Reste essen: Eine Frage der Moral?

Erstellt 15.08.2016, von Medi. Kategorie: Allgemein vegan. 27 Antworten.

15.08.2016
Hallo Medi,

Zitat Medi:Wem gegenüber muss ich "glaubwürdig" sein?

Man hat prinzipiell den Anspruch sich selbst gegenüber glaubwürdig zu sein.
Wenn man selbst Ausnahmen machen würde, müsste man den Regeln der Ethik zufolge diesen Konsum auch bei anderen Leuten grundsätzlich und uneingeschränkt unterstützen (siehe meine Signatur).


Und wie Rudolfo bereits gesagt hat:
Wo ist hier die Grenze?

Mit persönlich ist der Schritt von "ab und zu Vegetarisch, damit nichts wegkommt" zu "Ein bisschen Fleisch ist ja nicht so schlimm" zu einfach viel zu kurz.


Zu guter letzt wäre es mir einfach zu blöd anderen Leuten bei denen ich zum Essen eingeladen werde (oder mit denen ich essen gehe) immer wieder erklären zu müssen weshalb ich dies und das "bisschen vegetarische" jetzt nicht esse, weil ich letztes Mal ja auch die Reste gegessen hätte..

Liebe Grüße,
Falk
1x bearbeitet

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15.08.2016
Naja, meine Regel ist: Wenn ich sonst was neues kochen/kaufen müsste nehme ich lieber das, was schon da ist. Ich sehe meine wirkmächtigkeit dahingehend, dass ich etwas durch mein Konsumverhalten ändern kann. Ich trete in der Form auch nicht indirekt als Nachfrager auf, solange Menschen nicht meinen, extra Überschuss produzieren zu müssen, damit ich Tierprodukte esse. Damit produziere ich keine Nachfrage nach Tierprodukten, und das ist das, was ich erreichen will. Ob die Käsesemmel im Mülleimer landet oder ich sie esse ist der Nachfrage egal und damit ein Problem mit mir selbst.


Die anderen, die an mir zweifeln wollen, tun das so oder so. Wenn ich strikt bin bin ich übertrieben dogmatisch und verrückt, wenn ich das locker sehe bin ich nur jemand, der sich wichtig machen will. Ich habe gemerkt, dass jeder unter dem Label "veganer" was anderes versteht und was anderes gut findet. Ich werde nie für alle "glaubwürdig" sein, also ist für mich im Endeffekt das wichtigste, dass ich alles vor mir selbst rechtfertigen kann und mich damit gut fühle. Vor Fleischartikeln hat sich so langsam ein Ekel eingestellt, Eier finde ich auch recht widerlich, ich würde aber Milchprodukte essen, wenn ich mir sonst ein neues Produkt kaufen müsste und jemand anders es wirklich nicht mehr essen will und wegwerfen wird. Nicht, wenn es sonst einfach verpackt und aufgehoben werden könnte oder sonst jemand es essen will.
Dahingehend kann ich die Auffassung nicht teilen, dass das bereits "zu weit gegangen" ist, aber ich nenne mich auch nicht mehr Veganer. Dann heiß ich eben wieder Omnivor -.-
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15.08.2016
Ist doch egal, wie du dich nennen lässt: Du machst das, was du für richtig hältst und ich finde, damit IST es auch richtig. Basta. Wir versuchen, unseren Planeten mit unserem Verhalten ein Stück weit besser zu machen und das ist mehr, viel mehr, als so manch anderer tut. Ich bewundere jeden, der etwas zum Wohle der Welt beiträgt, egal ob vegan oder nicht.
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15.08.2016
Zitat pummelchen:aber ich nenne mich auch nicht mehr Veganer. Dann heiß ich eben wieder Omnivor -.-

Lass Dir doch von Deinen Mitmenschen nix einreden.
Vegan ist ne tolle Sache, auf die man schon ein bisschen stolz sein kann.
Viele Grüße
Kilian (vegan!)
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15.08.2016
Zitat pummelchen:ich nenne mich auch nicht mehr Veganer. Dann heiß ich eben wieder Omnivor -.-


Hallo Pummelchen,

Du darfst Dich weiterhin Vegetarierin nennen, die sich auf dem Weg zum Veganer befindet, da Du - wenn ich das richtig verstanden habe - kein Fleisch isst.

Jeder von uns (glaube ich zumindest) hatte ein/zwei Versuchungen bevor unser Körper kapiert hat, daß er das "andere" nicht braucht. Ob Du dazu zwei Wochen oder zwei Jahre benötigst, kannst und darfst nur Du selber bestimmen.

