Vegan: Der Versuch, fair zu leben.

Eine hübsche Bauernhof-Idylle aus der Fantasie
Idylle auf dem Bauernhof - nichts weiter als Phantasie? Bild: Fotolia.com

Immer mehr Menschen leben vegan. Und doch gibt es auch viel Kritik gegenüber dem "Hipster-Lifestyle" und der vermeintlich zur Schau getragenen, moralischen Überlegenheit der Veganer.

Veganer töten doch auch Tiere, wenn sie im Wald spazieren gehen, heißt es zum Beispiel. Und auch bei der Ernte von Gemüse werden Mäuse getötet. "Die Veganer" sollten sich also gar nichts einbilden!

Abgesehen von den ökologischen und gesundheitlichen Aspekten, ist die vegane Lebensweise für die meisten Veganer ein Versuch, etwas fairer zu leben und die Welt zumindest für manche Tiere etwas besser zu machen.

Ein (vermeintlicher?) ethischer Konflikt

Ich möchte diesen (vermeintlichen?) ethischen Konflikt einmal aus meiner Sicht schildern.

Ich bin mit Haustieren aufgewachsen, mit Kaninchen und einem Kater. Als ich mit etwa 14 Jahren eher zufällig erfuhr, dass viele Lebensmittel von Tieren stammen, die ihr Leben lang nicht an die frische Luft können; die ein Leben lang im eigenen Kot stehen, hat mich das regelrecht schockiert.


Ich wurde erzogen in dem Sinne, dass man der Katze nicht am Schwanz zieht. Den Igel, den ich damals im Garten gefangen habe, habe ich Stunden später freigelassen - weil es mir leid getan hat.

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Das hier war also etwas Neues. Von Massentierhaltungen zu hören, hat mein Weltbild erschüttert. Das ist eine Qualität von Tierquälerei, die mir in dieser Vorsätzlichkeit nicht bewusst gewesen war.

Bin ich als Fleischesser ein Mittäter?

Und ich war plötzlich Mittäter, denn ich wusste plötzlich, dass das Frühstücks-Ei nicht "einfach da" war. Dass meine Entscheidung, ein Ei zu essen, für ein Tier echte, reale Folgen hatte. Meine Laune bestimmt über Leben und Tot. Wie bei irgendeinem wahnsinnigen Diktator.


Zu behaupten, dass sich nun alles verändert hätte, wäre gelogen. Das Gegenteil war der Fall. Wochenlang habe ich nach Argumenten gesucht, die mir helfen könnten, nichts zu verändern. Ich suchte einen guten Grund, warum mein Mitgefühl mit den Tieren falsch sei.

Dazu kam auch noch ein weitere Gedanke: Ist Töten nicht ein Teil der Natur? Töten wir nicht alle - direkt oder indirekt? Ist es da nicht illusorisch, etwas verändern zu wollen?

Keine absolute Lösung

Auf der Suche nach einer absoluten Lösung bin ich nicht fündig geworden. Entweder ich entscheide mich für "alles egal", in der Hoffnung, dass ich auch als Soziopath glücklich werde. Oder ich akzeptiere, dass ich die Welt zwar nicht komplett retten kann - aber zumindest vorsätzliche Tierquälerei nicht in Anspruch nehmen muss.

Vegan lag gewissermaßen auf der Hand.

Erst später wurde mir bewusst, dass es im Grunde der Goldenen Regel entspricht, die die Basis unserer Zivilisation ist.

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Wir haben Einfluss darauf, wie mit Tieren umgegangen wird. Die vegane Lebensweise beendet nicht alles Leid der Welt - aber sie erzeugt weniger unnötiges, vorsätzliches Leid.

Wir können vegan essen, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Ein Mangel auf dem Teller beruht immer auf einem Mangel an Phantasie. Für mich ist die vegane Ernährung längst Routine und nichts Besonderes mehr. Ich bin dadurch kein besserer Mensch, doch rückblickend empfinde ich es als richtig, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Vielleicht, weil ich mit mir selbst öfter im Reinen bin.

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Kilian Dreißig
KILIAN DREIßIG
Vegane Lebensweise vereint Klimaschutz, Tierschutz und Lebensqualität. Gute Gründe für mich, diese Vorteile auf Vegpool bekannter zu machen.


Veröffentlichung:

4,7/5 Sterne (64 Bew.)

Schlagworte: fair und sozial Argumente Inspiration Hintergründe Vegan-Einstieg


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