Vegan-Zwang? DAS steckt hinter Kampagne vom Schweizer Bauernverband! [Kommentar]

Droht ein „Vegan-Zwang“ in der Schweiz? Was steckt wirklich hinter der reißerischen Kampagne des Schweizerischen Bauernverbands?
Warum der Verband in praktisch allen Punkten falsch liegt – und sogar desinformiert –, erfahrt ihr hier.
Wie viel Vegan-Zwang droht in der Schweiz wirklich?
Ein Vegan-Zwang – wie bitte? Man reibt sich verwundert die Augen, denn: Die Zahl der Veganer liegt in der Schweiz bei unter einem Prozent. [1] Nichts geht auch nur in diese Richtung.
99 von 100 Menschen leben in der Schweiz nicht vegan. Im europäischen Veggie-Vergleich liegt die Schweiz weit zurück.
Die Warnung vor einem Vegan-Zwang ist also bereits Fake. Das zentrale Kampagnen-Motto des Schweizerischen Bauernverbands: frei erfunden!
Worum geht es beim angeblich drohenden „Vegan-Zwang“ also wirklich?
Der Schweizer Bauernverband ist eine mächtige Agrar-Organisation, geübt in politischer Kampagnenführung und mit starkem, politischem Einfluss.
In der Vergangenheit hatte er Initiativen bekämpft, die sich für kleinbäuerliche Landwirtschaft, den Schutz des Trinkwassers, für Tierschutz oder einen geringeren Einsatz von Pestiziden einsetzten. Jetzt ist die Initiative für sichere Ernährung dran.
Warum die Schweiz so stark vom Ausland abhängig ist
Ein flächenmäßig winziges Land mit viel Tierhaltung – das geht nur, wenn man Getreide und Soja aus dem Ausland importiert, um die Tiere in den Ställen zu füttern.
Auch Rinder auf idyllischen Bauernhöfen bekommen oft Futter aus dem Ausland. Insgesamt wird etwa die Hälfte des Fleisches in der Schweiz mit Importfutter produziert. [2]
Doch kaum ein Verbraucher weiß etwas davon. Auch in der Schweiz werben Tierhalter lieber mit idyllischen Naturfotos, als mit Monokulturen in ehemaligen Urwaldgebieten. Auch, wenn es nicht der Wahrheit entspricht.

Kommt es auf dem Weltmarkt zu Krisen – etwa durch Handelskonflikte, Dürren, steigende Düngerpreise, Unwetter oder Störungen im Transport –, dann haben die Länder das Nachsehen, die stark von Importen abhängen.
Ernährungssicherheit: Initiative will Schweiz aus Abhängigkeit befreien
Um die Abhängigkeit der Schweiz vom Ausland zu verringern, wurde vor rund einem Jahr die Initiative für eine sichere Ernährung vorgestellt (meist kurz als „Ernährungsinitiative“ bezeichnet). [3]
Die fordert im Kern: mehr Selbstversorgung bei der Erzeugung von Lebensmitteln in der Schweiz. Und: Umverteilung von Steuergeldern, statt einseitiger Subventionierung von Massentierhaltung.
Warum ist der Schweizerische Bauernverband gegen mehr Unabhängigkeit der Schweiz?
In der Schweiz bekommen Landwirte im Durchschnitt etwa die Hälfte ihres Einkommens direkt vom Staat. Die Subventionen, Direktzahlungen, Förderungen und Nothilfen unterscheiden sich dabei von Betrieb zu Betrieb.
Weil Subventionen oft nach Fläche ausbezahlt werden, bekommen große Tierhaltungsbetriebe in der Regel deutlich mehr Geld als kleine Gärtnereien. Ein System, das die Abhängigkeit der Schweiz von Importen weiter vergrößert.
Einzelne profitieren davon, wenn die Allgemeinheit zahlt.

Alle Schweizer bezahlen die Tierindustrie – auch Veganer
In der Schweiz zahlen alle Bürger dafür, dass Tierprodukte gegenüber anderen Lebensmitteln bevorzugt werden.
Nicht Faktoren wie Umweltfreundlichkeit oder gesundheitliche Aspekte bestimmen den Erfolg von Nahrungsmitteln. Die staatliche Förderung von Tierprodukten drückt die Preise und hebelt so die Mechanismen des Wettbewerbs praktisch aus.
Und wegen der Steuerpflicht kann man tatsächlich von einem Zwang sprechen, die Tierindustrie zu fördern.
Ganz egal, wie viele Tierprodukte man selbst isst: jeder bezahlt mit!
Es gibt in der Schweiz also keinen Vegan-Zwang – aber durchaus einen Nichtvegan-Zwang.
Der Schweizer Bauernverband hat die Tatsache in dieser Hinsicht also geradewegs auf den Kopf gedreht. Das Gegenteil ist der Fall!
Das bringt die Landwirte in Erklärungsnot, die ja gerade nicht zeigen, wie Tierhaltung in der Schweiz wirklich aussieht.
Und vielleicht ist das Raunen über den vermeintlichen „Vegan-Zwang“ am Ende nur ein Versuch, davon abzulenken.
Von einem „Nein“ zur Ernährungsinitiative profitiert vor allem eine Industrie: die Massentierhalter.
Der Bundesrat der Schweiz lehnt die Ernährungsinitiative zum aktuellen Zeitpunkt ab.
Quellen
- https://de.statista.com/them[...]eganismus-in-der-schweiz/
- https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch/faq[...]sichere-ernaehrung.ch/faq
- https://www.initiative-fuer-eine-sichere-ernaehrung.ch/[...]ne-sichere-ernaehrung.ch/
- https://globe-swiss.ch/file[...]hema%20Nitrat_Zyklus3.pdf
- https://www.srf.ch/wiss[...]een-schlummert-die-gefahr
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig










