Ja, die Dämonisierung der Gegner der westlichen Demokratien funktioniert hervorragend. Es gibt Leute, die warnen auch vor westlicher Propaganda - auch aus dem Westen.
Der Unterschied bei Diktatoren ist doch real immer nur der: Für den Westen (Saudi Arabien und andere -sogar muslimische - Diktaturen, die z.B. kurz vor Kriegsausbruch völlig ohne Widerspruch über 80 Menschen der Todesstrafe zugeführt haben) - oder gegen den Westen. Dann ist keine Dämonisierung zu schäbig und keine Propaganda zu übel, den Gegner nieder zu ringen. Das gilt analog selbstverständlich genau so für russische Propaganda und Freund-Feind-Bilder.
Habe die Woche ein beeindruckendes Interview mit einem ausschließlich pazifistisch argumentierenden Künstler aus der Ukraine gehört. Bin dem DLF sehr dankbar, dass dieser Sender sich die Sendung dieses Interviews getraut hat.
Hier die Verknüpfung zum Nachhören.:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/jeder-einzelne-ist-verantwortlich-ein-pazifistischer-kuenstler-im-krieg-dlf-kultur-60c56458-100.html
Ich ahne nur ansatzweise, was das für jemanden bedeutet, wenn ein Panzer auf einen zu rollt. Nein, ich bin nicht sicher, ob ich in dieser konkreten Situation nicht auch eine bewaffnete Handlung aus Selbstschutz bevorzugen würde, oder ob ich tatsächlich den Mut hätte, ein weißes Tuch zu schwenken in der Hoffnung, diesen Panzer von der Weiterfahrt und meiner Ermordung abzuhalten.
Jedoch bin ich sicher, dass die weitere Bewaffnung der Armeen nur zu einer Verlängerung der Kriegshandlungen führen wird, mit vielen Verletzten und Toten. Irgendwann wird es so rum oder so rum dann doch Verhandlungen geben, weil niemand diesen Krieg wird militärisch gewinnen können.
Was wäre für die Ukrainer denn so schlimm gewesen, dem Wunsch nach Abtretung der Krim, der autonomen russisch bewohnten Gebiete bei gleichzeitiger Autonomie und Mitgliedschaft in der EU, aber eben nicht der Nato zuzustimmen? Was genau wäre für jeden einzelnen Ukrainer denn real für ein Nachteil entstanden?
Es wäre eben kaum ein fühlbarer Nachteil entstanden und viele, seit 2014 getötete Menschen hätten überlebt.
Die Frage lässt sich natürlich auch genau andersherum stellen: Was hätten die Russen verloren, wenn sie die Ukraine hätten nebst Krim und russisch dominierten Gebieten hätten ziehen lassen und die Nato als direktem Nachbarn akzeptiert hätten?
Könnten wir nicht sofort zu diesen Verhandlungen weiterblättern im Buch der Geschichte, anstatt bis zur Erschöpfung weiter zu kämpfen und immer wieder nur "Failed States" wie den Irak oder Libyen oder andere zu produzieren?
Ich weiß, dass ich eine absolute Minderheitsmeinung vertrete. Das ging mir sehr lange auch mit Atommüllmeilern oder mit veganem Leben so. Also keine Hemmungen - haut ruhig drauf.
Im Herzen bleibe ich "Salonpazifist" der immer wieder hofft, dass etwas ohne Krieg und Waffen geregelt werden kann.