Veterinäramt kontrolliert Hof Butenland - schon das zweite Mal!

"Langsam können wir dem Veterinäramt das Du anbieten", schreiben die Betreiber von "Hof Butenland" am 2. Juli auf ihrer Facebook-Seite, "denn heute standen schon wieder zwei Amtsveterinäre im Auftrag des Ministeriums für eine unangemeldete Kontrolle vor dem Tor." Zum zweiten Mal in diesem Jahr.
Hof Butenland ist ein Lebenshof für ehemalige "Nutztiere" auf der Nordsee-Halbinsel Butjadingen. Hier leben Rinder, Schweine, Hühner und viele weitere Tierarten.
Sie wurden gerettet und dürfen hier ihren Lebensabend in Ruhe verbringen. Ausbeutung durch Menschen müssen sie nicht mehr befürchten. Hof Butenland macht sich für eine vegane Lebensweise ohne Tierprodukte stark.
Der spendenfinanzierte Hof ist ein Symbol gegen die Ausnutzung von Tieren. Ein echtes, gemeinnütziges Tierschutz-Projekt.
Vielen Bauern ist das ein Dorn im Auge. Denn Hof Butenland lässt Tiere einfach Tier sein. Echte Tier-Persönlichkeiten leben hier, wie die zahlreichen Posts auf der Facebook-Seite vermitteln.
Erst Anfang diesen Jahres erschien eine preisegekrönte Dokumentation über Hof Butenland. Auch wir haben öfter über Hof Butenland berichtet, zum Beispiel hier und hier.
Warum also bekommt ein so vorbildliches Projekt so häufig Besuch vom Veterinäramt? Von der Behörde, die dafür zuständig ist, Tierschutz-Verstöße zu unterbinden? Und das in Zeiten von COVID-19, das auch in niedersächsischen Schlachthöfen grassiert?
2019 gab es nach Angaben der Tierschützer zwei Kontrollen durch das Veterinäramt. 2020 ebenfalls - und könnten es noch mehr werden, denn das Jahr ist ja gerade einmal zur Hälfte um.

Kontrollen durch das Veterinäramt sind in der kommerziellen Tierhaltung grundsätzlich notwendig, damit Tierschutzgesetze eingehalten werden. Sie finden in Deutschland nach Ansicht von Tierschützern aber viel zu selten statt!
Nach Angaben der Butenländer bekommt ein Tierhalter in Niedersachsen statistisch alle 21 Jahre Besuch vom Veterinäramt!
Das faktische Ausbleiben von Kontrollen durch das Veterinäramt dürfte einer der wichtigsten Ursachen für tierschutzwidrige Haltungsformen bei kommerziellen Tierhaltern sein. Und im Januar 2020 meldete der NDR, dass es in Niedersachsen immer mehr Hinweise auf Tierschutz-Verstöße gebe [1].
Doch offenbar hat die Behörde, die dem Landwirtschaftsministerium unter Ministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) unterstellt ist, andere Prioritäten. Und man fragt sich zwangsläufig: Warum?
Mit Statistik lassen sich die häufigen Besuche jedenfalls nicht erklären.
Schon allein deshalb nicht, weil der Hof Butenland vor der Umstellung zum Tierschutz-Projekt ein kommerzieller Milchbetrieb war - und in 20 Jahren nicht einmal kontrolliert wurde.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig