Ist Wolle eigentlich vegan - oder sterben dafür Tiere?

Wolle gilt als Naturmaterial und wird häufig zu Pullovern, Schals und Mützen verarbeitet. Unter dem Begriff "Wolle" werden auch Haare anderer Tiere zusammen gefasst. In diesem Artikel ist jedoch die Rede von Schafwolle.
Doch ist Wolle überhaupt vegan? "Dürfen" Veganer eigentlich Wolle tragen? Oder werden dafür Tiere gequält oder getötet? Dieser Artikel liefert Antworten!
- Schafe in der kommerziellen Haltung werden normalerweise geschlachtet.
- In Deutschland lohnt es sich kaum, Schafe für Wolle zu halten. Importierte Wolle ist viel billiger. Deutsche Wolle ist in vielen Fällen ein Abfallprodukt, das entsorgt wird.
- In der Regel stammen Produkte aus Wolle aus tierquälerischer Haltung. Auch das besonders qualvolle Mulesing ist in der Industrie verbreitet.
- Wolle ist ein Tierprodukt und definitionsgemäß nicht vegan.
Wolle: Müssen Schafe geschoren werden?
Viele Verbraucher glauben, dass Schafe grundsätzlich geschoren werden müssten. Tatsächlich wurden Schafe durch Züchtung "optimiert", um die Ausbeute der Wolle zu steigern.
In Deutschland lohnt sich die Verarbeitung von Wolle nur selten. Trotzdem werden auch hier Schafrassen gehalten, die viel Wolle bilden. Sie werden im Frühjahr geschoren, damit die Tiere nicht überhitzen.
Schafe in freier Wildbahn pflegen und entfernen zwar Teile ihrer Wolle (etwa durch Reiben an Ästen), sind dabei aber nicht auf die Schur durch Menschen angewiesen.
Obwohl einige Schafrassen in Deutschland (z. B. das Merinolandschaf) viel Wolle tragen, findet diese kaum verwendet. Importierte Schafwolle ist viel günstiger, daher lohnt sich die Verarbeitung der Wolle in der Region normalerweise nicht.
Die Wolle der geschorenen Tiere wird manchmal als Dämmmaterial verwendet, oder schlicht als Restmüll entsorgt (Kompostieranlagen würden verstopfen).
Ob man als Veganer Restwolle nutzen möchte, etwa um ein Wochenendhäuschen zu dämmen oder Socken daraus zu stricken, bleibt jedem selbst überlassen. "Vegan" ist sie als Tierprodukt zwar nicht, allerdings wird durch die Nutzung normalerweise keine kommerzielle Nachfrage erzeugt. Manche bezeichnen solche Wolle als "freegan".
Die Nutzung der Schafe selbst erfolgt in Deutschland in der Regel als Fleischlieferant und zu Naturschutzzwecken. Viele Schäfereien finanzieren sich über staatliche Subventionen für Landschaftspflege (etwa für die Haltung der Tiere auf Deichen oder Naturschutzflächen) und den Verkauf von Fleisch (vor allem vor Weihnachten und Ostern, sowie zum islamischen Opferfest).
Wolle: Die Schur
Bei der Schur ist für die Schafe oft mit Schmerzen verbunden. Schafe werden an den Beinen gepackt und grob zwischen die Beine geklemmt. Mit Elektro-Rasiergeräten wird ihnen dann in Windeseile die Wolle abrasiert.
In Deutschland wird heute die meiste Wolle importiert. Weltmarktführer ist dabei Australien. Dort ist ein blutiges Verfahren verbreitet, das als "Mulesing" bezeichnet wird.

Auch wenn auf einem Merino-Wollpullover als Herkunft Italien steht, kommt die Wolle dennoch regelmäßig aus Australien, China oder Neuseeland. Die genaue Herkunft der Wolle muss nicht angegeben werden, wenn das Produkt woanders verarbeitet wurde.
Mulesing bei Schafen
In Australien leben Millionen Schafe, die aufgrund der Züchtung eine besonders faltige Haut haben, auf der umso mehr Wolle wächst.
In den Hautfalten am After kann sich Kot festsetzen, der von Fliegen zur Ablage ihrer Brut genutzt wird. Manche der Parasiten nisten sich in der Haut der Tiere ein, sodass sich diese entzünden und absterben kann ("Myiasis").
Viele Schafzüchter greifen daher zu einer brachialen Methode – und schneiden den Tieren die Hautfalten mit einem Messer weg – ohne Betäubung. (Quelle: PETA). In manchen Ländern ist das Verfahren zwar verboten, wird aber mangels Kontrollen dennoch praktiziert. Bei vielen hunderttausend Tieren wäre eine flächendeckende Kontrolle von vornherein aussichtslos.
Wollschafe – Fleischschafe
Auch Schafe, die zur Gewinnung von Schafwolle gehalten werden, landen beim Schlachter. Davor stehen lange Tiertransporte an, oft durch die halbe Welt. Viele Tiere enden in Ländern, in denen das Schächten verbreitet ist – also das Töten ohne Betäubung.

Die Tiere sterben, weil ihnen die Kehle ohne Betäubung durchgeschnitten wird. Sie sterben durch den Schock und Blutverlust.
Die schockierenden Zustände sind aber nicht auf Länder des Nahen Ostens begrenzt. Recherchen in Deutschland zeigen, dass es auch hier regelmäßig zu Fehlbetäubungen kommt. Obwohl in Deutschland eine Betäubung vorgeschrieben ist, wird sie nicht ausreichend kontrolliert.
Wolle ist nicht vegan
Definitionsgemäß ist Wolle ein Tierprodukt und daher nicht vegan. Ob man bereit ist, Restwolle vor der Vernichtung zu "retten" und z. B. als Dämmmaterial zu nutzen, obliegt jedem selbst. Manche sind überzeugt, dass der Gebrauch von nicht-kommerziellen Nebenprodukten keine Tierquälerei finanziert und daher tierfreundlich ist.
Eine vegane Lebensweise ist kein Verbot, sondern eine freiwillige Entscheidung aus guten Gründen.
Der Artikel wurde am 12.3.2025 überarbeitet und ergänzt.
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