Klatsche vor Gericht: Likör ohne Ei bleibt erlaubt! [Kommentar]

- Ein Schutzverband der Spirituosenindustrie klagte gegen den Hersteller eines veganen "Likörs ohne Ei". Es geht vordergründig um die Frage: Darf der das eigentlich – und täuscht das Verbraucher?
- Der Vegan-Hersteller sagt: Ist doch gar kein "Eierlikör", sondern ausdrücklich "Likör ohne Ei". Wie soll man das missverstehen?
- Richter schließen sich an und sagen: "Likör ohne Ei" darf weiter so heißen. Wo kämen wir denn da hin!
Manchmal treibt es seltsame Blüten, wenn Hersteller von Tierprodukten versuchen, der tierfreundlicheren Konkurrenz riesige Steine in den Weg zu legen.
Und mitunter haben sie damit sogar Erfolg – ganz jenseits von Sinn und Verstand.
Erst kürzlich hatte etwa die EU-Kommission entschieden, dass vegane Würstchen nicht mehr so heißen sollen.
Den Wählern wurde die verrückte Abstimmung mit "Verbraucherschutz" verkauft. Ein schwerbesoffener Komapatient könnte sie verwechseln, so die Logik – und versehentlich ein Produkt kaufen, das kein krebserregendes Fleisch enthält.
Zuvor war es der europäischen Milch-Lobby bereits gelungen, Sprachverbote für Milchalternativen einzuführen. Die dürfen nicht als "Milch" beworben werden.
Und dann gibt es noch diese Lichtblicke.
Ein Schutzverband aus der Spirituosenbranche hatte nämlich einen Hersteller verklagt, der (neben herkömmlichem Eierlikör) auch einen veganen Likör mit dem Namen "Likör ohne Ei" vertreibt. → Wir hatten berichtet.
Die Argumentation des Verbands lautete ungefähr so: "Likör ohne Ei" klingt zu sehr nach "Eierlikör", daher möge das Gericht dem Hersteller der veganen Alternative bitte schön auf die ... Eier gehen.
Nicht, dass ein Verbraucher noch denkt, ein "Likör ohne Ei" enthielte Ei ...
Der Hersteller des veganen Likörs argumentierte damit, dass in "Likör ohne Ei" das Wort "Eierlikör" nicht einmal vorkomme. Was in der Tat bestechend logisch ist.
Manch einem Richter am Landgericht Kiel müsste beim Kopfschütteln über diesen Streit wohl die gepuderte Lockenperücke vom Haupte gefallen sein – wenn er denn eine gehabt hätte.
Und so mündete die Sache in eine schallende Vollklatsche für den Schutzverband, die noch meilenweit zu hören war. Dessen Vorsitzender ist praktischerweise zugleich Geschäftsführer eines Eierlikör-Herstellers!
Der "Likör ohne Ei" darf weiter so heißen. Und wir belassen ihn in unserer Übersicht veganer Eierlikör-Alternativen.
Jedenfalls vorerst. Denn der Schutzverband will in Berufung gehen.
Übrigens: Eierlikör ist selbst ein Ersatz. Ursprünglich hatten niederländische Kolonialisten nämlich ein Getränk aus Südamerika in die Heimat gebracht, das auf Avocados basierte und "Advocaat" genannt wurde.
Doch weil Avocados im Norden schwer verfügbar waren, ersetzte man sie durch Eier. → Zu den Hintergründen.
Vielleicht entscheidet ja künftig einmal ein Gericht, dass Eierlikör bloß ein billiger Ersatz ist und man bitte trinken soll, was einem schmeckt. Solange es nicht auf Kosten anderer geht.
Danke für den Hinweis an Anna!
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig











