Meine Familie tötet Tiere

Erstellt 24.10.2017, von Juno. Kategorie: Allgemein vegan. 24 Antworten.

04.12.2017
Vielleicht hilft ja auch folgender Gedanke: Die Entscheidung, ob eine Gesellschaft mehrheitlich einer bestimmten Art der Ernährung zuneigt wird selten von den einzelnen Menschen getroffen. Zum bewussten Umsteuern ist ein ziemlicher Aufwand an Wahrnehmung, Gedanken, Einfühlungsvermögen und Respekt nötig. Diese Sachen sind nun mal sehr unterschiedlich verteilt. Auch innerhalb der Familien wird das mehrheitlich so sein wie im Rest der Gesellschaft. Wenn wir aber beginnen, jeden, der noch nicht unserer Menung huldigt als Verbrecher und Tunichtgut zu behandeln, dann werden wir nicht wirklich erfolgreich Überzeugungsarbeit leisten können. Das können wir nur dann, wenn wir ihnen zeigen, dass wir gut und ohne Verzicht leben können. Bei allem Verständnis für Deine Reaktion auf das Verhalten in Deiner Familie halte ich es für besser einen konfrontativen Umgang mit für sich völlig schuldlosen Menschen zu vermeiden - auch dann, wenn diese sich uns gegenüber eher negativ verhalten - das legt sich. Nicht vergessen: Wir greifen durch unsere Art uns zu ernähren und zu leben bereits ihr Leben und ihren Lebensentwurf an, und dagegen wehrt Mensch sich nun mal sehr leicht.

Aber es wäre natürlich schön, wenn sie Deine Ernährungs- und Lebensweise respektieren würden. Das setzt allerdings voraus, dass Du selbst zu ertragen lernst, dass der gesellschaftliche Umschwung nicht in alleine und nicht zuerst Deiner Familie stattfindet. Es ist schon toll, dass Du selbst trotz aller Widerstände und anderer Vorbilder Dich zur veganen Ernährung entschieden hast und dies offen lebst. Sei stolz darauf und habe Nachsicht mit denen, die noch Zeit brauchen, oder es vielleicht nie schaffen. Diese innerfamiliären Konflikte jedoch rauben so viel Kraft, die an anderer Stelle viel sinnvoller einzusetzen ist! Engagiere Dich in einer politischen oder anderen Organisation, die hilft, den gesellschaftlichen Wandel durch Information und Gesetzgebung voran zu bringen. Hilf denen, die sich engagieren und vergeude Deine Kraft nicht in sinnlosen Kleinkriegen gegen die Menschen, die Dich noch nicht wirklich verstehen können. Die Hoffnung, dass deine anderen Familienmitglieder durch dein Vorbild erreicht werden ist nicht von der Hand zu weisen. Deine Konsequenz und dauerhaftes Eintreten für das Lebensrecht der Tiere wird ganz sicher seine Wirkung nicht verfehlen. Das ist wie mit einfacher Waschmittelwerbung, selbst wenn man sich dagegen wehrt - sie erreicht einen doch.
Viel Erfolg!
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04.12.2017
Hallo Vegbudsd,

Zitat Vegbudsd:Wenn wir aber beginnen, jeden, der noch nicht unserer Menung huldigt als Verbrecher und Tunichtgut zu behandeln, dann werden wir nicht wirklich erfolgreich Überzeugungsarbeit leisten können. [...]
Wir greifen durch unsere Art uns zu ernähren und zu leben bereits ihr Leben und ihren Lebensentwurf an, und dagegen wehrt Mensch sich nun mal sehr leicht.

Du gehst hier von der Prämisse aus, dass man auch aktiv Überzeugungsarbeit leisten will:
Dies ist jedoch nicht immer der Fall!

Juno scheint auch nicht irgendeine Überzeugungsarbeit leisten zu wollen:
Zitat Juno:Mir würde nie einfallen, meine Familie zum Veganismus bekehren zu wollen


Unabhängig davon hat jedoch niemand das Recht seine / ihre eigenen Unzulänglichkeiten, inkongruente Gedanken und / oder negative Gefühle auf eine andere Person zu projezieren
Diese Grenze sollte immer (auch durch Konfrontation) kommuniziert und verteidigt werden.

Zitat Dana:Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht

Ich vertrete eher die Ansicht:
Familie kann man sich aussuchen, Freunde nicht.

Ich kann wenig bis gar nicht steuern, ob ich jemanden sympathisch finde und mit wem ich gerne Zeit verbringe, jedoch kann ich durchaus steuern, wieviel Zeit ich mit meiner Familie verbringe (ggf. auch gar keine).

