Vegan als kategorischer Imperativ

Erstellt 22.02.2017, von pummelchen. Kategorie: Allgemein vegan. Eine Antwort.

Vegan als kategorischer Imperativ
22.02.2017
Hallo Forum,

heute wirds ein wenig philosophisch...
Ich habe mir letztens gedacht: vegan sein ist ein wenig auch das Leben nach Kants kategorischem Imperativ.
Zitat Kant:Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
Zur Erklärung: Kant schreibt diesen Satz in der Kritik der reinen Vernunft, in der er davon ausgeht, dass das, was den Menschen von jedem anderen Tier unterscheidet, seine Vernunft ist. Diese Vernunft ist nicht vernünftig, weil sie auf ein sinnvolles Ziel hinausläuft (e.g.: essen um zu überleben), denn das tun Tiere auch, jedoch tun sie es nur aus Instinkt und können sich nicht gegen ihre tierische Natur wehren. Der Mensch kann das schon, er ist frei in seiner Handlung, weil er nicht an die Zwänge von instinktivem Verhalten gebunden ist. Er kann sich genausogut zu einer Handlung entscheiden, die ihm eigentlich selbst schadet. Anstelle des Instinktes tritt dann jedoch die Vernunft, die stark mit Moral zusammenhängt. Langer Rede kurzer Sinn: Der Kategorische Imperativ ist Kants Versuch, eine kurze, moralische Handlungsanweisung zu geben, an der sich jede Handlung der Vernunft messen lassen muss.
Das Vegan sein als K.M. aufzufassen finde ich daher interessant, da wir uns ja oft auf Moral berufen. Was ist Vegan - Vegan ist keine Tierprodukte in irgendeiner Weise zu konsumieren.
Würden wir wollen, dass das ein allgemeines Gesetz wäre (also für alle geeignet und wünschenswert ist) - auf jeden Fall. Der Knackpunkt ist ja, dass eine Handlung auch in massenhafter Ausführung überall im Land immer noch vernünftig sein soll. Deswegen würde ich den Einschub machen: eine gut geplante, gesunde vegane Ernährung ist für alle vernünftig.


Wenn alle sich gut geplant und gesund Vegan ernähren: dann würden wir zumindest niemandem durch die unmittelbare Ernährung schaden. Dann würde auch die Nachfrage nach Tierprodukten sinken. Das BS-Argument: "Was soll dann mit den ganzen Tieren sein?" lasse ich mal aussen vor.
Will jemand anders dazu Gedanken anbringen?
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22.02.2017
Hallo Pummelchen,


ich halte nicht ganz so viel von der menschlichen Vernunft als Grundlage moralischen Handels. Zum einen ist die Auffassung, dass lediglich der Mensch über so ein edles Instrument verfügt, während alle anderen Lebewesen unfrei irgendwelchen Instinkten folgen, längst überholt. Jede Spezies hat so ihre Eigenarten, um das Leben zu bewältigen, manche setzen dabei mehr auf das Großhirn mit seinen Möglichkeiten, andere nicht. Was den Menschen auszeichnet, ist allerdings eine besonders hohe Abhängigkeit von kulturell vermittelten Traditionen und Gewohnheiten, auch Denkgewohnheiten, wobei es offenbar keinerlei Rolle spielt, wie "vernünftig" diese in Hinblick auf den allgemeinen oder auch nur persönlichen Nutzen sind.


In unserer Kultur, die sich enorm erfolgreich in der Welt verbreitet hat, galt lange Zeit ein möglichst unpersönlicher, objektivierbarer Gedanke als Stein der Weisen - jeder, der ihn vorbringt, kann sich ein klein wenig fühlen wie der Ein-Gott in unserer Tradition, hat er doch erkannt, wie die Dinge "wirklich" liegen, während sich die anderen alle etwas einbilden... Ich glaube, wir benötigen, wenn wir uns auf Gesetze einigen wollen, viel mehr Informationen über den/die, der/die da denkt, einschließlich seiner/ihrer Gefühle. Und das Gesetz, auf das sich dann eine Mehrheit einigen kann, wird immer provisorisch und veränderbar sein.


Ich selbst orientiere mich über Gedanken und Gefühle. Das Mitgefühl kann trügen, selbstverständlich, genauso wie jeder Gedanke trügen kann. Das Mitgefühl signalisiert mir, dass etwas gar nicht in Ordnung ist, wenn ich bei einer anderen Spezies das sehe, was bei meiner ein Anzeichen von Leid ist. Es versagt aber z.B. bei Pflanzen, obgleich auch diese - fehlendes Nervenkostüm hin oder her - leiden könnten. Ich muss eben mit meiner menschlichen Grundausstattung zurechtkommen, so gut es geht.
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