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Vegane Multinährstoffpräparate: wie sinnvoll sind sie wirklich?

Multinährstoffpräparate für Veganer: Sinnvoll oder nicht?
Multinährstoffpräparate für Veganer: Sinnvoll oder nicht?
Bild: K/Vegpool / luismolinero / Adobe Stock

Viele Multinährstoffpräparate für Veganer und Vegetarier versprechen eine einfache Lösung: eine Kapsel am Tag – und alle benötigten Nährstoffe sind abgedeckt. Doch braucht ihr diese Präparate wirklich – oder haben sie sogar Nachteile?

Kurz gesagt:

  • Vitamin B12 ist bei veganer Ernährung unverzichtbar.
  • Viele Produkte spielen mit Unsicherheit und Vorurteilen statt mit echtem Bedarf.
  • Die enthaltenen Nährstoffe sind oft zu niedrig dosiert, um einen eventuellen Mangel gezielt zu beheben.
  • Nährstoffe, bei denen ihr gut versorgt seid, könnten mit dem Gießkannen-Prinzip sogar überdosiert werden.
  • Wenn ein Mangel besteht, ist eine gezielte Ergänzung sinnvoller als ein Komplettpaket.

Was sind vegane Multinährstoffpräparate?

Vegane Multinährstoffpräparate (auch Multivitamine oder Komplett-Supplements genannt) gelten als einfache Lösung für die vegane Nahrungsergänzung.

Sie kombinieren viele Vitamine und Mineralstoffe in einem Produkt. Häufig enthalten sind Vitamin B12, Vitamin D, Eisen, Zink, Jod oder Selen. Manche ergänzen zusätzlich Omega-3-Fettsäuren.

Die Idee dahinter: Ihr müsst euch nicht mit einzelnen Nährstoffen beschäftigen, sondern nehmt einfach „alles auf einmal“. So fühlt ihr euch bestens versorgt.

Eine dem Bedarf angemessene Supplementation verspricht mehr Sicherheit als das Gießkannen-Prinzip.
Bild: Canva.com

Welche Supplemente bei veganer Ernährung wirklich nötig sind

Manche dieser Präparate bedienen das verbreitete Vorurteil, dass man als Veganer automatisch mit bestimmten Nährstoffen unterversorgt sei. Das wird oft stark vereinfacht dargestellt.

Tatsächlich sollten Veganer bei bestimmten Nährstoffen aufpassen, vor allem bei Vitamin B12. Nutztiere erhalten das Vitamin häufig über künstliche Zusätze im Futter. Weil Tierprodukte bei Veganern wegfallen, sollte Vitamin B12 fest eingeplant werden. Dies ist zum Glück sehr einfach.

Bei Vitamin D3, Omega-3, Eisen und Co. kann eine Ergänzung sinnvoll sein, um optimale Werte zu erreichen. Das geht teilweise schon in Richtung Optimierung und dient nicht mehr nur der Vermeidung eines medizinischen Mangels.

Vitamin D und Omega-3 sind aus unserer Sicht sinnvoll. Jod und Selen können ebenfalls nach Bedarf ergänzt werden. Eisen sollte man nur supplementieren, wenn ein konkreter Bedarf vorliegt. Eisenmangel ist vor allem bei jungen Frauen im gebärfähigen Alter ein Thema.
Nährstoff Einschätzung Kommentar
Vitamin B12 wichtig Muss supplementiert werden, da kaum pflanzliche Quellen
Vitamin D Oft sinnvoll Vor allem im Winter relevant
Omega-3 Sinnvoll DHA/EPA ggf. ergänzen, für optimales Profil
Jod Situativ Abhängig von Jodsalz/Algenkonsum
Selen Situativ Stark abhängig von Böden (z. B. Paranüsse)
Eisen Nur bei Bedarf Supplement nur bei nachgewiesenem Mangel – Werte im unteren Normbereich sind oft unproblematisch
Zink Situativ Bei einseitiger Ernährung relevant
Calcium Situativ Über angereicherte Lebensmittel gut abdeckbar. → Die wichtigsten veganen Calcium-Quellen.

Sind vegane Multinährstoffpräparate sinnvoll?

Aus unserer Sicht bringen Multinährstoffpräparate keinen Vorteil gegenüber einer gezielten Versorgung. Auch wenn ihr bei einem Nährstoff einen Mangel habt, ist die Dosierung oft zu gering, um ihn gezielt zu behandeln.

Bei einem Vitamin-B12-Mangel werden häufig mehrere 1000 µg als „Kur“ verordnet. Viele Multinährstoffpräparate enthalten jedoch nur z. B. 10 µg, die für die Behandlung eines Mangels nicht ausreichen. Ähnlich bei einem Eisenmangel: Hier werden oft 50–200 mg am Tag empfohlen – typische Nährstoffkombis enthalten jedoch oft nur ca. 10 mg pro Tagesdosis.

Viele nehmen über solche Kombipräparate Nährstoffe auf, die sie gar nicht benötigen. Gleichzeitig sind wichtige Stoffe manchmal zu niedrig dosiert.

Ein einzelnes Multinährstoffprodukt passt selten perfekt zu eurem individuellen Bedarf. Es ist nicht unbedingt schädlich, allerdings empfehlen wir, Nährstoffe nur dann zu ergänzen, wenn ein konkreter Bedarf besteht. Bei gezielter Ergänzung könnt ihr manchmal zudem Geld sparen.

Lasst euren Bedarf regelmäßig überprüfen. Besonders wichtig ist das bei Nährstoffen, die der Körper nicht einfach so ausscheiden kann (etwa Eisen oder Vitamin D).

Warum Kombinährstoff-Produkte für Vegetarier und Veganer so beliebt sind

Schon die Verfügbarkeit solcher Präparate suggeriert eine Gefahr, die von pflanzlicher Ernährung ausgeht. Mitunter wirken Multinährstoffpräparate wie eine Art „Versicherung“ gegen vermeintliche Risiken.

So entsteht schnell der Eindruck, dass ihr ohne ein solches Präparat schlecht versorgt seid. In Wirklichkeit zahlt ihr oft vor allem für ein Gefühl von Sicherheit – nicht unbedingt für eine wirklich passende Versorgung.

Frau schluckt eine Tablette
Supplementation sollte immer bedarfsgerecht sein und regelmäßig kontrolliert werden.
Bild: Fotolia.com

Gezielte Supplemente statt Komplettlösung

Für die Praxis empfehlen viele Experten:

  • Vitamin B12 fest einplanen, z. B. 500 µg alle 3 Tage
  • Vitamin D3 je nach Jahreszeit ergänzen, z. B. 2.000 IE am Tag
  • Weitere Nährstoffe bei Bedarf mit einem Arzt abklären und den Bedarf laufend kontrollieren, z. B. jedes Jahr.

Multinährstoffpräparate für Vegetarier und Veganer bieten vor allem ein gutes Gefühl und Bequemlichkeit. Einen klaren Vorteil gegenüber einer gezielten Supplementierung haben sie jedoch nicht.

Wenn ihr die wichtigsten Nährstoffe kennt, regelmäßig kontrolliert und gezielt ergänzt, kommt ihr meist ohne Komplettpaket besser zurecht.

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Multinährstoffpräparate für Vegetarier und Veganer - wie sinnvoll?
Letzter Beitrag: 23. Mär. von Dana.

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