Umfeld Reaktion

Erstellt 13.01.2017, von Lativ. Kategorie: Allgemein vegan. 13 Antworten.

Umfeld Reaktion
13.01.2017
Hallo zusammen,
ich hab hier in den letzten Tagen schon viel mitgelesen und mir alte Themen durchgelesen.
Vorneweg muss ich einmal sagen, dass ich das Klima in dem Forum hier mehr als angenehm finde. Zumindest habe ich nirgendwo irgendwelche Anfeindungen gesehen, was ja grade bei dem Thema vegane Ernährung mal schnell passiert.


Ich beschäftige mich schon seit langer langer Zeit mit der vegetarischen und veganen Ernährung. Mittlerweile ist es schon so weit, dass alles, was ich alleine esse (Frühstück, Büro, oft auch Abends) vegan ist. Aber leider traue ich mich nicht, meiner Familie und meinem Freund und dessen Familie davon zu erzählen. Die Familie von meinem Freund sind die absoluten Fleisch Esser und ich glaube der Begriff vegan würde niemanden etwas sagen. Allein schon über Vegetarier würden sie sich lustig machen. Von meiner eigenen Familie würde ich auch nur Unverständnis ernten wenn es um vegetarisches Essen gehen würde und beim Veganismus würde ich auf vollständige Ablehnung stoßen. Ich kann es aber wirklich auch nicht mehr übers Herz bringen meiner Familie oder jemand anderem zu Liebe mitzuessen. Ebenso mein Freund. Er vertritt noch die Meinung, dass Milchprodukte und mageres Fleisch für Sportler und gesunde Ernährung unverzichtbar sind.
Das fällt mir alles momentan total schwer und ich kann nicht zu 100% meinen Standpunkt beziehen.

Wie ist euch das gelungen? Vermeidet ihr den Begriff "vegan" manchmal absichtlich? Oder beschreibt ihr eure Ernährungsweise irgendwie für andere manchmal mit anderen Worten? Könnt ihr mir sonst noch eine gute Doku oder einen Film nennen, den ich mal mit meinem Freund schauen könnte, der nicht gleich schreit "werde vegan!"?


Ich wünsche euch ein schönes Wochenende :)

Liebe Grüße
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13.01.2017
Hallo Lativ,


Dein Umfeld ist wirklich schwierig. Ich habe auch "harte Brocken" in meiner Verwandtschaft und Bekanntschaft, aber ich habe zumindest sagen können, dass ich vegan lebe, ohne dass ich eine totale Trennung riskieren musste. Nachdem ich das einmal klargestellt hatte, habe ich mir zu jedem Treffen mein eigenes Essen mitgebracht und im Übrigen nichts mehr darüber gesagt. Auf Witzeleien und Anspielungen bin ich nicht eingegangen. Mit Besuch gehe ich Essen, wenn's denn sein muss in ein nicht-veganes Restaurant, in dem ich aber auch nicht verhungern muss. Ich fand es leichter, es klar zu stellen, als zu verbergen, aber das hängt natürlich sehr von der Situation ab, auch von der eigenen Verfassung im jeweiligen Moment. Oft sage ich auch beiläufig einfach: "Ich esse kein Fleisch", nur auf Nachfrage: "nein, nichts vom Tier", das schafft Klarheit, wenn man mit relativ fremden Leuten zusammen ist und wird inzwischen erstaunlich oft einfach zur Kenntnis genommen und akzeptiert.


Hast Du gesehen, dass wir über den Film "Gut, besser, vegan" geschrieben haben? Vielleicht wäre das ein Sendung für Dich? Ich habe sie nicht gesehen, eben weil sie offenbar nicht eindeutig ethisch Stellung bezieht. Aber ich bin in einer anderen Situation als Du.


In der Reihe "Gott und die Welt" gab es vor einiger Zeit einen Beitrag über Tierrechte, darin wurde nicht nur ein Lebenshof vorgestellt, sondern auch ein Biobetrieb und jemand, der Wildrinder für den Verzehr züchtet (und durch einen Schuss töten lässt, um ihnen den angstvollen Transport zum Schlachthof zu ersparen). Leider weiß ich nicht mehr, wie diese Doku genau heißt. So was zu sehen, ist sicher gut, um ins Gespräch über das Thema zu kommen. Wenn Du googelst: WDR Tierrechte, findest Du einen Link zu einer interessanten Reportageseite, die vielleicht auch gute Dienste leistet.

Dir auch ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße

Inga
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13.01.2017
Hallo Inga,

danke für deine ausführliche Antwort und deinen Erfahrungsbericht. Vielleicht versuche ich es jetzt wirklich erstmal mit "nein danke ich esse kein Fleisch". Ich muss wahrscheinlich lernen über blöde Sprüche drüber zu stehen, aber sowas fällt mir immer schwer.
Danke auch für die Tipps bzgl. der Filme. Ich werde mich da nochmal hier durch das Forum lesen!


