AOK warnt vor veganer Ernährung in der Schwangerschaft

Erstellt 25.07.2017, von kilian. Kategorie: News & Aktuelles. 14 Antworten.

AOK warnt vor veganer Ernährung in der Schwangerschaft
25.07.2017
Hallo,
die AOK Rheinland/Hamburg warnt auf Facebook vor veganer Ernährung in der Schwangerschaft - und bezieht sich dabei auf die DGE.
Echt traurig.

a) die AOK hat keinen Aufklärungsauftrag - diese Veröffentlichungen haben daher einen "Service"-Charaktern, den ich unter "Marketing" verbuchen würde. Und mit Vegan-Vorurteilen Marketing zu machen ist echt ne üble Nummer!

b) die DGE hat sich in der Vergangenheit immer wieder als schlechte Quelle für Fakten erwiesen - ihre Arbeitsweise ist - wie an anderer Stelle ausführlich dokumentiert wurde - oft schlicht unwissenschaftlich. Siehe u.a. http://www.vegan.eu/index.php/meldung-komplett/items/dge_vegan.html

c) Wiederholung falscher Behauptungen macht es auch nicht besser. Gerade eine Krankenversicherung sollte verantwortlicher sein und ihre Aussagen auf eine wissenschaftliche Basis stellen. Schwammige Panik-Macherei mit "es kann zu Mangelerscheinungen führen" machen eine fundierte Auseinandersetzung mit gesunder Ernährung nur schwieriger.

Schwangere sollten sich bewusst mit ihrer Ernährung auseinandersetzen. wenn sie kein Fachwissen haben (was ja an sich nichts schlimmes ist), sollten sie sich verantwortlich an Fachpersonal wenden (Ernährungsberater oder Ernährungsmediziner).
Ärzte (und übrigens auch Krankenkassen) gehören nicht zum Fachpersonal, sofern sie keine fundierte Ausbildung zur Ernährung durchlaufen haben. Und allgemein kann auch die beste Ausbildung nicht vor Vorurteilen bewahren, wie regelmäßige Panikmache in den Medien immer wieder zeigt.

Wenn es Argumente gegen vegane Ernährung in der Schwangerschaft geben sollte, dann lassen sich diese wissenschaftlich erklären. Und nicht über schwammige Formulierungen. Nur Wissenschaftlichkeit schützen vor Vorurteilen. Dafür wurden wissenschaftliche Methoden schließlich entwickelt. Und bei Vegan-Fragen werden diese auch von an sich kompetenten Stellen immer wieder mit Füßen getreten.

Siehe dazu auch: https://www.vegpool.de/magazin/aerzte-vegane-kinderernaehrung-vorurteile.html
https://www.vegpool.de/magazin/vegane-beratung.html

Für Warnungen gibt es keinen Anlass. Die mit Abstand häufigsten Fälle von Fehlernährung in der Schwangerschaft - auch prozentual - kommen bei Nicht-Veganern vor. Nur bei nicht-veganen Kindern interessiert sich keiner dafür. Da läuft Fehlernährung unter dem Überbegriff "Verwahrlosung".

Wäre ich bei der AOK, würde ich jetzt wechseln. So einen Fauxpas kann sich eine Krankenversicherung nicht erlauben.

Es gibt inzwischen auch Krankenversicherungen, die eine (fundierte) vegane Ernährung befürworten: https://www.vegpool.de/magazin/krankenkasse-veganismus-wirtschaftlich-interview.html

Viele Grüße

Kilian
13x bearbeitet

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25.07.2017
Echt unglaublich! :red:
Wenn ich bei FB wäre, hätte ich jetzt wahrscheinlich ordentlich darauf geantwortet.
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26.07.2017
Oh man, bald kann ich so etwas echt nicht mehr lesen. Da muss man ja in Zukunft bei Arztbesuchen verheimlichen, dass man Veganer ist um einer solchen Diskussion aus dem Wege zu gehen :-/
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26.07.2017
Zitat Craspedia: Da muss man ja in Zukunft bei Arztbesuchen verheimlichen, dass man Veganer ist um einer solchen Diskussion aus dem Wege zu gehen :-/


Bei mir weiß kein einziger Arzt, dass ich Veganer bin. Ich muss immer nur grinsen, wenn mein Hausarzt über meine tollen Blutergebnisse ganz erstaunt ist und mir bescheinigt, dass ich gesundheitlich top fit bin.
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26.07.2017
Mein Hausarzt weiß Bescheid und ist hellauf begeistert. Er ist auch Veganer, wie ich dann raus fand :clap:

