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Meine vegane Lebenseinstellung und die Ignoranz der Familie

Erstellt 19.08.2016, von Rudolfo. Kategorie: Gesund vegan leben. 24 Antworten.

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Rudolfo
Meine vegane Lebenseinstellung und die Ignoranz der Familie
19.08.2016
Als ich und meine Partnerin vor drei Jahren unsere Familien über unseren Entschluss informierten, uns nur noch vegetarisch zu ernähren ernteten wir großes Unverständnis bzw. Gleichgültigkeit. Unser Wechsel zur veganen Lebensführung vor zwei Jahren mündete in blankes Entsetzen bzw. eine gleichbleibende Gleichgültigkeit/Ignoranz.

Auch heute erlebe ich meine Eltern, für die eine Mahlzeit ohne Fleisch oder Wurst kaum vorstellbar, einen Sohn, der mittags bei uns eine große vegane Portion isst und danach bei McDonalds noch Burger futtert - weil er es braucht -, einen zweiten Sohn, der Bio-Kost für zu teuer hält und fast täglich seinen großen Weber-Grill befeuert.

Wie geht Ihr mit der Ablehnung der näheren Familie um? Schafft Ihr es, Eure Fahne des friedvollen Umgangs mit allen Kreaturen hoch zu halten oder gerät Ihr wie ich manchmal in eine depressive Stimmung?



Benutzerbild von Kijolah
vegan273 PostsweiblichOttweilerLevel 2
19.08.2016
Hallo Rudolfo.

Das ist genau mein Thema. Ich könnte da auch manchmal ernsthaft verzweifeln. Mein Dad kann sich schon eher auch mal was vegetarisches vorstellen. Für meine Mom hingegen ist Fleisch DAS Grundnahrungsmittel :/

Es ist ja nun nicht so, als wüssten sie nicht, was sie da auf ihren Tellern haben und mit welchem Leid das alles verbunden ist. Dennoch wird fleißig ignoriert.
Und "für Milch und Eier müssen die doch nicht sterben bzw leiden" :wtf:

Ich finde das immer wieder so enttäuschend und auch frustrierend und unbegreiflich. Die eigene Familie. Menschen, die man ja eigentlich sehr sehr lieb hat und die ja auch sonst keine schlechten/ bösen Menschen sind...

Diese ganze Thematik gibt mir tagtäglich zu denken, glaube mir!
Mal ganz abgesehen von den Vorwürfen, die man sich selbst macht. Das Unverständnis mir selbst gegenüber. Wie konnte ICH das denn so lange verdrängen. Warum habe ich nicht schon viel früher die Augen aufgemacht und was an meiner Lebensweise geändert?

Du merkst schon...ein sehr heikles und komplexes Thema :rolleyes: :crazy:

1x bearbeitet

Benutzerbild von robert
omnivor77 Postsmännlich73431 AalenLevel 2
19.08.2016
Vegan zu essen und unter Umständen noch auf den Einkauf von tierischen Erzeugnissen wie z.B. Lederschuhe zu verzichten ist ein Weg einen Beitrag Richtung friedfertigerer Welt zu leisten.

Aber es ist nur ein Beitrag.

Wie viele Tiere von der Species homo sapiens beuten wir alle aus um unsere Smartphones billig produzieren zu lassen?

Wie viel Leid fügen wir alle anderen Spezies zu für die Produktion unserer Tofu-Gerichte? Wie viele Bienen sterben durch die Pflanzenvernichtungsmittel bei der Produktion unserer Nahrung?

Wie viele Tiere töten wir unbemerkt bei der Fahrt zur Arbeit (egal ob Zug oder Auto)?

Finanzieren wir nicht alle die Massentierhaltung durch die von unseren Steuern bezahlte Subventionen etc.?

Finanzieren wir nicht alle durch unsere Krankenkassenbeiträge Abtreibungen?

Finanzieren wir durch unseren Konsum und unsere Steuern nicht auch die Ausbeutung Unterlegener Völker?

Wir leisten nur einen Beitrag. Andere leisten einen anderen Beitrag und manche sind eben noch gar nicht soweit. Wie war es mit uns bevor wir diesen Weg eingeschlagen haben?

PS. Ich habe mir hier einmal ein "wir" erlaubt, obgleich ich nicht vollständig vegan lebe.

