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Blutige Zitzen, tote Kälber: Enthüllungen erschüttern - Vorbild-Milchbetrieb in der Kritik!

Undercover-Recherche deckt Tierquälerei im "Vorbildsbetrieb" auf.
Undercover-Recherche deckt Tierquälerei im "Vorbildsbetrieb" auf.
Bild: Animal Equality Germany e. V.
Dieser Artikel war Gegenstand einer juristischen Auseinandersetzung. Ein Anwalt hatte mich, den Autor und Betreiber von Vegpool, mit einer Abmahnung aufgefordert, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben. Nachdem mein Medienanwalt die Forderungen geprüft hatte, habe ich den Artikel wieder online gestellt. Zudem habe ich freiwillig den Hinweis auf die Blauzungenkrankheit im Betrieb ergänzt. Die geforderte strafbewehrte Unterlassungserklärung gebe ich nicht ab. Die ursprüngliche Erstveröffentlichung war im Dezember 2025.

Diese Bilder aus einem vermeintlichen Vorzeige-Milchbetrieb in Norddeutschland haben so gar nichts zu tun mit der Weide-Idylle in der Milchwerbung!

Ein Ermittler der Tierschutzorganisation Animal Equality hat in den Jahren 2024 und 2025 offenbar mehrere Monate verdeckt im "Horster Hof" in Bützow mitgearbeitet – und erschütternde Zustände in dem Milchkuhbetrieb dokumentiert.

Dabei galt der Milchbetrieb in Branchenkreisen als besonderes Beispiel – als Vorbild für andere Milchbauern. [1][2]

Selbst der NDR hatte vergangenes Jahr über das junge Betreiberpaar geschwärmt, das "vieles anders machen" wolle, inklusive "mehr Qualität beim Tierwohl". Eine rührende Story! [3]

Die neuen Undercover-Ermittlungen vermitteln indes ein ganz anderes Bild!

Wie sehr leiden die Tiere im angeblichen Vorbildbetrieb?

Animal Equality berichtet von

  • Einsatz von Elektroschocks gegen kranke Tiere, auch durch die Betriebsleiterin selbst,
  • klaffenden, blutigen Wunden an Zitzen von Kühen, die dennoch gemolken wurden,
  • Schlägen, Tritten und sogar Messerstichen durch Mitarbeiter,
  • kranken Tieren, die keine angemessene medizinische Versorgung erhalten.

Im Zeitraum der Ermittlungen sollen mindestens 48 Tiere auf dem Betrieb gestorben sein.

Den Tierschützern zufolge soll der Betrieb eine Kontrolle des Industrie-Labels "QM+" nur deshalb bestanden haben, weil sie vorher angekündigt war.

Kritiker sagen, die Industrie zeichnet sich mit dem "QM"-Label selbst aus. Durch die Vorankündigung könnten selbst notorische Tierquäler eine Zertifizierung erhalten. Zu den Initiatoren des Siegels gehören der Deutsche Bauernverband und der Milchindustrie-Verband.
Eine Frau quält eine Kuh mit einem Elektroschocker.
Eine Frau quält eine Kuh mit einem Elektroschocker.
Bild: Animal Equality Germany

Mehr Tiere gestorben als gemeldet wurden?

Laut internen Chatnachrichten sollen auf dem Großbetrieb deutlich mehr Tiere gestorben sein, als offiziell gemeldet, sagt Animal Equality. Auf Nachfrage stellte ein Sprecher unserer Redaktion das konkrete Zitat zur Verfügung.

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In einem Monat sollen demnach 17 Kälber gestorben sein – während offiziell nur zwei gemeldet wurden.

Animal Equality kritisiert auch mangelnde Sachkunde. Die Betriebsleiterin habe laut einem Medienbericht zwar eine Ausbildung in Bio- und Gemüsebau, wirke mit der Haltung hunderter Rinder jedoch überfordert, so die Tierschützer.

Allerdings fordert das Gesetz keine verpflichtenden Sachkundenachweise, Mindestanforderungen oder gar Prüfungen.

Deshalb kann selbst ein Betrieb mit hunderten Rindern legal von Personen geführt werden, die nicht über ausreichende Fachkenntnisse verfügen.

Pikant: Der "Horster Hof" hat jüngst eine Vergrößerung angekündigt – auf 1.246 Rinderplätze. [4]

Tierärzte sprechen von Tierquälerei

Animal Equality hat die Aufnahmen externen Tierärzten vorgelegt. Die halten viele Handlungen für tierschutzwidrig – und illegal! Die Tierschützer haben Anzeige gegen die Inhaberin des Milchbetriebs, sowie gegen mehrere Mitarbeiter erstattet.

Jetzt muss ein Gericht entscheiden, ob sich die Hof-Erbin oder ihre Mitarbeiter durch Tierquälerei strafbar gemacht haben.

Betreiberin weist Vorwürfe zurück

Die Betreiberin des Hofes, Fenja Meiners, hat die Vorwürfe auf Nachfrage zurückgewiesen, dass 17 Kälber in einem Monat gestorben seien oder dass eine verletzende Melkmaschine im Einsatz gewesen sei.

Sie müsse die Vorwürfe erst prüfen. Verletzungen ließen sich jedoch nie vollständig vermeiden, schrieb sie. Zugleich deutete sie an, der Undercover-Ermittler hätte sie möglicherweise nicht über Verletzungen informiert.

Sie teilte zudem mit, dass ihr Betrieb von der Blauzungenkrankheit betroffen gewesen sei, die für viele Tiere tödlich ist.

Allzu große Sorgen muss sich die Hof-Erbin dennoch nicht machen. Selbst langanhaltende und notorische Verstöße gegen geltendes Tierschutzrecht werden meist mit Geld- oder Bewährungsstrafen geahndet – oder ganz eingestellt.

Tierhaltungsverbote und abschreckende Strafen sprechen deutsche Gerichte praktisch nie aus. Das haben juristische Auswertungen ergeben. [5]

Meinung:

Solange selbst notorische Tierquäler ungestraft mit "Tierwohl" werben und Verbraucher täuschen können, solange der Staat das Tierschutzgesetz nicht wirksam vollzieht, solange muss man als Kunde damit rechnen, dass Tierprodukte aus Tierquälerei kommen.

Dieser Fall scheint wie ein weiterer Beweis in einer schier endlosen Kette.

Blutige Wunden an den empfindlichen Zitzen, Haltungsschäden durch Betonböden, Eiter, Blut und Kot in der Milch – all das können ungeschulte Verbraucher selbst bei einem Besuch vor Ort kaum erkennen und einschätzen.

Eine pflanzenbasierte Ernährung verzichtet auf industrielle Tierhaltung und fördert Betriebe, die umweltschonendere Lebensmittel erzeugen, ohne die Tierquälerei und die Ressourcenverluste der Tierindustrie.

Praktischer Tierschutz geht ganz einfach: Pflanzlich(er) essen mit der Salami-Taktik.

Update vom 10.12.2025: Die Betreiberin hat auf meine Anfrage geantwortet und ich habe den Artikel aktualisiert!
Update vom 8.1.2026: Ich habe den Artikel um den Hinweis auf die Blauzungenkrankheit ergänzt (Stellungnahme der Betreiberin).

Quellen

  1. Artikel im Branchenmagazin Elite-Magazin: https://www.elite-magazin.de/herdenmanagement/eine-starke-mannschaft-23030.html
  2. Artikel im Branchenmagazin Top-Agrar: https://www.topagrar.com/betriebsleitung/news/warum-entscheiden-sich-junge-leute-fuer-die-landwirtschaft-20004261.html
  3. https://www.ndr.de/fern[...]-dann,sendung1281372.html
  4. https://www.stalu-mv.de/mm/S[...]essor.sa.pressemitteilung
  5. https://www.lto.de/rech[...]etz-sanktionen-verfolgung

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

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Diskussion im Forum:
Tierquälerei auf Vorbild-Milchbetrieb?
Letzter Beitrag: 12. Jan. von kilian.

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