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Gedankenexperiment: Vegane Strategie

Erstellt 03.10.2023, von kilian. Kategorie: Allgemein vegan. 17 Antworten.

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Gedankenexperiment: Vegane Strategie
03.10.2023
Die Angst vor der Ideologie ist ein häufiger Grund, warum Menschen sich gar nicht erst mit veganer Ernährung beschäftigen und sie pauschal ablehnen.

Deshalb liegt es nahe, ganz auf moralische Appelle zu verzichten und stattdessen die Vorzüge einer pflanzliche(re)n Ernährung für Gesundheit und Umwelt zu propagieren.

Doch das scheint gar nicht so einfach, wenn es im Zweifelsfall den Konsum (weniger) Tierprodukte legitimiert!

Dazu folgendes Gedankenexperiment:

Variante 1: Menschen betreiben einen Infostand und propagieren eine vegane Ernährung aus ethischen Gründen. Argumentiert wird vor allem mit Ethik ("man sollte keine Tiere töten"). Ausnahmen werden abgelehnt, weil auch dafür Tiere getötet werden.

Variante 2: Menschen betreiben einen Infostand und propagieren eine pflanzliche Ernährung, bei der aber 1 Scheibe Salami am Tag erlaubt ist ("Salami-Vegan"). Argumentiert wird vor allem mit ökologischen Gründen (= "hilft uns allen"), allerdings hoffen die Menschen darauf, dass die Einsteiger die letzte Scheibe Salami auch irgendwann weglassen, sobald sie gemerkt habe, dass es gar nicht so schwer ist...

Variante 1 würde einen konsequenten Veganismus propagieren, allerdings mit dem Risiko, dass es von den meisten Menschen aus "ideologisch" wahrgenommen und abgelehnt wird.

Variante 2 wäre insofern inkonsequent, als es den Tod von Tieren in Kauf nehmen würde. Gleichzeitig könnte es unterm Strich mehr Tiere retten, wenn Menschen ihren Tier-Konsum immerhin um 95% reduzieren.

Doch was wäre für euch eine akzeptable Art des Vorgehens?

Würdet ihr Menschen "erlauben", 1 Scheibe Salami am Tag zu essen, wenn sie dann alle anderen Tierprodukte streichen?
Würdet ihr also die Tötung einzelner Tiere "legitimieren", um viele zu retten?

Oder würdet ihr für "ganz vegan" plädieren und dabei in Kauf nehmen, dass Menschen aus Angst vor Ideologie und moralischen Appellen möglicherweise überhaupt keine Tierprodukte reduzieren und am Ende noch mehr Tiere getötet werden als mit Variante 2?

Das Problem erinnert stark an das Trolley-Problem: https://de.wikipedia.org/wiki/Trolley-Problem

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Juergen22
03.10.2023
Also auch hier wird alles aufs Essen reduziert und die Menschen werden als unmündige Zombies dargestellt.

Für mich stellt sich die Frage geht es um Veganismus oder um vegane Ernährung?


Wer nicht imstande ist so ehrlich zu sich selbst und zu seiner Mitwelt zu sein, zu erkennen, dass wir Menschen uns auf dem Holzweg befinden, dem/der ist auch mit adäquaten Begrifflichkeiten nicht zu helfen.


Er/sie wird weiter dem Herdentrieb folgen, bis in den Abgrund. Eine Umstellung kommt meiner Meinung nach nur durch Erkenntnis, Empathie und durch selbstkritischem Verhalten zustande.

Gesperrt: Troll
Benutzerbild von Libio
vegan2.378 PostsweiblichBERLINLevel 4
03.10.2023
Vielleicht ist die Endung - ismus schon ein erster Punkt, um Ideologie zu befürchten.
Es gibt bestimmt viele solcher Kleinstpunkte - für jeden andere - die abschreckend wirken können, sich mit der veganen Lebenseinstellung zu befassen.

Ich persönlich finde jede Mahlzeit, jede Kosmetik, jedes Medikament, jeden Schuh (usw) ohne Tierleid als Gewinn.
Ich finde, man kann es nur als Bewegung vorwärts bringen, bei der immer mehr Menschen freiwillig mitgehen.
Jede echte Änderung kann nur von innen kommen, aus einer Erkenntnis heraus.


Wenn das zu langsam geht, dann ist es so, ist eine Entscheidung der Menschheit.


Aber auch: Jedes einzelne gerettete Tier gewinnt ein ganzes Leben.

1x bearbeitet

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Unbekannt
03.10.2023
Vielleicht am Infostand direkt vegane Salami anbieten, die schmeckt sogar jemandem aus meinem Umfeld, dem Produkte mit vegan Label normal ein NoGo sind. Was im Szenario 1 "konsequenter Veganismus" genannt wird, geht auch Kompromisse ein, nur weniger. Elektrische Geräte sind selten (?) vegan (Displays, Kupfer, Klebemittel...), trotzdem haben viele Leute mehr davon als nötig (soweit praktikabel würde nicht darauf rauslaufen, dass man ein Smartphone, ein Tablet, einen PC, ein Notebook, einen Fernseher... hat, diesbezüglich ist die vegan Definition etwas flexibel). Während die Scheibe Salami nachvollziehbar als verzicht- oder ersetzbar angesehen wird.