Ich denke es wäre gut, zu lernen sich weiter zu entwickeln und Fortschritte zu machen und an dem, was man als gut erkannt hat festzuhalten ohne das selbe von anderen zu fordern.

Denn es gibt noch so viele Bereiche wo auch wir noch weit entfernt sind gut zu sein.

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Rudolfo
20.08.2016
Zitat robert:
Wie viel Leid fügen wir alle anderen Spezies zu für die Produktion unserer Tofu-Gerichte? Wie viele Bienen sterben durch die Pflanzenvernichtungsmittel bei der Produktion unserer Nahrung?

Wie viele Tiere töten wir unbemerkt bei der Fahrt zur Arbeit (egal ob Zug oder Auto)?


Mein Anspruch an mich endet mit dem Erreichen des Möglichen. Ich kann einiges beeinflussen, so sterben durch mein Konsumverhalten keine Bienen, da ich - falls vorhanden - Bioware einkaufe, setze ich ein klares Zeichen gegen Massentierhaltung und der Lederindustrie, da ich nicht nur vegan konsumiere sondern auch lebe (z.B. auf den Kauf von Lederprodukten verzichte) und und und.

Es liegt nicht in meiner Macht, daß ich überhaupt keine Tiere töte (Beispiel Autofahrt) - das ist ein ganz essentieller Punkt und ich habe meinen Frieden damit gemacht.

Zitat robert:
Andere leisten einen anderen Beitrag


Hast Du dafür ein Beispiel?

Zitat robert:
Ich denke es wäre gut, zu lernen sich weiter zu entwickeln und Fortschritte zu machen und an dem, was man als gut erkannt hat festzuhalten ohne das selbe von anderen zu fordern.


Ich fordere von anderen, hinzuschauen in die Ställe, in die Schlachthöfe - klar, ich mache mich nicht gerade beliebt, doch ist dies mein kleiner Beitrag für das Tierrecht. https://vebu.de/tiere-umwelt/tierrechte/

Zitat robert:
Denn es gibt noch so viele Bereiche wo auch wir noch weit entfernt sind gut zu sein..

Richtig, das ist ein lebenslange Aufgabe wach zu sein und zu erkennen, wo ich noch Defizite habe und wie ich diesen behebe.

Mein Lebensmotto ist ein indianisches Sprichwort: Wenn jemand ein Problem erkannt hat und nichts zur Lösung beiträgt ist er selbst ein Teil des Problems.

Benutzerbild von Kijolah
vegan273 PostsweiblichOttweilerLevel 2
20.08.2016
Sehr gut, Rudolfo :thumbup:
...bei mir endet der Veganismus auch nicht bei der Ernährung.


Und genau das ist doch der Punkt. Wir tun, was uns möglich ist. Wir TUN. Omnivoren KÖNNTEN das auch, wollen aber nicht.

Ich war einer der größten Käsefans südlich des Nordpols. Wenn ICH das schaffe, vegan zu leben, dann kann ich das auch anderen zutrauen ;)

VlG :wink:

1x bearbeitet

Benutzerbild von robert
omnivor77 Postsmännlich73431 AalenLevel 2
20.08.2016
Hast Du dafür ein Beispiel?


Klar.

Z.B. die Umweltaktivisten von Greenpeace und anderen Umweltverbänden.
Die Freiwilligen Helfer und die Spender des roten Kreuzes.
Jeder der zumindest einen Teil seines Einkaufes vermehrt regional und ökologisch gestaltet.
Die Helfer und Spender der Kinderhilfswerke.


Ich fordere von anderen, hinzuschauen in die Ställe, in die Schlachthöfe -


Ja, das wäre gut, wenn da mal jeder hinschauen würde. Und nicht nur bei Schlachthöfen. Völkermord, Kinderausbeutung, auch die Ausbeutung Erwachsener, Ungleichverteilung von Gewinn und Besitzt etc.

Aber haben bezüglich. Tierkonsum nicht auch nahezu alle hier dafür ihren eigenen Zeitpunkt gehabt? So wie du Frieden damit geschlossen hast, dass eben auch du in deiner Lebenspraxis nicht zu 100% ohne Tod zu hinterlassen leben kannst, und ganz richtig deinen Anspruch an dich dort beendet siehst, wo deine Möglichkeiten zu Ende sind, kann man genauso gelassen damit Frieden finden, dass man den anderen Vorbild ist und Anregungen gibt und Ihnen überlassen wie und wann sie daraus für sich reagieren.

