2016 urteilte ein Gericht: Kastenstandhaltung von Sauen ist rechtswidrig. Jetzt fordert die Lobby: Die Allgemeinheit soll dafür zahlen!
Jeder muss sich an geltendes Recht halten - ohne Belohnung. Warum sollte es für Schweinehalter anders sein?
Die neuen Haltungsbedingungen könnten ebenfalls gegen Tierschutzrecht verstoßen.
Und wer bezahlt dann?
Die Forderungen vom 15. April 2026 stammen von deutschen Agrar- und Lobbyverbänden, darunter dem Deutschen Bauernverband, dem Deutschen Raiffeisenverband, dem Bundesverband Rind und Schwein und der Interessengemeinschaft der Schweinehalter. Sie fordern ein staatliches Förderprogramm in Höhe von 200 Mio Euro jährlich bis 2036 (entspricht rund 2 Mrd Euro). [Quelle]
Die Forderungen der Schweinehalter-Lobby enthalten kein solches Entgegenkommen für Fleischesser. Ohnehin wäre ein solches Versprechen nicht wirksam, das sich die Schweinepreise am Weltmarkt orientieren.
Finanziert würde dies aus öffentlichen Mitteln - also auch von Menschen, die kein Schweinefleisch konsumieren.
Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe sinkt seit Jahren in Europa stark. Länder wie die Niederlande, Belgien oder Dänemark zahlen sogar Ausstiegsprämien. Gleichzeitig ist die Zahl der gehaltenen Schweine in Deutschland zuletzt sogar gestiegen. Fachleute nennen unter anderem Strukturwandel, Konzentration großer Betriebe und Automatisierung als Gründe, warum viele Betriebe schließen. Große Betriebe verdrängen kleinere. [Quelle]
Kritiker bezweifeln das. Im Gegenteil: Industrielle Tierhaltung ist auf große Mengen importierter Futtermittel und auf Wasser angewiesen. Zudem ist die Schweinehalter-Lobby stark export-orientiert. Deutschland produziert deutlich mehr Schweinefleisch als es verbraucht. [Quelle] Das macht Deutschland abhängiger von Ressourcen, die knapper werden. Behörden wie das Umweltbundesamt raten zu einer Fleischsteuer. [Quelle]
Diese öffentliche Debatte wäre nötig, findet jedoch praktisch nicht statt. Auch Medien berichten kaum über die Forderung von 200 Mio Euro pro Jahr durch die Lobby der deutschen Schweinehalter (2 Mrd in 10 Jahren). Klar ist jedoch: Die Industrie hat keinen pauschalen Anspruch auf staatliche Zuschüsse durch die Allgemeinheit. Milliarden-Steuergelder dürfen nicht im Hinterzimmer vereinbart werden.
Nein. Für Umweltschäden der deutschen Tierindustrie kommt die Allgemeinheit auf. Laut einer Studie von 2023 belaufen sich die Umweltschäden auf 22 Mrd Euro pro Jahr.
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