Nur weil ich zufälligerweise in einem zufälligen Land in eine zufällige Gruppe von Menschen geboren wurde heißt das noch lange nicht, dass ich diesen Menschen irgendeine Form der Verpflichtung schuldig bin.

Wenn man von der Familie toleriert wird und gerne Zeit mit ihnen verbringen möchte, dann ist das durchaus begrüßenswert.
Wenn allerdings jede Minute des zusammenseins als blanker Horror erlebt wird, dann sollte man sich mMn. nicht aus irgendeinem falsch verstandenen Pflicht- oder Schuldigkeitsgefühl in eine destruktive Situation begeben :thumbup:

Natürlich wäre eine friedliche Lösung positiv, aber leider ist sie nicht immer möglich (und liegt auch manchmal nicht im Bereich der eigenen Möglichkeiten).

Auch wenn eine Familie (oder auch eine Partnerschaft) in unserer Gesellschaft als höchstes Gut betrachtet wird, kann man im Einzelfall auch ohne Familie (oder Partnerschaft) durchaus glücklich leben ;)

Grüße,
Falk
4x bearbeitet

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16.12.2017
Ja klar, nicht jeder ist missionarisch unterwegs. Muss ja auch nicht.
Ich finde eben nur dass es nicht wirklich sinnvoll ist, sich mit noch nicht (oder vielleicht niemals) vegan leben Wollenden eben deshalb zu zerstreiten. Auch nicht mit Freunden oder der eigenen Familie. Dennoch hast Du natürlich Recht, wenn ich mich mit bestimmten Menschen nicht wohl fühle, dann meide ich sie - da ist es dann auch gleich, ob sie irgendwie Verwandschaft sind, oder nicht.

Es hat sich übrigens in den letzten Jahren nach meiner Wahrnehmung so einiges geändert: Früher wurde ich als Veganer eher seltsam mitleidig angesehen und gefragt, ob das denn sein müsse und ob ich nicht doch lieber mal was "Anständiges" essen wolle. Heute ist es vielfach so, dass die Fleischisten sich meinen rechtfertigen zu müssen. Oft gehört: "Ich esse auch nur noch gaanz selten Fleisch"...

Na immerhin.

Grüße


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17.12.2017
Zitat Nefasu:Nur weil ich zufälligerweise in einem zufälligen Land in eine zufällige Gruppe von Menschen geboren wurde heißt das noch lange nicht, dass ich diesen Menschen irgendeine Form der Verpflichtung schuldig bin.


Meinem Verständnis nach sind wir nicht zufällig "hier". Wir werden in eine Stammfamilie geboren, übernehmen in den ersten drei Jahren 1:1 unbewusst die Werte und Gedanken der uns umgebenden Umwelt und begeben uns erst in einer späteren Phase unseres Lebens - meist während der Pubertät - auf unseren eigenen Lebensweg. Wir hinterfragen was uns an Überzeugung hineingepflanzt wurde und machen unsere eigenen Fehler. Ich stimme dir zu, Falk, wir haben keinerlei Verpflichtung mit der Familie zusammenzutreffen, jedoch empfinde ich trotz allem - und in diesem Ausdruck "allem" sind auch die sogenannten negativen Gefühle wie Wut, Frustration enthalten - Respekt und Dankbarkeit für die Starthilfe.

Zitat Nefasu:Wenn allerdings jede Minute des zusammenseins als blanker Horror erlebt wird, dann sollte man sich mMn. nicht aus irgendeinem falsch verstandenen Pflicht- oder Schuldigkeitsgefühl in eine destruktive Situation begeben.


:thumbup:
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18.12.2017
Hallo Rudolfo,

da hast du natürlich Recht!

Dankbarkeit für die Vergangenheit und Familie sollte mMn. prinzipiell immer vorhanden sein (auch wenn einem hier evtl. negative Emotionen entgegenschlagen) :thumbup:

Aus der Dankbarkeit eine Verpflichtung abzuleiten wäre aber auch wiederum ein Zeichen des Anhaftens, welche wiederum Schmerz hervorrufen und den Blick auf möglicherweise notwendige Schritte (zum Zwecke der Steigerung des eigenen Wohlbefidnens) verdecken kann ;)

Zitat Vegbudsd:Oft gehört: "Ich esse auch nur noch gaanz selten Fleisch"...

Dazu fällt mir spontan das Comic vom Artgenosen ein:
http://der-artgenosse.de/beim-metzger-der-herzen/
:thumbup:

Grüße,
Falk
2x bearbeitet

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