Liebe Grüße
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13.01.2017
Zum Thema gesunde Ernährung beim Sport und dass man dafür unbedingt Milch und Fleisch braucht, gibt es genug Gegenbeispiele, zum Beispiel diese Liste vom vebu: https://vebu.de/fitness-gesundheit/sport/beruehmte-vegane-vegetarische-sportler/ Einige dieser Sportler haben auch Bücher (zum Thema vegan im Sport) geschrieben. Für den Einstieg lohnt sich auch mal ein Blick zu den beiden Läufern von bevegt: http://www.bevegt.de/info/
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14.01.2017
Hallo Lativ,

wenn du das ganzeThema vorerst totschweigen möchtest ist eine Aussage wie "nein danke ich esse kein Fleisch" eher kontra produktiv, denn die gesendete Botschaft besteht aus 2 Teilen:
Teil 1 -> Die Antwort auf die Frage des Gegenüber "Nein, Danke."
Teil 2 -> Eröffnung eines neuen Gesprächsbereichs "Ich esse kein Fleisch"
Wenn du also lieber erstmal auf Abstand gehen möchtest, dann sage nur "Nein, Danke".

Damit signalisierst du, dass du das Thema lieber nicht erörtern möchtest.
Wenn dein Gegenüber nun kein Taktgefühl hat und die Frage "Wieso nicht?" kommt kannst du immer noch den 2. Teil sagen und (je nach Umefld) z.B. eine Ernährungs-Lawine ins Rollen bringen. Oder einfach das Brett nehmen und ehrlich antworten "Über das Thema möchte ich (noch) nicht sprechen.".
Wenn dann immer noch nicht locker gelassen wird darf man den Gesprächspartner nach gängiger Etikette auch einfach allein im Gespräch zurücklassen -> Nach 2 Strikes ist man raus ;)

Ps: Die Antwort, "Nein, Danke. Das esse ich nicht." benutze ich immer als absolut sicheren aufhänger, wenn ich spontan Lust auf eine kleine Ernährungsdebatte mit allen Umstehenden Personen habe.


Zitat Lativ:Vermeidet ihr den Begriff "vegan" manchmal absichtlich

Auf jeden Fall.
Im Restaurant kündige ich vorher immer "rein pflanzlich" an. Dann pasiert es nicht, dass auf einmal in Kräuterbutter geschwenkte Maiskolben oder mit Sahne garnierte Suppen auf dem Tisch stehen ("Ach so, auch keine Butter / Sahne / Eiernudeln / Tier-Fonds?"[*1], etc. blabla), da das Wort sehr viel prägnanter ist, weniger durch "Flexiganer" aufgeweicht werden kann und jedem Koch mit Ausbildung ein Begriff ist.

Aber auch prinzipiell trenne ich die beiden Worte sehr gerne:
Ich esse rein pflanzlich, aber lebe Vegan, da mMn viel mehr zu der Definition des Begriffs "Vegan" gehört als nur das Essverhalten ;)

Grüße,
Falk

[*1] Meist gefolgt von einem "Essen Sie das trotzdem oder müssen wir das neu machen?" - Passiert mittlerweile glücklcherweise nur noch selten und stark überwiegend in deutschen Restaurants.

4x bearbeitet

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14.01.2017
Hallo Falk,


wir haben sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, bei Dir haken die Leute nach, wenn Du erklärst, dass Du kein Fleisch isst, bei mir meist nicht. Ich vermute, das liegt an der Umgebung. In der Stadt sind unterschiedliche "Will ich nicht essen"-Varianten viel weiter verbreitet. Wenn ich eine Diskussion lostreten will, muss ich einen Hinweis auf die Grausamkeit der Tierhaltung hinzufügen.


Was ich vergaß, Lativ:


Ich finde es sehr wichtig, dass Du Dich hier und anderswo mit Menschen umgibst, die Dich stärken. Austausch mit anderen Veganern oder Menschen, die das Vegane nicht gleich ablehnen, hat mich in in den letzten Jahren immer begleitet und mich vorangebracht. Alles Gute.

