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Analyse: 77 % der EU-Agrargelder gehen an klimaschädliche Tierproduktion

Der Klimawandel verursacht heftige Naturkatastrophen - auch hier.
Unter Überschwemmungen und Dürren leiden auch deutsche Landwirte. Trotzdem fließen die meisten EU-Gelder in klimaschädliche Tierindustrie.
Bild: pixabay.com

Eine Analyse der Organisation Foodrise wirft der EU vor, weiterhin Milliarden an Steuergeldern in die Fleisch- und Milchproduktion zu lenken – obwohl diese besonders viele Treibhausgase verursacht.

Von den Subventionen profitiert vor allem die Tierproduktion, die mit erheblichen Umwelt- und Klimabelastungen verbunden ist.

Landwirte, die klimafreundlichere pflanzliche Eiweißpflanzen anbauen, erhalten dagegen nur einen sehr kleinen Anteil der Fördergelder.

Die Kritik kommt zu einem politisch entscheidenden Zeitpunkt: Die EU plant derzeit ihre Agrarförderung ab 2028 neu.

Ein Milliarden-Topf bestimmt, was auf Europas Feldern wächst

Rund 51 Milliarden Euro verteilt die EU jedes Jahr über ihre Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) an landwirtschaftliche Betriebe.

Damit zählt die Agrarförderung zu den größten Ausgaben der Europäischen Union – rund ein Drittel des gesamten EU-Haushalts fließt in diesen Bereich.

Wie dieses Geld verteilt wird, entscheidet maßgeblich darüber, welche Lebensmittel sich für Betriebe wirtschaftlich lohnen – und was später im Supermarkt landet.

Die Förderpolitik beeinflusst damit direkt, wie klimafreundlich Europas Landwirtschaft wird – und wie stark sie künftig auf staatliche Hilfen angewiesen sein könnte.

Foodrise ist eine gemeinnützige europäische Organisation, die untersucht, wofür öffentliche Agrargelder eingesetzt werden und welche Folgen das für Klima, Landwirtschaft und Verbraucher hat. Die Gruppe wertet EU-Daten aus und veröffentlicht dazu Analysen und politische Empfehlungen.

Die Zahlen: Wer von den EU-Subventionen besonders profitiert

Eine Auswertung der EU-Förderdaten durch Foodrise zeigt für das Jahr 2020 folgende Verteilung:

  • 39 Milliarden Euro der Agrarsubventionen gingen an tierische Produkte wie Fleisch und Milch – also rund drei von vier Euro.
  • Deutlich unter 1 % floss gezielt in pflanzliche Proteinpflanzen wie Bohnen, Linsen oder Erbsen.
  • Der übrige Anteil (rund 23 %) entfiel vor allem auf Flächenzahlungen sowie auf andere Bereiche wie Getreide, Futtermittel, Obst und Gemüse, die teilweise ebenfalls indirekt der Tierproduktion zugutekommen.
Der Großteil der EU-Agrarsubventionen fließt in die Tierproduktion.
Bild: Vegpool.de (

Die Analyse basiert auf vollständigen EU-Förderdaten aus dem Jahr 2020.

Die Unterschiede fallen dabei drastisch aus:

  • Rind- und Lammfleisch erhielten etwa 580-mal mehr Förderung als Hülsenfrüchte.
  • Milchprodukte wurden rund 500-mal stärker gefördert als Nüsse und Samen.
  • Fleisch und Milch bekamen mehr als zehnmal so viele Subventionen wie Obst und Gemüse.

Anders gesagt: Für jeden Euro, der in pflanzliche Eiweißpflanzen fließt, gehen hunderte Euro in die Tierproduktion.

Tierprodukte schaden dem Klima, liefern aber vergleichsweise wenige Kalorien und Proteine.
Bild: K/Vegpool

Das zeigt: Die EU-Förderpolitik setzt weiterhin klare wirtschaftliche Anreize für emissionsintensive Produktion.

Kritik: Viel Geld für besonders emissionsintensive Lebensmittel

Nach Angaben der Analyse verursachen tierische Lebensmittel etwa 81 bis 86 Prozent der Treibhausgasemissionen im europäischen Ernährungssystem. Gleichzeitig liefern sie nur rund 32 Prozent der Kalorien und etwa 64 Prozent des Proteins.

Kritiker sehen darin einen Widerspruch: Während die EU ihre Klimaziele verschärft, unterstützt sie weiterhin vor allem besonders emissionsintensive Produktionsformen.

Warum die nächsten Jahre entscheidend sind

Die EU bereitet derzeit die Agrarpolitik für die Förderperiode ab 2028 vor. Die kommenden Entscheidungen werden darüber bestimmen, ob weiterhin der Großteil der Milliardenförderung in die Tierproduktion fließt – oder ob öffentliche Gelder stärker klimafreundliche Landwirtschaft fördern sollen.

Die Ernährung ist der wichtigste private Stellhebel für den Klimaschutz. Wer seine Ernährung klimafreundlicher gestalten möchte, findet hier wichtige Hintergründe:

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Diskussion im Forum:
Analyse: EU steckt meisten Agrar-Gelder in Tierindustrie
Letzter Beitrag: 23. Feb. von Sunjo.

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