Aber falls ich irgendwann mal schwanger sein sollte, wird es meine Gynäkologin wohl lieber nicht erfahren :rolleyes:
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26.07.2017
Ich wäre froh wenn ich in der schwangerschaft mich schon vegan ernährt hätte..ich glaube das die kinder bei der richtigen veganen Ernährung im mutterleib eher davon profitieren. :rolleyes:
Mich nerven diese ständigen diskussionen auch, besonders wenn es um schwangere und kinder geht, hatte gerade am Wochenende wieder die diskussion in der verwandschaft.
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26.07.2017
Tja, wenn man Veganer ist, merkt man recht schnell das wir tatsächlich im postfaktischen Zeitalter lebt :lol:
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26.07.2017
Hey Kilian,

ich kenne den Artikel der AOK leider nicht und habe auf die schnelle auch bei Google nichts dazu finen können, könntest du diesen Artikel hier bitte mal posten? Danke :)

Ich will nicht sagen, dass es nicht stimmt was du schreibst, aber ich kann mir nicht vorstellen das eine Krankenkasse sowas einfach in die Welt setzt, wenn es nicht wissenschaftlich bewiesen ist.

Fakt ist jedoch, das Muttermilch nicht vegan ist, der Mensch gehört grob gesagt der Gattung der Säugetiere an, somit kann die Muttermilch gar nicht vegan sein, auch wenn die "Mutter" sich nur vegan ernährt... ich denke ihr versteht was ich meine. Vielleicht meinte die AOK ja genau das damit, und irgendwer ist auf die schlaue Idee gekommen nicht die Muttermilch, sondern Sojamilch für Säuglinge zu nehmen, vegan halt. (ich kenne den Artikel nicht und spekuliere nur)

Fakt ist auch, dass Kinder für die Entwicklung Eiweiß und Vitamin B12 benötigen und das beides nicht über die Vegane Ernähung zu sich genommen wird. Also muss man mit Nahrungsergänzungsmitteln arbeiten oder man nimmt bewusst Fehlentwicklungen seines Kindes in kauf, das ist auch wissenschaftlich bewiesen.

Ich habe meinen Kindern noch nie vorgeschrieben was sie essen dürfen und was nicht, und begrenze einfach nur die Mengen. Fleisch esse ich persönlich seit Jahren nicht mehr, aber ich würde nie auf die Idee kommen es meinen Kindern vorzuenthalten. Wichtig ist, dass nicht die "billige Schei..." aus dem Supermarkt gekauft wird, gutes Fleisch kostest auch gutes Geld! 500g Hähnchenbrust für 1,99€ kann nicht gut sein... das sollte eigentlich jeder wissen.

Entfernt könnte man es damit vergleichen, ihnen irgendeinen Glauben aufzudrücken (der jedoch nicht für Fehlentwicklungen sorgt), aber das sollen sie selbst für sich entscheiden wenn sie alt genug sind, aber bitte auch erst dann.

Grüße aus Berlin

Anna


1x bearbeitet

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26.07.2017
Hallo Anna,

Zitat AnnaDieErste:ich kenne den Artikel der AOK leider nicht und habe auf die schnelle auch bei Google nichts dazu finen können, könntest du diesen Artikel hier bitte mal posten? Danke :)


https://www.facebook.com/AOKRH/photos/a.399262450136439.93317.394552180607466/1552288211500518/?type=3&theater

Zitat AnnaDieErste:Fakt ist auch, dass Kinder für die Entwicklung Eiweiß und Vitamin B12 benötigen und das beides nicht über die Vegane Ernähung zu sich genommen wird. Also muss man mit Nahrungsergänzungsmitteln arbeiten oder man nimmt bewusst Fehlentwicklungen seines Kindes in kauf, das ist auch wissenschaftlich bewiesen.

Bitte benenne doch deine (wissenschaftliche) Quelle, dass Eiweiß nicht in veganer Ernährung zu finden ist, da diese Behauptung einigen Naturgesetzen dieser Welt zuwider läuft und für ein spontanes Artensterben verantwortlich wäre :D

Zitat AnnaDieErste:Entfernt könnte man es damit vergleichen, ihnen irgendeinen Glauben aufzudrücken (der jedoch nicht für Fehlentwicklungen sorgt), aber das sollen sie selbst für sich entscheiden wenn sie alt genug sind, aber bitte auch erst dann.

Man zwingt jedem Kind immer, prinzipiell und teilw. unbewusst die eigenen Ansichten, Verhaltensweisen und / oder den eigenen Glauben auf.
Ein Kind Fleisch essen zu lassen ist eine genauso aufgezwungene Entscheidung wie ein Kind kein Fleisch essen zu lassen.
Geauso wie es eine aufgezwungene Entscheidung ist ein Kind unbegrenzt, ein wenig oder keine Süßwaren essen zu lassen.
Zumal kein empathatisch gesundes, und unvoreingenommenes, Kind Fleisch isst, wenn man ihm / ihr mitteilt, was Fleisch eigentlich ist und / oder woher es stammt.