Benutzerbild von Kijolah
vegan273 PostsweiblichOttweilerLevel 2
20.08.2016
[/quote]und Ihnen überlassen wie und wann sie daraus für sich reagieren.[/quote]

Ich finde das ist keine Entscheidung, die man für sich selbst trifft oder treffen sollte.

Natürlich hast Du Recht, dass wir alle nicht perfekt sind und uns stetig weiter entwickeln sollten oder können.



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Rudolfo
20.08.2016
Zitat robert:


Aber haben bezüglich. Tierkonsum nicht auch nahezu alle hier dafür ihren eigenen Zeitpunkt gehabt? .


Ja, mein Umkehrpunkt war unmittelbar nachdem ich ein Schlachthaus-Video auf Youtube gesehen habe. Ich verzweifle an den Menschen, die trotz der selben Erfahrung weiterhin Tierunrecht praktizieren können.

Es ist für mich OK, wenn wir auf dem Weg zur friedvollen Existenz Rückfälle haben - kenn ich ja auch. Der Weg sollte (muß aus meiner Sicht) jedoch in die richtige Richtung gehen.

Danke für die Beispiele - Du hast Recht, andere leisten andere Beiträge, die auch wichtig sind. Ich bin zufällig bei all Deinen vier Punkten


- die Umweltaktivisten von Greenpeace und anderen Umweltverbänden
- die Freiwilligen Helfer und die Spender des roten Kreuzes.
- jeder der zumindest einen Teil seines Einkaufes vermehrt regional und ökologisch gestaltet.
- die Helfer und Spender der Kinderhilfswerke

und noch bei anderen Projekten (z.B. Peta, Ärzte ohne Grenzen) dabei gewesen bzw. gerade aktiv, da mein Augenmerk nicht nur der veganen Sache gilt. Allerdings gebe ich manchmal dem einen oder dem anderen Projekt den Vorzug und lasse dafür andere ruhen.

Und nun eine Frage an die Gemeinschaft hier: Unterstützt Ihr auch die humanitären Projekte oder widmet Ihr Euch lediglich der veganen Sache?


5x bearbeitet

Benutzerbild von Kijolah
vegan273 PostsweiblichOttweilerLevel 2
20.08.2016
Ja, mein Umkehrpunkt war unmittelbar nachdem ich ein Schlachthaus-Video auf Youtube gesehen habe. Ich verzweifle an den Menschen, die trotz der selben Erfahrung weiterhin Tierunrecht praktizieren können.


Dito.

Kein Benutzerbild
vegan4 PostsLevel 1
20.08.2016
Hallo in die Runde!

In meinem Umfeld sind es nicht nur Ignoranz und Unverständnis, die einem teilweise entgegengebracht werden. Ich hatte zusätzlich nämlich auch schon öfters Situationen, in denen der Gegenüber das ganze ins Lächerliche gezogen hat und sich darüber lustig gemacht hat.


Ich gehe damit ganz einfach um: Ich erwarte nicht, dass sich mein Gegenüber ändert und erkläre ihm einfach nur, wieso es für mich eine gute Lebensweise ist. Am besten funktioniert das bei mir, wenn so ungefähr jedes zweite Wort ein Fachwort aus der Biologie ist und es sich insgesamt total komplex anhört (bei mir sind es nämlich vor allem gesundheitliche Gründe). Natürlich bewirkt man damit dann nicht, dass der andere es versteht, aber man kann ja relativ schnell einschätzen, wie der Andere so drauf ist. Macht er sich lustig über mich, kontere ich eben fachsprachlich. Ist er interessiert, dann erkläre ich natürlich alles "normal".
Am schönsten ist es dann, wenn der Gesprächspartner nach dem eigenen Fachvortrag nur noch sagt "Ja, mir egal, ich esse was ich will". Aus einer solchen Konversation gehe ich dann immer schmunzelt heraus, mit dem Wissen, auch alles zu essen, was ich will und dabei noch viel gesünder und ethisch korrekter zu leben als dieser jenige welche :clap:


Ganz liebe Grüße und nur Mut, da locker und selbstsicher mit umzugehen wünscht,
Henni

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