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Fleisch gegen Alzheimer: Wie seriös ist neue Studie aus Schweden? [Faktencheck]

Beugt hoher Fleischverzehr der Alzheimer-Demenz vor? (Symbolbild)
Bild: K/Vegpool / Canva

Aktuell berichten mehrere Medien über eine neue Studie zum Zusammenhang zwischen Fleisch, Demenz und Alzheimer. Demnach könnte ein höherer Fleischkonsum die Entwicklung von Alzheimer hinauszögern.

Doch wie seriös sind diese News-Artikel? Und was taugt die Studie über Fleisch und Alzheimer selbst?

Wir haben die Studie auf Seriosität untersucht und erklären, welche Schlüsse man daraus ziehen kann – und welche nicht.

Die Studie wurde im JAMA Network Open veröffentlicht. [1] Finanziert wurde sie durch öffentliche und gemeinnützige Einrichtungen, etwa den Swedish Research Council und Alzheimer-Stiftungen. Hinweise auf eine Einflussnahme durch die Industrie gibt es nicht.

Kurz-Fazit vorab: Die Studie wirkt seriös, zeigt jedoch keinen Beweis dafür, dass Fleisch Alzheimer vorbeugt – auch wenn manche Medien das so verkürzt darstellen.

Fleisch und Alzheimer: Worum geht es in der Studie?

Die Studie untersucht, ob und wie sich die Aufnahme von tierischem Protein (z. B. aus Fleisch) im Vergleich zu pflanzlichem Protein auf die geistige Entwicklung im Alter auswirkt. Besonderes Augenmerk lag darauf, ob sich die Effekte je nach genetischer Veranlagung unterscheiden.

Im Fokus stand dabei eine bestimmte Genvariante (APOE), die mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko in Verbindung gebracht wird.

Studiendesign: Was wurde genau gemacht?

Es handelt sich um eine sogenannte Beobachtungsstudie. 2.157 ältere Menschen wurden über viele Jahre hinweg befragt und regelmäßig untersucht.

Die Ernährung wurde über Fragebögen erfasst, in denen die Teilnehmer angaben, wie häufig sie bestimmte Lebensmittel konsumieren. Solche Methoden sind in großen Studien üblich.

Ergebnisse: Schützt Fleisch vor Alzheimer und Demenz?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein höherer Anteil an tierischem Protein mit einem langsameren kognitiven Abbau verbunden sein könnte – zumindest in bestimmten Gruppen. Ein klarer Schutz vor Demenz lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Beim entscheidenden Endpunkt, nämlich der tatsächlichen Entwicklung von Demenz, zeigte sich kein statistisch eindeutig abgesicherter Unterschied zwischen den genetischen Gruppen.

Auch insgesamt waren die Effekte auf Demenz deutlich schwächer und weniger konsistent als bei den kognitiven Testergebnissen.

Mit „kognitiven Testergebnissen“ sind standardisierte Tests gemeint, die etwa Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Sprachfähigkeit prüfen. Sie zeigen kleine Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit, sind jedoch nicht gleichbedeutend mit einer Erkrankung wie Demenz.

Wie aussagekräftig ist die Fleisch-Alzheimer-Studie?

Die Studie zeigt keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Als Beobachtungsstudie kann sie nur Zusammenhänge feststellen, aber nicht belegen (oder ausschließen), dass eine bestimmte Ernährung tatsächlich die Ursache für einen Effekt ist.

Beispiel: Dass bei Regen viele Menschen einen Regenschirm tragen, bedeutet nicht, dass Regenschirme die Straße nass machen.

Weitere wichtige Einschränkungen:

  • Ernährungsangaben beruhen auf Selbstauskunft und können ungenau sein
  • Andere Einflussfaktoren (z. B. Lebensstil oder Bildung) lassen sich nicht vollständig ausschließen. Zum Beispiel könnten Menschen mit höherem Anteil tierischer Lebensmittel anders verdienen oder medizinisch besser versorgt sein. Solche Unterschiede lassen sich statistisch nur teilweise herausrechnen.
  • Die auffälligsten Ergebnisse zeigen sich vor allem bei kognitiven Testergebnissen, sind aber beim klinisch relevanten Endpunkt Demenz deutlich schwächer. Das ist ein wichtiger Unterschied: Kleine Veränderungen in Tests lassen sich leichter messen als echte Erkrankungen wie Demenz.
  • Unterschiede je nach Genotyp sind für Demenz statistisch nicht eindeutig abgesichert
  • Es wurden viele Auswertungen gleichzeitig gemacht. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Ergebnisse rein zufällig bedeutsam wirken – auch wenn kein echter Zusammenhang besteht.
  • Survivorship-Bias: Wenn Teilnehmer krank werden oder sterben, werden ihre Daten ausgeschlossen. Dadurch wird die Datenlage automatisch zugunsten robusterer Teilnehmer verzerrt.

Ein zentraler Schwachpunkt ist die Erfassung der Ernährung:

Die Angaben beruhen auf Ernährungsfragebögen (FFQ) zur Selbstauskunft – nicht auf Ernährungstagebüchern oder konkreten Verzehrprotokollen.

Ernährungsfragebögen liefern nur grobe Schätzungen. Menschen erinnern sich oft ungenau, schätzen Mengen falsch ein oder geben Antworten, die sie für „erwünscht“ halten. Zudem können sich Ernährungsgewohnheiten über die Jahre verändern, ohne dass dies vollständig erfasst wird.

Dadurch können die Ergebnisse verzerrt werden.

Was bedeutet die Studie zu Fleisch und Alzheimer für euch?

Die Studie liefert Hinweise auf mögliche Zusammenhänge, die weiter untersucht werden müssen.

Für konkrete Ernährungsempfehlungen reicht das jedoch nicht aus. Aus solchen Studien kann nicht abgeleitet werden, dass ein höherer Fleischkonsum Alzheimer vorbeugt.

Fazit zur Alzheimer-Studie aus Schweden

Die Studie ist methodisch solide durchgeführt, seriös finanziert und liefert interessante Hinweise für die Forschung.

Ihre Aussagekraft für den Alltag ist jedoch stark begrenzt: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen belegen kann.

Besonders zentrale Aussagen – etwa Unterschiede je nach Genotyp oder Effekte auf Demenz – sind statistisch nicht eindeutig abgesichert.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Ernährung muss immer im Gesamtzusammenhang bewertet werden. Für bestimmte Formen von Fleischkonsum – insbesondere verarbeitete Produkte – gibt es eine breite Studienlage, die mit gesundheitlichen Risiken in Verbindung gebracht wird. Faktencheck: Wie krebserregend ist Fleisch?

Eine einzelne Studie, die einen möglichen positiven Zusammenhang zeigt, ändert diese Gesamtbewertung nicht.

Medienberichte verkürzen diese Einschränkungen oft oder lassen sie ganz weg. Aus vorsichtigen wissenschaftlichen Hinweisen werden so schnell scheinbar klare Aussagen.

Das ist nicht der Fall: Die Studie liefert keinen belastbaren Beleg dafür, dass Fleisch oder ein höherer Anteil tierischen Proteins Alzheimer vorbeugen. Ein direkter Schutz-Effekt von Fleisch gegen Alzheimer ist wissenschaftlich nicht belegt.

Danke für den Hinweis an Nutzer Kiebitz22.

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Autor: Kilian Dreißig

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Alzheimer-Studie aus Schweden: Schützt Fleisch vor Demenz?
Letzter Beitrag: 05. Apr. von Dana.

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