, die nachhaltig mit ökologischen Ressourcen umgehen, bräuchten gesetzliche Regeln zum Grundwasserschutz nicht zu fürchten.

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AUTOR: KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gründe genug, mich als Journalist damit zu beschäftigen.

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