Gründe, warum auch "Weidemilch" leider nicht klimaneutral ist.

"Weidemilch" ist klimaneutral - das zumindest behaupten manche Mitmenschen und auch Agrar-Funktionäre immer wieder. Oft wird diese Aussage verwendet, um zu zeigen, dass Kuhmilch - zumindest theoretisch - gar nicht so klimaschädlich sein muss.
Doch stimmt das überhaupt? Ist "Weidemilch" tatsächlich klimaneutral?
Nein, "Weidemilch" ist leider nicht klimaneutral. Warum nicht, das erklärt dieser Artikel.
Der Begriff "Klimaneutralität" besagt, dass ein Produkt im Laufe seiner Erzeugung keine Treibhausgase freisetzt. Klimaneutrale Produkte tragen demnach nicht zur Klimakrise bei.
Viele Verbraucher gehen davon aus, dass Rinder, die den ganzen Tag bloß Gras und Heu fressen, nicht zur Klimakrise beitragen würden. Und diese Annahme wird durch die Werbung noch verstärkt. Doch leider trügt der Eindruck.
Die Mär von der klimaneutralen Kuhmilch
Es beginnt bereits bei der Definition. Der Begriff "Weidemilch" ist nämlich nicht rechtlich geschützt. Und so darf Milch selbst dann als "Weidemilch" vermarktet werden, wenn die Tiere 8 von 12 Monaten im Stall stehen und auch Kraftfutter erhalten. Siehe dieser ausführliche Artikel zu "Weidemilch".
Was auch uns schockiert hat: Für einen Liter normale Kuhmilch werden im Laufe der Erzeugung mehr Klimagase freigesetzt als bei der Verbrennung von einem Liter Benzin! (Der Link führt zu unserem Faktencheck).

Doch selbst wenn "Milchkühe" rein theoretisch nur mit Gras und Heu gefüttert würden (was ja in der Praxis so gut wie nicht vorkommt), wäre die "echte" Weidemilch zwar weniger klimaschädlich als herkömmliche Milch, aber immer noch weit entfernt von der "Klimaneutralität".
Methangas aus den Mägen der Rinder
Denn Rinder sind Wiederkäuer, in deren Mägen Methan entsteht, das durch Rülpsen und Pupsen in die Atmosphäre gelangt. Methan ist eines der wichtigsten "Klimagase" - und etwa 25x so klimawirksam wie CO 2.
Selbst wenn ein Rind also - rein theoretisch - ausschließlich grasen würde, wäre auch "echte Weidemilch" allein wegen des Methangases in der Tierhaltung weiterhin klimaschädlich.
Ganz abgesehen davon habe ich auf meiner Recherche nicht einen wirtschaftlich orientierten Milchbetrieb gefunden, der die Kühe ausschließlich mit Gras oder Heu füttert.
Mir scheint, als gäbe es diese vorbildliche "Weidehaltung" nur in theoretischen Disputen zur Verteidigung von Kuhmilch. Von Hobby- und Forschungs-Projekten mal abgesehen.
Und da das Klima nur durch Tatsachen gerettet werden kann (und nicht durch argumentative Nebelleuchten) ist es umso wichtiger, sich als Verbraucher klarzumachen, wie die konsumierten Produkte tatsächlich hergestellt wurden.
Was wäre also die bessere Alternative zur echten "Weidemilch"?

Klimafreundliche Alternativen zu Kuhmilch
Die gute Nachricht ist: Menschen brauchen keine Kuhmilch. Kuhmilch ist Muttermilch für Kälbchen. Und auch die brauchen die Milch nur im Babyalter, weil sie danach auch feste Nahrung vertragen.
Nach dem Säuglingsalter (in dem Muttermilch das Beste für Babys ist) sind Menschen "abgestillt" und brauchen danach nicht weiter Milch. Am wenigsten die Milch einer anderen Tierart.
Und da die meisten von uns mit Milch aufgewachsen sind und wir uns gerne mal einen Cappuccino oder Shake gönnen, gibt es mittlerweile eine riesige Auswahl an pflanzlichen Milchalternativen. Damit können wir Kuhmilch einfach ersetzen.
Und: Die meisten Pflanzendrinks sind deutlich klimaschonender als Kuhmilch. Hafermilch verursacht zum Beispiel nur etwa ein Drittel der Klimagase von Kuhmilch. Siehe auch: Welche Milch ist besonders klimafreundlich?
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig