Bio-Tierhalter gegen Weidepflicht: erfüllt EU Wünsche der Milch-Lobby?

Seit Monaten protestieren Bio-Milchbauern gegen eine EU-Regel, die ihnen vorschreibt, ihre Kühe künftig auf die Weide zu lassen. Richtig gelesen: Der Protest richtet sich gegen eine Weidepflicht für Bio-Milchkühe. Damit könnten sie nun tatsächlich einen Erfolg erzielen. Ein Kommentar.
Zu den Unterstützern der Proteste gegen eine Weidepflicht gehören Bio-Verbände wie Demeter, Bioland und Naturland, aber auch bekannte Bio-Marken wie die Molkerei Andechser.
Die Molkerei Andechser, zum Beispiel, wirbt am liebsten mit Bildern von freilaufenden Rindern auf der … Weide! In Wahrheit lobbyierte auch sie auf politischer Ebene aktiv gegen eine Weidepflicht!
Die Proteste der (angeblichen) Bio-Milchbauern sind beschämend. Sie machen Bio-Tierprodukte zu einem Symbol der Heuchelei!
- Rinder sind Weidetiere. Sie verbringen von Natur die meiste Zeit mit Grasen. Ihnen das Weiden vorzuenthalten bedeutet, ihnen ein fundamentales Grundbedürfnis zu verweigern. Brauchen Rinder Weiden? Der gesunde Menschenverstand kennt die Antwort!
- Die EU-Ökoverordnung stellte bereits 1999 klar, dass Bio-Kühe auf die Weide können sollen. Doch die EU-Regelung wurde von deutschen Behörden sehr lax ausgelegt. Deshalb haben viele Bio-Milchbauern offenbar jahrzehntelang gehofft, dass sie sich weiter durchmogeln und die Pflicht zur Weide unendlich hinausschieben können. Auf Kosten ihrer Kühe. Eine Generation lang!
- Dann hat die EU aber deutlich gemacht: Bio-Kühe müssen auf die Weide können. Und zwar ab 2026! Sonst verlieren die Tierhalter das Bio-Siegel. Strafen für bisherige Versäumnisse gibt es allerdings nicht.
Dass einige Bio-Tierhalter ihr Bio-Siegel verlieren, ist hausgemacht. Milchbauern, die sich nicht verpflichten wollen, Weidetiere auf die Weide zu lassen. Darum geht es.
Sie kopieren die Methoden der Bauernverbände: Blockieren, bis ihnen ihre Wünsche erfüllt werden! Das sind keine Opfer!
Und tatsächlich könnten die penetranten, monatelangen Proteste der Milchlobby mit (noch) Bio-Siegel einen ersten Erfolg erzielen.
So soll laut einer Ankündigung der Lobby-Gruppe der EU-Kommissar Christophe Hansen angekündigt haben, die EU-Verordnung zur Weidehaltung zu öffnen. Er ist Mitglied der konservativen CSV. [1]
Demnach soll es der Agrarministerkonferenz nun möglich sein, ein neues Weidepapier zu erarbeiten, das der Bio-Lobby besser ins Geschäft passt.
Die Milchbauern hoffen, dass sie ihre Kühe weiterhin ohne Weidepflicht halten können – und trotzdem den Bio-Zuschlag erhalten.
Gefördert aus Steuergeldern. Denn als Steuerzahler bezahlen wir die Subventionen der Bio-Tierindustrie mit! (Einen Anspruch darauf, dass Molkereien uns nicht das Grüne von der Weide lügen, haben wir dennoch nicht.)
Reformen aussichtslos – Bio-Milchbauern boykottieren selbst minimale Grundforderungen
Beispiele wie dieses zeigen: Auch die Bio-Milchindustrie ist zu mächtig, zu penetrant und zu sehr auf Verbrauchertäuschung statt echter Veränderung fixiert, sodass eine Reform aussichtslos erscheint.
Appelle an die Vernunft und den Geist von Bio verhallen ergebnislos. Das zeigen die monatelangen, konzertierten Proteste von "Kein Zwang zur Weide"!
Nicht einmal absolute Grundlagen für den Tierschutz erscheinen erreichbar, weil sich die Lobby sperrt und bockt.
Sie fallen damit auch ihren Kollegen in den Rücken, die sich frühzeitig dafür eingesetzt haben, ihren Tieren permanenten Zugang zur Weide zu ermöglichen. Wenigstens das!
Anti-Weide-Lobby eins auswischen? Bio-Haferdrink!
Bio-Haferdrink erweist sich wieder als Held der Stunde. Hier investieren Verbraucher ihr Geld in eine nachhaltige Landwirtschaft, die ohne Tierhaltung auskommt. Das entzieht den ewigen (Ver-)Zögerern die finanziellen Mittel und fördert diejenigen, die die Herausforderungen der Zeit erkannt haben.
Noch nie war die Wahl der Pflanzenmilch so politisch! Und das Beste ist: Wir brauchen keine Milch. Mit 3-4 Jahren sind wir abgestillt und brauchen nicht einmal mehr Muttermilch. → Die 23 wichtigsten Gründe gegen Kuhmilch.
Hafermilch statt Protesten gegen Weidezwang! Damit das echte Bio-Siegel überlebt – und die Anti-Weide-Protestler und Tierschutz-Verzögerer nicht mehr mit jeder Forderung durchkommen.
Veröffentlichung:
Autor: Kilian Dreißig


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