Benutzerbild von Sunjo
vegan3.222 PostsweiblichLinzLevel 4
03.10.2023
Eher Variante 2. Von mir aus kann die Salami auch durch Käse ersetzt werden. Weder für Variante 1 noch für Variante 2 darf es einen diktatorischen Zwang geben (einen demokratischen aber sehr wohl).
Das heißt nicht, dass ich einen geringen Konsum tierischer Produkte für richtig halte. Für eine Reduzierung tierischer Produkte gibt es aber mehr Argumente (+Gesundheit, +Naturschutz), als für den vollkommenen Verzicht ("nur" Moral/Ethik) - und es gibt nun mal immer noch sehr sehr sehr viele Menschen, die es nicht falsch finden, dass ein Tier für ihren Genuss sterben muss. Woraus folgt, dass es wahrscheinlicher ist, dass eine große Mehrheit freiwillig reduziert als dass eine große Mehrheit freiwillig komplett verzichtet.

Nach aktuellem Stand wäre es im Falle von Zwang aber egal ob man Variante 1 oder 2 wählen würde. Sofort hätten Populisten und Nazis die demokratische Mehrheit und wir kurz danach die Abschaffung der Demokratie. Danach wird es ganz schnell viel schlimmer und wir brauchen nicht mehr über Tierwohl oder darüber, ob wir den Klimawandel noch abmildern können, diskutieren, denn dann geht es darum, überhaupt noch irgendwelche Menschenrechte und Menschenwürde zu erhalten.

Außerdem geht es meines Erachtens nicht um Rettung von Tierleben (Widerspruch zu Libio), denn würde der Konsum wirklich reduziert/abgeschafft werden, müsste man selbstverständlich auch jegliche Zucht einschränken/abschaffen. Beziehungsweise, wenn man doch von Rettung sprechen möchte, dann von Natur und Wildnis.

Was alle weiteren nichtveganen Produkte betrifft (Bezug zu Jürgen22 und vegan), bin ich der Meinung, dass wenn erstmal die Ernährung weitestgehend vegan ist, weniger tierische "Nebenprodukte" für andere Zwecke genutzt werden können und damit sehr schnell vegane Alternativen entwickelt werden würden, bzw. die, die es schon gibt, den Durchbruch schaffen würden.

2x bearbeitet

Benutzerbild von Libio
vegan2.378 PostsweiblichBERLINLevel 4
04.10.2023
Außerdem geht es meines Erachtens nicht um Rettung von Tierleben (Widerspruch zu Libio), denn würde der Konsum wirklich reduziert/abgeschafft werden, müsste man selbstverständlich auch jegliche Zucht einschränken/abschaffen.

Ich die bereits lebenden Tiere, nicht die nicht gezeugt werden.
Analog den Menschen, da gibt es auch keine Menschenrechte für die 10 Kinder, die ich nicht geboren habe, sondern für die 3, die ich geboren habe.
Wenn also Hunderttausende Tiere nicht gezüchtet und nachgeboren werden, weil keiner mehr Tiere benutzt, so ist das kein tierethischer Aspekt meinem Verständnis nach.

Benutzerbild von Sillium
vegan80 PostsKrefeldLevel 3
04.10.2023
Ich stimme zu, dass Variante 2 bestimmt deutlich effizienter ist und dadurch deutlich mehr Leid verhindert werden kann, weil man eine viel größere Zielgruppe anspricht.
Ich denke gerade der ökologische Gedanke und Klimaschutz sind sehr starke Motivatoren (hier geht es ja dann plötzlich auch um den Selbsterhalt).
Gleichzeitig verwässern solche Argumente aber auch den ethischen Aspekt.
Vor allem wenn man ich in einem Atemzug erzähle, dass Veganismus eine gute Sache ist, weil ich dadurch (1) ungesunde gesättigte Fette reduziere, (2) den Klimawandel ausbremsen kann und (3) gleichzeitig Tierleben schütze entsteht der Eindruck einer Gleichwertigkeit der Argumente.

Argument 1 und 2 sind mit der derzeit vorherrschenden Volksmeinung deutlich kompatibler eben weil Sie kein striktes Umdenken erfordern, man will das ja eigentlich eh schon tun und einem fehlt manchmal nur das Durchhaltevermögen.