Grüße,
Falk
8x bearbeitet

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26.07.2017
Hallo Anna,

Ich will nicht sagen, dass es nicht stimmt was du schreibst, aber ich kann mir nicht vorstellen das eine Krankenkasse sowas einfach in die Welt setzt, wenn es nicht wissenschaftlich bewiesen ist.


Es ist genau so absurd wie es klingt und in der Tat unvorstellbar, wenn man es das erste mal liest.

Die AOK schrieb auf Facebook:
In der Schwangerschaft sollte die werdende Mama auf eine rein vegane Ernährung besser verzichten, denn sie liefert Mutter und Baby nicht genügend Nährstoffe. Vegetarische Kost ist in Ordnung


Darunter eine Grafik mit einer schwangeren Frau mit einem Gemüse-Symbol in Magenhöhe und dem dazugehörigen Text "Lieber nicht!".

Bild: Screenshot des AOK-Postings auf Facebook
Screenshot des AOK-Postings auf Facebook



Dieser Teil "denn sie liefert Mutter und Baby nicht genügend Nährstoffe" ist faktisch falsch, darüber lässt sich nicht diskutieren, angesichts der vielen Fälle, wo eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft durchaus bestens funktioniert hat.

Eine fundierte, vegane Ernährung kann durchaus für genügend Nährstoffe sorgen, wie die American Dietetic Association bereits vor Jahren festgestellt hat.

Wichtig ist das Wort "fundiert", das für jede Form von Ernährung gelten sollte. Nicht ohne Grund sind inzwischen etwa 50% aller Nicht-Veganer übergewichtig und damit auf dem besten Wege, eine der "Zivilisationserkrankungen" zu entwickeln, die massiv Lebensqualität rauben.

Wo bleibt die Diskussion darüber? Wäre es angesichts der Zahlen nicht sinnvoll, darauf hinzuweisen? Oder darauf, dass rotes Fleisch von der WHO als krebserregend eingestuft wurde? Eben auf Fakten, die nicht von Veganern erfunden wurden?

Was die AOK betreibt ist, wenn nicht vorsätzlich, dann jedenfalls grob fahrlässig. Und für mich definitiv ein Grund, zu einer anderen Kasse zu wechseln.

Darunter wurde noch ergänzt:

Bild: AOK-Ergänzung auf Facebook.
AOK-Ergänzung auf Facebook.


Man muss der Social-Media-Abteilung der AOK ja nichtmal bösen Willen unterstellen
Doch Unwissen macht es leider eher schlimmer. Eben gerade deshalb, WEIL die AOK als Krankenkasse von vielen Menschen als fachlich verlässliche Stelle angesehen wird (und sich ja auch so inszeniert).

Die meisten Fälle von Fehlernährung bei Kindern betreffen nicht-vegane Kinder und zwar auch prozentual.


Doch da das unter allgemeiner "Verwahrlosung" läuft, interessiert es scheinbar keinen.
Wer geht denn auf die Straße und ruft zu einer allgemeinen Pflichtberatung für Schwangere auf?

Wenn es wirklich um die Kinder ginge, wäre der Protest längst da. Das offenbart die Scheinheiligkeit der ganzen Sache.

Nur wenn das Kind aufgrund von Ernährungsfehlern bei veganer Ernährung leidet, wird es plötzlich zum Politikum. Man hat es ja schon immer gewusst.

Und so wurden in der Vergangenheit sogar heftig Fakten verdreht. Da wurde schlicht die Unwahrheit berichtet. Und zwar in vielen Fällen wissentlich. DAS sind die Dinge, die einen als fakten-orientierten Menschen wirklich irritieren!

Beispiel gefällig?
Bitte: https://www.vegpool.de/news/ermittlungen-vegane-ernaehrung-kind-italien.html?newsid=875

Von der faktenfreien Diskussion haben weder die veganen Kinder etwas, noch die nicht-veganen Kinder. Diese Aufregung - die durch die AOK hier auch noch geschürt wird - dient im Grunde niemandem, außer der postfaktischen Selbstgerechtigkeit.

Die wichtigsten Fragen wurden auf Vegpool schon in Artikeln behandelt:
Ist Stillen vegan / sollten vegane Mütter stillen? https://www.vegpool.de/magazin/ist-muttermilch-vegan.html

Viele Grüße

Kilian
3x bearbeitet

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