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Prozess: Kaninchenzüchter geht gegen Tierschützer vor - Zensur? [Kommentar]

Undercover-Aufnahmen aus der Kaninchenblutfarm.
Diese Aufnahmen sollen laut SOKO Tierschutz e. V. aus dem Betrieb in Kissing stammen.
Bild: SOKO Tierschutz e. V. (bearb.)

Im Herbst 2025 hatten Medien über einen Kaninchenzüchter in Kissing bei Augsburg berichtet. Der Hof ist in der Region als netter Bauernbetrieb mit Herz für die Natur bekannt. Doch hinter der Marketing-Idylle befinden sich offenbar große, anonyme Hallen mit hunderten Kaninchen in Käfiganlagen – um ihr Blut zu gewinnen. Laut Medienberichten soll es sich um den "Asamhof" in Kissing handeln. [1][2]

Zu den Abnehmern des Bluts gehörte nach Medienangaben offenbar die Firma Siemens. [3]

Manche sprachen von einer "Schattenfarm", abgeschottet vor den Blicken der Öffentlichkeit. Es scheint, als sollten möglichst wenige Menschen davon erfahren. Umso größer war der öffentliche Aufschrei, als die Organisation SOKO Tierschutz e. V. den Skandal öffentlich gemacht hatte.

Einstweilige Verfügung gegen Tierschützer – Zensur gegen Kritiker?

Manchmal versprechen Tierhalter nach kritischer Berichterstattung Besserung. Mehr öffentliche Kontrolle, mehr Kommunikation. Sie wollen Vertrauen wiederherstellen. Auch, wenn es nicht immer klappt.

Der Kissinger Kaninchenzüchter hat sich offenbar für einen anderen Weg entschieden.

In einem juristischen Verfahren haben die Betreiber der Kissinger Kaninchen-Blutfarm offenbar eine einstweilige Verfügung gegen SOKO Tierschutz erwirkt.

Bis zur gerichtlichen Entscheidung ist es der gemeinnützigen Organisation demnach untersagt, den Namen des Betriebs zu nennen. Nach eigenen Angaben darf sie nicht einmal über Alternativen kommunizieren.

Die Hauptverhandlung zur "Zensurverfügung" (SOKO Tierschutz) findet heute am Landgericht Augsburg statt!

Eine Entscheidung soll heute getroffen werden. Wir werden den Artikel umgehend aktualisieren, wenn uns Neuigkeiten vorliegen.

Updates zum Verfahren

23.01.2026: Das Urteil wurde vertagt. Ein Urteil soll voraussichtlich am 6. Februar 2026 gesprochen werden. Das hat SOKO Tierschutz e. V. mitgeteilt.

Juristische Verfahren gegen Tierschützer – neue Strategie der Tierindustrie?

Juristische Verfahren der Tierindustrie gegen Tierschützer scheinen momentan in Mode zu sein. Im Sommer wurden zwei Aktivisten verklagt, weil sie heimlich Aufnahmen aus der CO₂-Betäubungsanlage des Schlachthofes Brand in Lohne veröffentlicht hatten – und dabei erwischt wurden. ("Schlachthofprozess").

Obwohl die Videos nach Ansicht eines Richters glaubwürdig waren (und der Schlachthof bis heute irreführend mit Transparenz wirbt), wurden die jungen Ermittler gerichtlich gezwungen, die Aufnahmen offline zu nehmen. Noch bevor ein endgültiges Urteil feststand!

Bis heute kann sich der Schlachthof vor der öffentlichen Debatte drücken – und das, obwohl er nach Vegpool-Recherchen mindestens 125.000 Euro aus öffentlichen Steuergeldern als Projektförderung erhalten hat.

Auch unsere Redaktion wurde kürzlich von einem Tierhaltungsbetrieb juristisch abgemahnt. In einem Artikel hatten wir über Vorwürfe der Tierquälerei gegen einen Milchbetrieb berichtet.

Nach einer Prüfung durch einen auf Medienrecht spezialisierten Anwalt ist der Artikel wieder online. Jetzt ist offen, ob der Betrieb eine einstweilige Verfügung beantragen wird. Doch das Risiko müssen wir eingehen.

Wenn Risiko bedeuten würde, gar nicht mehr berichten zu können, müssten wir dichtmachen. Deshalb sind klare Urteile für die Presse- und Redefreiheit von großer Bedeutung.

SLAPP-Klagen gegen Tierschützer

Juristische Angriffe auf gemeinnützige Organisationen und unabhängige Redaktionen dienen oft nicht nur der Klärung von Recht und Gesetz – sondern auch der Einschüchterung - sagen Kritiker. Sie sprechen von "SLAPP"-Verfahren. Deren Zweck soll es sein, kleine Vereine und Unternehmen finanziell und nervlich zu ruinieren.

Getroffen werden Einzelne – gemeint sind alle, die sich für eine informierte Debatte rund um die Haltung von Tieren einsetzen. Deshalb ist Zusammenhalt so wichtig.

Versuche, eine Berichterstattung zu zensieren, machen es für Verbraucher und Gesellschaft noch schwerer, informierte Entscheidungen zu treffen. Denn kaum ein gewerblicher Mastbetrieb, Schlachthof oder Tierversuchs-Betrieb ermöglicht es, einen echten Einblick zu erlangen.

Gleichzeitig werben viele Betriebe mit erfundenen "Tierwohl"-Siegeln, die keinerlei Garantien bieten können, was das Wohl der Tiere betrifft.

Ob der Kaninchenzüchter von Kissing vor Gericht Recht bekommt?
Wir halten euch auf dem Laufenden!

Update 23.1.2026, 13:41 Uhr: Ergänzung, dass Urteilsspruch vertagt wurde.
Update 23.1.2026, 12:09 Uhr: Ich habe den Link zum Artikel bzgl. der 125.000 Euro Projektförderung für Schlachthof Lohne eingefügt.

Veröffentlichung:

Autor: Kilian Dreißig

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Diskussion im Forum:
Kaninchen-Blutfarm: Betreiber geht gegen Tierschützer vor
Letzter Beitrag: 04. Feb. von Crissie.

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