Penny: Patenschaft für Schafe nur Tierschutz-Fake? [Kommentar]

Was hat es denn eigentlich mit dieser Patenschaft für Schafe zu tun, die sich der Discounter Penny jüngst ausgedacht hat!? [Kommentar]
Nachdem im Januar eine Herde Schafe in eine Filiale des Discounters gelaufen ist, gab es viel zuckersüße Berichterstattung in den Medien, viele neue Memes – und damit Gratis-Reichweite für Penny.
"Irgendwas müssen wir da daraus noch machen", muss sich jemand gedacht haben.
Und nach "Irgendwas" sieht es aus, was daraus geworden ist!
Penny kündigt Patenschaft für Schafe an – aber …
In einer Pressemitteilung verkündet Penny, "humorvoll und verantwortungsvoll" zu reagieren – und eine "Patenschaft" für 700 Schafe zu übernehmen. [1]
Der Titel der Pressemitteilung klingt tatsächlich beeindruckend: "Määhga Aktion in Burgsinn: PENNY übernimmt Patenschaft für 700 Schafe".
Stutzig macht das, wenn man eine ungefähre Vorstellung von den Kosten hat, die mit der Rettung von Tieren verbunden sind.
Rechnen wir es kurz nach:
- Die Lebenskosten für ein Schaf auf einem Lebenshof liegen bei ungefähr 35–42 Euro pro Monat. Bei 700 Schafen sind das 24.500 Euro pro Monat.
- Bei einer Lebenserwartung zwischen 10 und 20 Jahren kostet ein einziges Schaf demnach im Schnitt 4200 Euro – sofern es sich an die statistische Lebensdauer hält.
- Eine Patenschaft für 700 Schafe kostet also Pi mal Daumen 3 Millionen Euro über 10 Jahre. Inflation und Co. nicht einberechnet.
Für eine spontane Werbeaktion wäre das ein ordentlicher Batzen!
Patenschaft oder Tierschutz-Fake?
Ruft man die volle Pressemitteilung auf, findet man den Hinweis, Penny übernehme eine Patenschaft für 700 Schafe "und stellt das Winterfutter bereit."
Also was jetzt? Patenschaft und Winterfutter? Oder ist das Winterfutter die "Patenschaft"?
Also habe ich bei Penny angefragt – und bekam eine deutliche Ansage:
[...]wir haben klar kommuniziert, dass wir für die 700 Schafe ausschließlich das diesjährige Winterfutter spenden Leiter Unternehmenskommunikation / Mediensprecher PENNY
Meine Anfrage und die Antwort findet ihr im Forum.
Will Penny nun also Schafschützer sein – oder wenigstens Schafe schützen, die noch im Babyalter sind?
Lammfleisch ist im Angebot der Märkte und wird es auch bleiben. Leiter Unternehmenskommunikation / Mediensprecher PENNY
Keine Tierschutz-Patenschaft
Dass es keine Patenschaft im Sinne von Tierschutz-Patenschaft ist, habe ich mir schon beim Titel der Schlagzeile gedacht – weil mir bekannt ist, dass eine Rettung von 700 Schafen viel Geld kostet.
Doch weil Penny mit dem "Patenschaft"-Begriff auf eine typische Form der Tierschutz-Finanzierung anspielt (und weil nicht jeder weiß, was Lebenshöfe kosten), ist Nachfragen umso wichtiger.
Nicht, dass dann wieder Märchen die Runde machen – und Verbraucher glauben, da wären gar Tiere gerettet worden.
Penny macht sich zum Paten vom Schäfer
Aus meiner Sicht gibt es einen Gewinner, und das ist der Schäfer.
Der könnte sich mit dem gesparten Geld einen neuen Elektrozaun kaufen – damit ihm die Schafe nicht erneut entwischen.
Gerade vor Ostern wäre das blöd – da ist schließlich Lammfleisch-Saison!
Warum blitzt in meinem Kopf ständig dieses komische Wort auf: "Halo-Effekt"!?
Den Halo-Effekt nutzen doch Tierhalter so gerne: Posieren mit niedlichen Tierbabys, damit Verbraucher sie für echte Tierfreunde halten.
Was hat das mit Penny zu tun? Ich weiß es nicht. Ihr vielleicht?
Stellen wir noch etwas klar: Nur weil mir die Aktion nicht gefällt, bin ich kein Aktivist oder Penny-Hasser.
Ich kaufe gelegentlich bei Penny ein. Das Vegan-Sortiment der Eigenmarke "Food for Future" ist gut und Penny startet regelmäßig interessante Vegan-Aktionen.
Doch diese Nummer mit der angedeuteten "Patenschaft" für Schafe, die eigentlich bloß dem Schäfer nützt, ist mir dann doch zu billig.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig









