Ist Hermann-Teig eigentlich vegan? (Mit veganem Rezept!)

Hermann-Teig lässt sich auch vegan ansetzen und vermehren.
Hermann-Teig lässt sich auch vegan ansetzen und kultivieren. Bild: pixabay.com (bearb.)

"Hermann-Teig" ist eine witzige Kettenbrief-Idee mit Brotteig, die in Deutschland in den 1990-er Jahren viel Anklang gefunden hat. Jetzt scheint der Hermann-Teig (oder auch "Glücksbrot" oder "Franziskusbrot") eine Art Comeback zu erleben!

Doch was hat es mit dem Hermann-Teig auf sich?

Darum geht es:

Hermann-Teig ist nicht nur eine Grundmasse für Gebäck, sondern auch eine Art Kettenbrief-Experiment!

Der Teig wird im Wesentlichen aus Mehl, Wasser, Hefe und Zucker angerührt und mehrere Tage lang gären gelassen. Regelmäßig wird er "gefüttert" und vermehrt sich auf die Weise langsam. Natürliche Fermentation, wie sie von unseren Vorfahren über Jahrtausende genutzt wurde!

Nach etwa 10 Tagen wird der "Hermann-Teig" in drei Teile aufgeteilt: Zwei Teile zum Verschenken, ein Teil zum Selberbacken.
Daraus entstehen dann meist süße Hermann-Gebäcke wie Kuchen oder Hefezöpfe. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!


Die Hermann-Teig-Aktionen sind also eine witzige Sache, die Menschen miteinander ins Gespräch bringt. Zudem hat das Ganze auch eine lehrreiche Komponente!

Denn die traditionellen Fermentations-Methoden sind im Zeitalter der Kühlschränke - zumindest in den privaten Haushalten - doch schon arg in Vergessenheit geraten.

Stellt sich nur die Frage: Ist Hermann-Teig eigentlich vegan?

Die gute, aber eher theoretische Antwort lautet: Es ist möglich, Hermann-Teig vegan anzurühren (Rezept siehe unten!).

Denn Milch oder andere Tierprodukte sind nicht unbedingt erforderlich. Im Grunde handelt es sich um einen süßen Sauerteig. Und im Grundrezept des Hermann-Teigs verbergen sich in der Tat (normalerweise) nur vegane Zutaten.

Übrigens: Hefe ist vegan. Auch Milchsäurekulturen sind vegan, wenn sie mit pflanzlichen Rohstoffen kultiviert werden. Der Name stammt noch aus alten Zeiten, als man dachte, Milchsäurekulturen kämen nur in saurer Milch vor. Mehr dazu erfahrt ihr hier!

Doch jetzt kommen wir zur praktischen Antwort: Leider enthalten die meisten Rezepte für Hermann-Teig die Anweisung, den Teig regelmäßig zu "füttern". Mit Mehl, aber auch mit Kuhmilch.


Erforderlich ist das nicht, denn Milch enthält zwar Milchzucker, aber für die Gärung funktioniert auch normaler Rübenzucker, oder auch Rohrzucker. Die Milchsäurebakterien vermehren sich im Teig auch ganz ohne Kuhmilch (oder mit einer veganen Milch-Alternative).

Trotzdem wird es häufig gemacht und deshalb ist Hermann-Teig in der Regel nicht vegan.

Der witzige Teilungs-Gedanke hinter dem Hermann-Teig ist gleichzeitig sein Nachteil für Menschen, die keine Milch vertragen oder aus anderen guten Gründen keine Milch konsumieren.

Als Beschenkter hat man also kaum Kontrolle darüber, ob der Teig im Laufe seines Teig-Lebens jemals mit Milch vermengt wurde. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings hoch.

Milch im Hermann-Teig ist übrigens nicht nur für Veganer doof, sondern auch für Menschen mit Laktoseintoleranz oder Kaseinunverträglichkeit.


Der beste Tipp lautet daher: Setzt euren eigenen Hermann-Teig an und verbreitet ihn stets mit dem Hinweis, dass er ganz vegan zubereitet wurde. Alle, die aus guten Gründen auf Milch "verzichten", werden sich besonders freuen.

Und wer unbedingt die Milch einer anderen Tierart im Brotteig haben will, werden nicht an ihrem Tun gehindert. Wobei sich die Frage stellt: Warum ekeln wir uns eigentlich vor der Milch einer fremden Frau, aber nicht vor der einer Kuh? Irgendwie absurd, oder?

Hermann-Teig vegan - veganes Rezept!

Für den Teigansatz des veganen Hermann-Teigs:

Zutaten:

  • 1/2 Päckchen Trockenhefe oder ein kleines Stück Frischhefe,
  • 200 ml lauwarmes Wasser,
  • 1 Esslöffel Zucker,
  • 100g normales Weizenmehl (weiß)

Die Zutaten in einer Glasschüssel mit einem Holzlöffel (kein Metall!) verrühren und zwei Tage lang an einem warmen Ort zugedeckt gehen lassen. Ab und zu mit einem sauberen Holz- oder Plastiklöffel umrühren. Danach für 24 Stunden im Kühlschrank gehen lassen.


Nun ist der vegane Hermann-Teig bereit zur Vermehrung! (Wenn ihr einen veganen Hermann-Teig geschenkt bekommt, könnt ihr also hier loslegen).

Den veganen Hermann-Teig wachsen lassen

Tag 4-6: täglich umrühren.

Tag 7: Teig in einen größeren Behälter geben und 100g Mehl, 150g Zucker und 200ml Sojamilch (oder einen anderen Pflanzendrink) hinzufügen und umrühren.

Nun weitere drei Tage gehen lassen und nur täglich umrühren. Am zehnten Tag jeweils 100g Mehl, Zucker und Pflanzendrink dazu geben und umrühren.

Wichtig: Sauber arbeiten, damit der Teig nicht anfängt zu schimmeln (bei einer richtig gemachten, milchsauren Fermentation schützen die Bakterien den Teig vor Schimmel). Schimmelt der Teig, muss er entsorgt werden (und zwar komplett, da sich Schimmelkulturen auch im Inneren befinden).

Den veganen Hermann-Teig dann in drei oder vier Teile aufteilen. Einen Teil behalten, die anderen Teile verschenken (am besten mit dem Hinweis, dass der Hermann-Teig vegan angesetzt wurde).


Übrigens ist es normal, dass süßer Teig mit Hefe allmählich leicht alkoholisch riecht. Es entstehen dabei nämlich kleine Mengen Alkohol.

Vegane Rezepte für die Weiterverarbeitung des veganen Hermann-Teigs zu Glücksbrot, Hermann-Kuchen, süßen Stückchen usw. findet ihr im Netz. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.

Teilt doch eure veganen Rezepte mit anderen Leserinnen und Lesern im veganen Forumm damit auch andere Menschen daran teilhaben können. Denn Teilen macht nicht nur mit Hermann-Teig selbst Freude!

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Autor: Redaktion


Veröffentlichung:

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"Hermann-Teig" - vegan oder nicht?
(7 Antworten)
Letzter Beitrag: 07.09.2022, 15:10 Uhr


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Schlagworte: backen Milch-Alternativen ist das vegan? vegan Rezept
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