Ich habe bei einem Gründungstreffen zu einem Ökodorf im Chiemgau eine junge Frau getroffen, die vegan lebt, jedoch für Ihre Kinder Fleisch zubereitet. Diesen Konflikt könnte ich nicht so einfach bewältigen, sie hatte - nach eigenen Bekunden - keine Probleme damit.

Wie gesagt, es ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Meine Meinung ist: Wer in diesem Forum liest und arbeitet, selber Beiträge verfaßt und sich mit dem Thema intensiv auseinandersetzt ist auf dem "richtigen" Weg zu einem friedvolles Leben...

In diesem Sinne... seid nicht zu streng zu Euch und gebt Euch die Zeit, die Ihr benötigt.


Ciao, Rudolf


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16.08.2016
Wo ist der Unterschied ob der Sohn oder Vater oder Mutter etwas für sie fragwürdiges essen?

Wenn Vati oder Mutti für den Sohn etwas von einem Tier bestellt haben, dann gebietet es der Respekt vor dem Tier, dass es nicht weggeworfen wird. Der Auftrag zur Nutzung des Tieres ist mit der Bestellung bereits getätigt. Und wer sich entschlossen hat, eine Mahlzeit mit Tierprodukten zu bestellen, der möge doch zu dieser Entscheidung stehen und das Tier würdigen indem er mit innerem Frieden und Freude verspeist, was er nun erhalten hat.

Etwas anders ist es, wenn Andere bestellt und geordert haben und jemanden der sich entschieden hat keine Tierprodukte zu essen in Versuchung zu führen.

In Restaurant kann man Speisen auch einpacken lassen. Vieles schmeckt am Abend oder am Folgetag oft besser als noch frisch im Restaurant.
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16.08.2016
Hallo zusammen, in diesem Zusammenhang würde ich gerne folgendes zur Diskussion stellen: Ich beschäftige mich schon länger mit folgender Frage:
ich bin am überlegen und würde gerne ehrenamtlich bei einer Tafel arbeiten. Ich halte es einerseits für eine gute Sache, essbare Lebensmittel, die normalerweise im Müll landen würden, an Bedürftige auszugeben. Hier geht es allerdings ganz und gar nicht vegan zu. Ich bin da sehr im Konflikt.
Wie seht Ihr das?
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16.08.2016
Robert, da stimme ich dir zu.

Henk: Wenn du bei einer Tafel arbeitest, dann tust du etwas für den Menschen. Ich würde es tun, denn für mich steht das momentane Wohl Bedürftiger noch über meinem eigenen Veganismus-Moralanspruch.
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16.08.2016
Welche Firma bei der man arbeiten kann ist schon völlig vegan?

Und gerade im Handel! Wie viele Veganer werden wohl in Firmen wie Aldi, Lidl, Edeka etc. oder Reformhäusern (die ja auch Honig und Milchprodukte sowie Eier anbieten) arbeiten?

Aber ich kann den Konflikt nachvollziehen. Jedes Mal wenn ich in einen Supermarkt gehe muss ich an der Kasse mit ansehen, dass ich bei Drogendealern (Zigaretten) einkaufe. Da dreht es mir jedes Mal den Magen um.
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16.08.2016
Hallo Henk,
Ich habe selber letztes Jahr für ein dreiviertel Jahr bei der Tafel gearbeitet. Leider musste ich aus beruflichen Gründen damit aufhören.
Es stimmt, es gibt dort Fleisch und Wurstwaren. Wir hatten auch häufig viele Milchprodukte zu verteilen. Allerdings war Fleisch bei dieser Tafel sehr wenig vertreten. Der Hauptanteil der Waren dort waren Obst und Gemüse sowie Unmengen von Brot.
Ich bin während meiner Arbeit dort Vegetarier geworden, ich habe allerdings keinen missionarischen Ehrgeiz. Es hat mir nichts ausgemacht, den Kunden Produkte zu geben, die ich selbst nicht essen würde. Diese Leute sind Omnis, die freuen sich, wenn sie mal Dinge bekommen, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Die Arbeit dort war äußerst befriedigend, weil man erstens armen Menschen helfen konnte und zweitens die Vernichtung von Lebensmitteln mitverhindern konnte.
Ich sehe einen gewissen Unterschied, ob ein Tier für den menschlichen Verzehr oder für die Mülltonne stirbt. Die Mülltonne finde ich noch wesentlicher schlimmer, weil sinnloser!
LG Nanny



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