Argument 3 erfordert auf einmal das ich mein komplettes Weltbild über den Haufen werfe, anerkenne das es keine großen Unterschiede zwischen dem Leid von Mensch und Tier gibt und auch gleichzeitig erkenne was ich selber über all die Jahre angerichtet habe. Gerade die Tatsache, dass es durchaus historische Parallelen zu der Behandlung von Artgenossen mit abweichender Hautfarbe, Religion, Sprache oder Kultur gibt, denen man damals auch keine Rechte zugesprochen hat (z.B. Menschenzoos) ist markerschütternd.
Das Argument ist somit um ein vielfaches mächtiger und hilft einem dabei viel nachhaltiger und langfristiger umzudenken. Gleichzeitig ist es natürlich auch viel schwerer zu akzeptieren.

Vielleicht ist es deswegen tatsächlich eine gute Idee sich anfangs auf (1) und (2) zu konzentrieren und darauf zu hoffen, dass die Menschen von alleine begreifen , dass (3) ein noch besserer Grund ist vegan zu leben.



Benutzerbild von Sunjo
vegan3.222 PostsweiblichLinzLevel 4
04.10.2023
Zitat Libio:
[
Wenn also Hunderttausende Tiere nicht gezüchtet und nachgeboren werden, weil keiner mehr Tiere benutzt, so ist das kein tierethischer Aspekt meinem Verständnis nach.

Nach meinem schon. Für mich sind Lebenshöfe nur eine akzeptable Zwischenlösung, keine wünschenswerte Dauerlösung. Die Beendigung der Zucht ist für mich die tierethischste Entscheidung, die man nur treffen kann.

Beziehungsweise mit deiner Kinderanalogie: selbstverständlich geht es deinen drei geborenen Kindern besser, als wenn du dreizehn geboren hättest (meistens überleben Menschenmütter mit dermaßen vielen Kindern auch nicht lange).

Oder um es mit Hagen Rether zu sagen:
„Du musst doch gar nichts machen als Veganer. Weder musst du in eine Sekte eintreten, noch musst du auf ein Buch schwören oder Mitgliedsbeitrag zahlen oder bei Vollmond den Wimpel raushängen. Du musst einfach nur die Viecher in Ruhe lassen! Sonst nix!


1x bearbeitet

Benutzerbild von Libio
vegan2.378 PostsweiblichBERLINLevel 4
04.10.2023
Aber das sage ich doch.
Beendigung der Zucht, keine Tiere mehr geboren werden lassen zum Gebrauch für Menschen.
Ich verstehe deinen Widerspruch nicht.

Die Nicht geborenen benötigen keine Gnadenhöfe, müssen nicht gerettet oder geschützt werden. Für diese muss man keine Gesetze machen und die können von niemanden für was auch immer missbraucht werden. Für diese werden keine Wälder vernichtet oder Natur zerstört. Da benötigt man keine Tierethik mehr.

2x bearbeitet

Kein Benutzerbild
6 PostsLevel 1
04.07.2025
Ich halte nix davon zu glauben die meisten Menschen trauen sich nicht oder sehen in Veganismus eine Ideologie und essen deswegen weiter Tiere. Ich hoffe andere Veganer lernen das es nur Ausreden sind, die meisten Menschen wollen überhaupt nicht ethischer leben. Sonst würde es nicht immer diese Diskriminierung gegen Veganer geben, diese komische Gegenstudien die dann doch beweisen sollen das karnistische Ernährung besser ist usw usf.

Ich kenne solche Menschen, die denken es ist normal Tiere umzubringen, zu züchten, zu verkaufen und die zu Essen oder andere Produkte aus denen zu machen.


Mich hat auch nie etwas davon abgehalten vegan zu leben, nur wurde man behindert durch andere weil die einen deswegen auch ausgrenzen. Eine ähnliche Diskriminierung erfahren auch Arbeitslose, Behinderte, Homosexuelle oder kinderlose, obdachlose Frauen.

Ich würde gerne mal wissen, warum es so viele von den schlechten Menschen gibt? Das hat bislang noch niemand beantwortet. Ist es weil die sich viel häufiger fortpflanzen? Ethische Menschen haben nämlich auch da Bedenken. Das ist für uns normal.

PS
Zitat Libio:
Aber das sage ich doch.
Beendigung der Zucht, keine Tiere mehr geboren werden lassen zum Gebrauch für Menschen.
Ich verstehe deinen Widerspruch nicht.

Die Nicht geborenen benötigen keine Gnadenhöfe, müssen nicht gerettet oder geschützt werden. Für diese muss man keine Gesetze machen und die können von niemanden für was auch immer missbraucht werden. Für diese werden keine Wälder vernichtet oder Natur zerstört. Da benötigt man keine Tierethik mehr.


Bist du noch unterwegs und antinatalistisch? Ich war glaube schon immer antinatal aber erst 2013 hat man dafür ein Begriff gehabt. Ich kann auch ein Buch empfehlen der Autor ist wahrscheinlich vegan. Antinatalismus - Ein Handbuch von Karim Akerma.

3x bearbeitet

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