LG
Inga
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14.01.2017
Ich für meinen Teil bin passionierter Erklärungsverweigerer :lol: Wenn ich bei Leuten schon merke: ohje, das wird ein Problem, dann bin ich eben auf Diät (was alle Leute supermegatoll finden und so stark bin ich, soll ich dir einen extra Salat ohne Käse machen?), habe Unverträglichkeiten (der Stress im Studium, ihr versteht, mein Magen hat bereits eine angegriffene Schleimhaut) oder, wenn die Leute etwas eso-alternativ drauf sind, mache ich eben Basenfasten (jeder Bissen macht die reinigende Wirkung zu nichte!)
Ich sehe nicht ein, irgendwelche verbohrten Idioten (darf ich das schreiben?) belehren oder deeskalieren zu müssen, ich bin weder Gandhi noch ein Mülleimer für angestaute Aggression. Meine Familie weiß nichts davon und ich halte mich fern, meine Freunde wissen leider davon (damals war ich noch euphorisch), ich werde da jedoch in Abständen gefragt, ob ich denn noch gesund sei und wann ich mit dem Schmarn endlich aufhöre.
Da ich zum explodieren und streiten neige, sage ich es einfach nicht. Wenn es jemand rausfindet und mir blöd kommt, komm ich blöd zurück, ein Problem weniger im Leben.


Man muss jedoch wirklich klar sagen: von dem, was ich so hier lese, bin ich wohl einer der härteren Fälle was das Umfeld anbetrifft, vielleicht bin ich auch in meinem Wesen nicht geeignet für Moraldiskussionen oder friedliche Lösungen, also halte dich da vielleicht nicht an mich ;)


Was ich dir jedoch stark empfehle: Wenn Leute dich anmotzen: sende Ich-Botschaften, das nimmt die aggression raus. Also sowas wie: Veganismus ist total dumm, wieso tust du dir sowas an? --> Ich fühle mich durch dein Statement nicht ernst genommen und es verletzt mich, bitte hör auf damit.
Das sind Ich-fühle ich-empfinde und so weiter Botschaften, sodass dein Gegenüber nicht angeklagt wird (DU beleidigst mich<-> ich empfinde deine Äußerung als verletztend) sondern es bietet ihm an, was es in einem selbst auslöst und das Gegenüber ist gezwungen, sich zu erklären. Wenn dann sowas kommt wie: ich mache mir doch nur Sorgen um deine Gesundheit! Kannst du ja entgegnen, du würdest deine Ernährung gut planen und hättest alles, was du brauchst. "Danke für deine Sorge, aber ich bekomme das hin"
Nur die aggressivsten Gegenüber werden sagen: ja, ich will dich verletzten und fertig machen! und damit manövrieren sie sich sowieso gesellschaftlich selbst ins aus. Wenn du nicht argumentieren willst, musst du das auch nicht.
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15.01.2017
Zitat Lativ:Vermeidet ihr den Begriff "vegan" manchmal absichtlich?

Nein, keinesfalls. Ich verstecke mich nicht, ich dränge mich damit aber auch nicht auf. Vegan übersetzte ich, bei Nachfragen, mit "rein pflanzlich".

Der Begriff "vegan" ist leider häufig (aber auch nicht überall!) mit Vorurteilen besetzt. Wenn ich mich anders (also authentisch) verhalte, keine Klischees bediene (Aggressiv, Zurückgezogen, Feindlich usw.), dann kann ich meinen Beitrag dazu leisten, diese Klischees aus der Welt zu schaffen.
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16.01.2017
Pummelchen ich könnte Dich knutschen für den Beitrag :wink:
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22.01.2017
Hallo zusammen,

vielen vielen Dank für eure Antworten! :)

Sunjo: danke für die Links, da werde ich mich auf jeden Fall mal einlesen. War glaube ich auch schonmal über den Blog von bevegt gestolpert.

Falk: ja vermutlich ist das reine „nein danke“ eine konfliktärmere Herangehensweise. Und bei manchen Menschen kommt man generell nicht um Konfliktgespräche herum, egal worum es geht. Da werde ich mich dann einfach versuchen so gut es geht zurückzuhalten. Ich fange dann ja auch nicht an diese zu missionieren.

Pummelchen: dein Beitrag hat mich echt zum Lachen gebracht :D auf dem gleichen Standpunkt sehe ich mich gerade auch mit Freunden und Familie was die Einstellung angeht. Wirklich komisch, dass Leute immer eine Diät oder eine Unverträglichkeit verstehen, alles andere aber verteufeln.

Jogi: Ja das vegane Klischee steckt in den meisten Leuten ja immer noch drin. Ich möchte mich da nicht rausnehmen. Vor einigen Monaten/Jahren habe ich noch ähnliche Vorurteile gehabt.

Mir ist übrigens noch aufgefallen, dass es anderen oft gar nicht auffällt, dass man nur vegan isst, wenn man auswärts essen geht. Das finde ich eigentlich positiv. Es stehen in vielen Restaurants die Speisen oft schon als vegan auf der Karte gekennzeichnet und ich muss mich nicht erklären :)


Einen schönen Sonntag wünsche ich euch noch.


Liebe Grüße

Lativ


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