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Video offline: Gericht lässt Aufnahmen aus CO2-Betäubung vorläufig zensieren!

Schwein mit Atemnot in der CO2-Betäubungsanlage von Schlachthof Brand / Lohne.
Schwein mit Atemnot in der CO2-Betäubungsanlage von Schlachthof Brand / Lohne.
Bild: Animal Rights Watch e. V.

Der Skandal-Schlachthof Brand Qualitätsfleisch aus Lohne hat eine vorläufige Zwangsvollstreckung beantragt, um Videoaufnahmen aus seiner CO₂-Betäubungsanlage löschen zu lassen. Mit Erfolg!

Jetzt wurde die Löschung der Aufnahmen durch die Justiz erzwungen – noch bevor ein endgültiges Urteil vorliegt. [Kommentar]

Die Organisation Ariwa hatte die Aufnahmen im August 2024 veröffentlicht. Sie zeigen Schweine während der CO₂-Betäubung, die in Erstickungsnot panisch nach Luft schnappen.

Medien wie Plusminus (ARD) hatten berichtet.

Das Verfahren soll legal sein und in 80 % der Betriebe in Deutschland eingesetzt werden. Etwa 32 Millionen Schweine im Jahr müssen in Deutschland dieses Verfahren durchleiden. Es ist der Standard.

Doch vor Kurzem sind die Aufnahmen von der Website von Ariwa verschwunden! Statt der Videos sieht man nur einen Platzhalter.

Ariwa musste die Aufnahmen vom Server löschen.
Bild: Screenshot ariwa.de

Der Schlachthof will nicht, dass die Öffentlichkeit die Bilder sieht. Und jetzt kam es zur vorläufigen Zwangsvollstreckung – ohne endgültiges Urteil.

Im Zweifel für die Wahrheit? Offensichtlich war das hier nicht der Fall!

CO₂‑Betäubung nur legal, weil niemand davon mitbekommt?

Die Betäubung von Schweinen mit CO₂ ist wohl nur deshalb legal, weil eine informierte Debatte über das Thema verhindert wird. Weil sich Schlachthöfe systematisch vor der Öffentlichkeit abschotten, ihre Interessen im Geheimen abstimmen.

Weil sie die Öffentlichkeit belügen, was das Wohl der Tiere betrifft.

Viel zu oft lässt sich die deutsche Justiz für die Marketinginteressen der Tierindustrie einspannen. Als handele es sich um ein Werbeversprechen. Als wäre das Tierschutzgesetz nichts weiter als eine unverbindliche Willensbekundung.

Dabei hat Abschottung im "Transparenz"-Mäntelchen System.

Schlachthofbetreiber Niko Brand, hatte damals behauptet, die Videos seien verfälscht worden. Eigene Aufnahmen hat der Schlachthof indes nicht veröffentlicht.

Auch meine offizielle Presse-Anfrage nach einem Video-Report vor Ort blieb ohne Erfolg.

Im Februar hatte der NDR bei 10 der größten Schlachtunternehmen nach einer Drehgenehmigung gefragt – und keine einzige erhalten.

Bis heute wirbt der Schlachthof Brand Qualitätsfleisch in Lohne mit Transparenz und dem Austausch mit einer kritischen Öffentlichkeit.

Die Transparenz-Lüge gehört offenbar zum Marketing-Konzept.

Der Duden definiert die Lüge als "bewusst falsche, auf Täuschung angelegte Aussage".
Transparenz-Versprechen des Schlachthofes Brand / Lohne.
Bild: Screenshot (Stand: 2.7.2025)

Regelrecht höhnisch wirkte vor diesem Hintergrund die PR-Posse des Schlachthofes im August!

Einzelne, ausgewählte Lokalredakteure durften in den Schlachthof – und verzichteten brav darauf, Videos aus der CO₂-Betäubung zu zeigen.

Sie haben den Elefanten im Raum kurzerhand ignoriert.

Aus meiner Sicht fehlte in den Artikeln nur noch eine Kennzeichnung als Werbung.

Staat schützt Lügen-Interesse des Schlachthof Brand

Deshalb schreibe ich "Lügen-Schlachthof". Weil er Transparenz verspricht, aber inszeniertes Blabla liefert. Weil er authentische Aufnahmen aktiv bekämpft und eine informierte Willensbildung blockiert.

Übrigens: Eine Projektförderung in Höhe von mehr als 125 000 Euro aus Steuergeldern hat der Schlachthof gern angenommen.

Das Verhalten des Schlachthofes Brand Qualitätsfleisch in Lohne ist symptomatisch für große Teile der Fleischbranche.

Eine vorläufige Zwangsvollstreckung, um Aufnahmen aus der Öffentlichkeit zu entfernen, die einem Schlachthof nicht ins Werbe-Konzept passen … Das wirkt, als hätte Deutschland ein Tierschutzgesetz, das nur im öffentlichen Raum gilt.

Sobald Tierhalter und Schlachthöfe die Tore schließen, hat sich das Tierschutzgesetz in der Praxis offenbar weitgehend erledigt.

Daher darf man nicht vergessen: Tierschutz muss rechtlich durchsetzbar sein. Dazu muss die Öffentlichkeit Gelegenheit haben, sich eigene Eindrücke zu verschaffen.

Gerade jetzt müssen Tierfreunde umso genauer hinsehen – und zusammenhalten.

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

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